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Mittelzentren

Karben und Nidderau haben wohl keine Chance auf einen Aufstieg

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Das Land Hessen versagt Karben und Nidderau den finanziell attraktiven Status Mittelzentrum. Doch die wollen das nicht einfach so hinnehmen.

Die Städte Karben (Wetteraukreis) und Nidderau (Main-Kinzig-Kreis) wollen am Landesentwicklungsplan (LEP) kräftig rütteln. Beide Kommunen versuchen seit Jahren den Aufstieg in die Liga der Mittelzentren. Es geht dabei nicht allein um das Image, sondern auch um viel Geld, das das Land zahlen müsste. In einer Kleinen Anfrage der FDP im Landtag macht das Wirtschaftsministerium deutlich, dass dies für die beiden Städte auf unbestimmte Zeit Wunsch bleiben wird. Karben und Nidderau erwägen nun vor das Verwaltungsgericht zu gehen.

„Wir haben nur noch das Ergebnis der Kleinen Anfrage abgewartet“, sagt Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne). Ganz gleich; wie das Verfahren ausgehe, es werde eine grundsätzliche Klärung schaffen, so Vogel. Der LEP sei aus dem Jahr 2000. Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU) sieht dies gleichermaßen, „um die optimierungsfähige Ausarbeitung des Landes einmal zu hinterfragen“. Laut Rahn zeige das Land Hessen so gut wie keine Bereitschaft, etwas am aktuellen System zu ändern. Bei der Bewertung seiner Stadt seien etwa Bevölkerungszahl und Zuzüge, Schulstandort, die Zahl der ÖPNV-Nutzer und Pendlerverbindungen sowie die Funktion von Sport und Kultur für das Umland zu gering oder gar nicht gepunktet worden.

Für Vogel steht außer Frage, dass beim LEP „eine Fokussierung auf Ballungsräume“ bestehe. Nidderau stehe mit seiner Struktur in Bildung, Versorgung und Verkehr oder Multiplexkino und Schwimmbad vergleichbar mit bestehenden Mittelzentren da, etwa mit Bruchköbel. Rahn zieht diesen Vergleich mit dem benachbarten Bad Vilbel. Um das Ziel zu erreichen, wäre Karben bereit, als Mittelzentrum mit Bad Vilbel zu kooperieren, heißt es in der 24-seitigen Stellungnahme zum LEP. Die bisherigen Optionen lauteten neben einem Alleingang den Mittelzentrumsverbund mit Nidderau anzustreben.

Allerdings zeigt die vom Land in Auftrag gegebene „Studie zur empirischen Überprüfung der zentralen Orte in Hessen“ von 2019, dass Bad Vilbel hinsichtlich der infrastrukturellen Ausstattung im Mittelfeld liegt, bei der Zentralität, einem anderen Kriterium für Mittelzentren, schwach dasteht. Der Stadt droht bei der nächsten Bewertung in fünf Jahren die Abstufung zu einem Grundzentrum. Hintergrund bildet der Beschluss der Verbandskammer des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main vom Juni 2019, das Zentrale-Orte-System zu ändern.

Viele Mittelzentren in Hessen

„Hessen hat im bundesweiten Vergleich, in dem neun Prozent aller Städte und Gemeinden Mittelzentren sind, ein sehr dichtes Netz an Mittelzentren“, teilt das Ministerium in der FDP-Anfrage mit. Mit knapp einhundert Mittelzentren liege die Quote in Hessen bei 25 Prozent. Ob Karben oder Nidderau die Kriterien bei der nächsten Erhebung erfüllen könnten, lasse sich heute nicht vorhersagen, heißt es aus Wiesbaden auf Nachfrage der FR, ob aus der Kleinen Anfrage ein klares Ja oder Nein herausgelesen werden könne. Offenbar eher Letzteres. „Gewiss ist es im Rhein-Main-Raum mit seiner Vielzahl an Mittelzentren nicht einfach, einen entsprechend hohen Mitversorgungsgrad aufzubauen“, heißt es weiter. Ein möglicher Grund mag darin zu sehen sein, dass seit Jahren auch die Dörfer, vor allem solche mit größeren Neubaugebieten, bei der Entwicklung von Versorgungsstrukturen aufgeholt haben – und nicht nur um den Bedarf der Bevölkerung zu decken, Beispiel Niederdorfelden.

Damit Mittelzentren ihrer Versorgungsaufgabe gerecht werden können, gibt es auch mehr Geld vom Land. Laut Vogel stünden seiner Stadt wie dem Nachbarn Bruchköbel rund zwei Millionen Euro im Jahr mehr zu. Geld, das die Stadt Nidderau über die Grundsteuer erwirtschaften müsse, sagt Vogel. Er ist sich sicher, schon aus diesem Grund wünsche das Land keine weiteren Mittelzentren. „Bereits 2017 hatte der damalige Finanzminister Thomas Schäfer erklärt, der Topf ist gedeckelt“, so Vogel.

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