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Bei der 250. Montagsdemo am Flughafen protestierten viele Bürger aus dem Main-Kinzig-Kreis.

Lärm

Kampf in Main-Kinzig um leisere Anflüge

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Bürgerinitiativen verfassen eine Petition für das „Point-Merge-Verfahren“ und fordern dazu „unverfälschte Zahlen“ von der Flugsicherung.

Mit Petitionen an den Bundestag und den Hessischen Landtag wollen die IG Fluglärm Hanau-Kinzigtal sowie die Bürgerinitiative Bayerischer Untermain den Lärm durch leisere Anflüge auf den Frankfurter Flughafen reduzieren. Sie fordern, die „unverfälschte Zahl“ von Betroffenen, die durch das Anflugverfahren Point Merge entlastet werden könnten, zu ermitteln und daraus Konsequenzen zu ziehen.

Beim Point-Merge-Verfahren, von dem die Initiativen überzeugt sind, werden Flugzeuge – im Gegensatz zum praktizierten Baseline-Verfahren – nicht erst ganz in der Nähe, sondern weit weg vom Flughafen und in großer Höhe in eine Art Trichter geschickt und steuern danach die Landebahn im kontinuierlichen Sinkflug an.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hatte lange geprüft, ob Point Merge in Frankfurt sinnvoll wäre. Die Studie kam 2017 zu dem Ergebnis, dass sich die Situation für ungefähr 400.000 Menschen, etwa in Gelnhausen, verbessern würde, aber eine Million Menschen, zum Beispiel in der Wetterau, zusätzlich belastet würden. Zudem führte die DFS Bedenken wegen des hohen Verkehrsaufkommens um den Flughafen an. Die Maschinen müssten deshalb besonders große Bögen fliegen, was auch wegen der Nähe zu anderen Flughäfen kaum möglich sei. Darüber hinaus würden sie auch bei weiter entfernten Sammelpunkten über der Region kreisen, hieß es. Das Fazit der DFS, die Kritik zurückwies: Point Merge wäre keine Hilfe.

Die BIs haben große Zweifel an der Untersuchung und den Resultaten. Sie kritisieren vor allem, dass bei der DFS-Erhebung Point Merge simuliert, gleichzeitig jedoch das bisherige Anflugverfahren Baseline beibehalten worden sei. Das leisere Verfahren sei nur vorgeschaltet worden.

Damit habe sich natürlich die Zahl der von Lärm betroffenen Bürger erhöht, sagt Eric Ludwig, Vorsitzender der IG Fluglärm, und fügt hinzu: „Point Merge alleine wäre ein echter Fortschritt.“ Der Wille, den Lärm bei Entfernungen von 25 bis 80 Kilometern zu reduzieren, habe eindeutig gefehlt. Deshalb fordern die Initiativen eine neue Studie, an der unabhängige internationale Experten mitarbeiten. Dabei solle Point Merge ohne die Kombination mit anderen Anflugverfahren betrachtet werden, damit die Zahl der entlasteten Menschen nicht verfälscht werde, heißt es in der Petition. Dazu sollen Bund und Land die DFS verpflichten.

Ziel sei die Reduzierung des Lärms beim Anflug auf den Flughafen sowie Distanzen von 20 bis 50 Kilometer aus östlicher Richtung. Dass dies gelingen könne, zeigt laut Ludwig der Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Dieser wird den Angaben zufolge über „bogenförmige Warteräume“ in Höhe von 20.000 Fuß und einen anschließenden Sinkflug erreicht. Mit 507.000 Flugbewegungen und vier Pisten sei er mit dem Frankfurter vergleichbar.

Zu den besonders betroffenen Gegenden im Main-Kinzig-Kreis gehören Rodenbach und Hanau-Steinheim, aber auch die Gegend um Gelnhausen. Bei Westbetrieb verlaufen die Anflugrouten über den gesamten Kreis.  

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