Maintal

Vorbildliche Integration

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Für sein Projekt mit Flüchtlingskindern errang der SC Budokan den 2. Platz beim ODDSET Zukunftspreis des hessischen Sports.

Während die Sportarten Judo oder Karate bei Großveranstaltung kaum mediales Interesse finden, ist das gesellschaftliche Wirken der Vereine manchmal immens - so etwa beim Sport Club Budokan Maintal. Dort sieht man sich neben sportlichen Erfolgen auch gesellschaftlichen Aufgaben verpflichtet. So baute der Verein nicht nur ein Sportlerinternat, das er mit der starken Flüchtlingszuwanderung von 2016 schutzsuchenden Familien als Unterkunft bereitstellt. Gut 70 Kinder und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien aus der ganzen Stadt trainieren Judo oder Karate und erreichen vereinzelt sogar sportliche Lorbeeren. Für seine Integrationsarbeit hat der SC Budokan nun den zweiten Platz beim ODDSET Zukunftspreis des hessischen Sports gewonnen. Die Auszeichnung ist mit 8000 Euro dotiert. Es ist zudem nicht der erste Preis des Sportwettenunternehmens der Lottogesellschaften der Bundesländer, den der Verein verliehen bekam.

„Sport verbindet immer“, sagt Ervin Susnik. Die zehn bis 18 Jahre alten Neuankömmlinge werden in den Trainingsgruppen schnell aufgenommen, berichtet der Vorsitzende. „Die Kinder haben einfach Spaß an Bewegung und helfen sich gegenseitig.“ Sprachliche Probleme seien zumeist nur von anfänglicher Natur. Und überhaupt: „Bei Judo und Karate heißen die Begriffe überall auf der Welt, japanisch.“ Sport stellt zudem für diese jungen, oft von Krieg und Flucht traumatisierten jungen Menschen ein niederschwelliges Angebot dar, sagt Susnik. Aber nicht nur für die. Der Verein verfügt mittlerweile für alleinreisende männliche Flüchtlinge eine Fußballgruppe, die aus bis zu 40 Personen besteht. Um das Angebot in die Vereinsaktivitäten aufnehmen zu können, hat der Ehemann eines Vorstandsmitglieds eine Trainerlizenz gemacht. Die Budoka kümmern sich aber auch schon mal um die Angelegenheiten der Familien und helfen etwa beim Behördengang oder bei der Einschulung.

„Wir sind sehr sozial eingestellt, vielleicht deshalb, weil der halbe Vorstand einen Migrationshintergrund hat“, sagt Susnik, dessen Eltern aus Slowenien kamen. Das Engagement besteht nicht erst mit den Ereignissen von 2016. „Der SC Budokan ist der erste und bislang einzige Sportverein von 573 im Main-Kinzig-Kreis, der die Qualifizierung Stützpunktverein Integration durch Sport besitzt und das seit 2007“, sagt Susnik. Seit 2016 fungiert die angehende Sport- und Fitnesskauffrau Ardijana Ramic in der Vereinsgeschäftsstelle als Integrationsbeauftragte. Sie bildet die Schnittstelle zwischen Geflüchteten und Vorstand. Susnik hebt hervor, dass der Verein zudem rasch reagieren könne, weil der Vorstand als ständig tagendes Gremium fungiere.

Dass rund 70 junge Flüchtlinge im Budokan trainieren, ist nicht dem Zufall zu verdanken. Der Verein bringt sich an mehreren Schulen in die pädagogische Mittagsbetreuung samt Mittagstisch sowie mit zwölf Judo AGs in und um Maintal ein. „Der Budokan besitzt super Verbindungen zur Schulen und zur Stadt Maintal.“ Hinsichtlich seiner Integrationsarbeit und seinem gesellschaftlichen Wirken wird der Verein sogar vom Landessportbund als Modellverein herumgereicht. Der SC wird etwa bei Podiumsdiskussionen zu diesem Themengebiet eingeladen, so Susnik.

Integration von Kindern aus Flüchtlingsfamilien bedeutet ebenso selbst aktiv werden. Eine Jugendliche, die vor zwei Jahren als 15-Jährige mit ihren Eltern aus Afghanistan nach Maintal kam, ist heute Trainerin für Kindergruppen. Ankommen heißt beim SC Budokan auch, „es gibt kein getrenntes Training nach Geschlecht, Religion oder Nationalität“. Das tragen eines Kopftuchs stellt kein Problem dar. „Bei uns ist es jedoch selbstverständlich, dass jeder mit jedem trainiert“, sagt Susnik. Dazu gehört ebenso, dass die Kinder in gemischten Gruppen an Ausflügen, Wettkampffahrten oder aktiv am Fasching mitmachen. „Die Eltern stehen unseren Bemühungen offen gegenüber. Sie sehen, dass der Verein der beste Weg ist für eine schnelle Integration“, sagt Susnik.

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