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Kauflust statt Kauffrust

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„Am 24. Dezember ist dann immer Männertag. Die Leute sind dann immer sehr froh darüber, noch ein schönes Geschenk gefunden zu haben“, erzählt Oliver Riemann in seinem Laden „Oilea“. priedemuth
„Am 24. Dezember ist dann immer Männertag. Die Leute sind dann immer sehr froh darüber, noch ein schönes Geschenk gefunden zu haben“, erzählt Oliver Riemann in seinem Laden „Oilea“. priedemuth © NATASCHA HEIDENREICH

Geschäftsleute ziehen zufriedene Zwischenbilanz des Weihnachtsgeschäfts

BAD HOMBURG - Es weihnachtet in der Kurstadt und das anscheinend wie zuletzt im Jahre 2019, als noch niemand ahnen konnte, dass zwei lange Jahre Pandemie bevorstehen. Die Adventswochen gehören für die Einzelhändler zu den umsatzstärksten des gesamten Jahres. „Die Menschen sehen, dass die Kerzen brennen und plötzlich wissen sie: Es wird eng“, sagt Oliver Riemann, der Geschäftsführer von „Oilea - Kulinarische Ideen“ in den Louisen-Arkaden. „Bisher läuft alles gut.“ Im Angebot hat er beispielsweise seinen selbst entwickelten Bad Homburger Gin. „Ich dachte, die Gin-Welle würde irgendwann abflachen, aber sie türmt sich im Moment eher noch weiter auf.“ Mittlerweile laufe das Geschäft definitiv wieder wie vor Corona. Aber dies sei nur eine Zwischenbilanz, weil das eigentliche Weihnachtsgeschäft steht Riemann noch bevor: „Der vierte Advent ist immer unser Startschuss. 20 Prozent des Gesamtjahresumsatzes machen wir in den Tagen oder dieses Mal in der Woche nach dem vierten Advent.“

Heidrun Niederschuh wollte so lange nicht warten und sich zwischen den letzten gestressten Einkäufern wiederfinden. Sie hat bereits vergangene Woche fast alle Weihnachtsgeschenke gefunden und sich nur noch eine letzte Sache aufgehoben, die sie nun im Teeladen „Teemagazin“ in den Louisen-Arkaden besorgen muss. Frank Hirschelmann ist der Geschäftsführer. Im selben Laden befindet sich auch der von seinem Ehemann geführte Laden: „C & C fine wine“. Das Weihnachtsgeschäft laufe gut, berichtet Hirschelmann. Bei ihm finde man alles, meint er, von kleinen Präsenten bis Kleinigkeiten für den täglichen Bedarf. Das Problem seien aber auch die Lieferengpässe. So wären schon jetzt - nach dem dritten Adventswochenende - diverse Weihnachtsprodukte ausverkauft. Es würde sich auch nicht mehr lohnen, da etwas vor Weihnachten nachzubestellen. Beispielsweise - das könne er bei seinem Ehemann beobachten - besonders hochwertiger Champagner sei sehr limitiert. „Da bestellt man eine Kiste à sechs Flaschen und bekommt nur eine geliefert.“ Bei Tee gebe es aber keine Engpässe.

Vor allem warme Kleidung wird gekauft

Ein paar Schritte weiter befindet sich der Laden „Me & Mom“. Dort kann Kinderkleidung gekauft werden. Angestellte Femke Quade findet: „Die Menschen suchen jedes Jahr später nach Geschenken.“ Doch obwohl die Weihnachtskäufe sich wohl in den Augen der Angestellten nach hinten verschoben haben, so seien der zweite und der dritte Adventssamstag wohl ausgesprochen gut gelaufen. Die Kauflust sei aber nicht konstant hoch. „Es gibt auch sehr ruhige Tage“, sagt Geschäftsführerin Ursula Schmidt. Ihrer Beobachtung nach würde das Kaufverhalten ihrer Kunden auch von Faktoren wie dem Wetter abhängen. Außerdem seien die Leute natürlich durch Krisen beeinflusst. Es laufe jedoch besser als in den Vorjahren. Eine genaue Bilanz ziehe sie erst am Ende des Jahres. Besonders gut verkaufen sich Hemden, Pullover und Kleider.

Pullover seien auch bei „Halbach“, dem Modehaus in der Louisenstraße 73-75, der Verkaufsschlager. „Und Strickjacken - eben alles, was warmhält. Dafür aber weniger festliche Kleidung. Das ist wohl Corona geschuldet“, mutmaßt Geschäftsführer Eberhard Schmidt-Gronenberg. Trotz des Ukraine-Kriegs und der Energiekrise liege der Umsatz über dem Vorjahr. Den klassischen Weihnachtseinkauf, wie es ihn früher gegeben habe, könnte er nicht mehr beobachten, weil „die Leute online unterwegs sind“. Was im Vergleich zu 2019 fehle, läge aber nicht am Weihnachtsgeschäft - so berichtet Schmidt-Gronenberg -, sondern sei dem Anfang des Jahres geschuldet. Im Januar und Februar wären die Menschen noch vorsichtiger gewesen wegen Corona.

Frank Stadtler, der Geschäftsführer vom Modehaus „Hillmann“ in der Louisenstraße 10-12, hat das anders erlebt: „Ich konnte beobachten, dass die Leute während Corona den Einzelhandel zu schätzen wussten, und wir haben da echt Sympathie bei einigen geerntet, weil wir individuelle Absprachen treffen konnten.“ Es sei keine Krise, sondern eine Herausforderung gewesen. Bei „Hillmann“ verkaufen sich momentan Mützen und warme Kleidung besonders gut. Auch wegen der gesenkten Temperaturen in Bürogebäuden, vermutet Stadler. „Wir sind positiv überrascht und mit 2019 auf gleichem Niveau.“ Daneben seien Dienstag und Freitag - die Markttage - die umsatzstärksten Tage.

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