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Die Demonstrant*innen starteten am Freien Platz und feierten nach der Demo ein Friedensfest.

Ostermärsche in Hessen

Kampf für Frieden und Solidarität in Bruchköbel

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    Steven Micksch
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Etwa 250 Teilnehmer werden beim hessischen Ostermarschauftakt gezählt. Die Aktivisten wollen ein Friedens- statt ein Militärmuseum.

Beim Ostermarsch am Karfreitag in Bruchköbel haben nach Polizeiangaben etwa 250 Teilnehmer für ein Zusammenleben ohne Krieg demonstriert. Kundgebung und Demo seien friedlich verlaufen und die Stimmung sei sehr gut gewesen, berichtete Erich Ehmes, Sprecher der Hanauer Friedensplattform. Er freute sich, dass mehr Menschen als 2018 gekommen waren. Der Sprecher des Ostermarschbüros, Willi van Ooyen, lobte: „Wir registrieren, dass mehr Menschen unterwegs sind und sich engagieren. Das ist ein ermutigendes Zeichen.“ Auch eine jugendliche Rednerin der Klimabewegung „Fridays for Future“ beteiligte sich.

Zu dem Marsch – dem Auftakt in Hessen – hatten der DGB und die Friedensplattform aufgerufen und dabei gemahnt: „Seit 1945 war der Frieden in Europa nie mehr bedroht als heute“, unter anderem wegen der Kündigung des INF-Vertrags und der Aufrüstung. Unterstützt wurden die Veranstalter etwa von Pax Christi Gelnhausen, der Föderation der demokratischen Arbeitervereine (DIDF) und dem Jugendbündnis Main-Kinzig, das sich bei „Fridays for Future“ engagiert.

Weißenbrunner ruft zum Kampf für Abrüstung und gegen Rechtsextremismus auf

Robert Weißenbrunner, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda, warnte in seiner Rede: „Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen und der zunehmenden Militarisierung der Politik hat gleichzeitig die soziale Spaltung dramatische Ausmaße erreicht.“ Millionen Menschen müssten sich mit Niedriglöhnen durchschlagen. „Anstatt diese Probleme anzugehen, werden immer mehr Mittel für Waffen und Militär ausgegeben.“

Weißenbrunner forderte zum Kampf für Abrüstung und gegen Ungleichheit sowie Rechtsextremismus auf. Gleichzeitig sei es wichtig, „denjenigen, die über die schreienden und offensichtlichen Ungerechtigkeiten zu Recht empört sind, ein Angebot zu machen, sich in einer solidarischen Bewegung zu engagieren, die etwas bewegen kann“.

Neben Welt- und Bundespolitik ging es auch um lokale Themen. Hans-Günther Schramm aus Nürnberg berichtete über das dortige Friedensmuseum, das er vor gut 20 Jahren in einem ehemaligen Friseursalon mit aufbaute. Schramm war auch deshalb eingeladen worden, weil in Hanau wohl bald ein „Dokumentationszentrum Hanauer Militärgeschichte“ entsteht. Die Friedensplattform lehnt das Militärmuseum ab, „weil wir in Hanau lieber ein Friedensmuseum sehen möchten und uns für eine aktive Friedenserziehung einsetzen“, erklärte Sprecherin Doris Werder. Während Schramms Rede drängten sich Parallelen zwischen Nürnberg und Hanau auf: Das Museum entstand, „weil wir dem Garnisonsmuseum, das damals vorangetrieben wurde, etwas entgegensetzen wollten“, erzählte Schramm. Ein Museum mit dem Fokus auf Militär und Relikten aus dem Krieg sei rückwärtsgewandt. Das Nürnberger Friedensmuseum dokumentiere die Geschichte der Friedensbewegung, schaue aber vor allem nach vorne, konzentriere sich auf „gewaltfreie Konfliktlösung“ und arbeite dazu viel mit Kindern und Jugendlichen. Das sei jetzt besonders wichtig, weil die Bundeswehr intensiv in Schulen werbe. Schramm empfahl den Hanauern, wenn möglich ebenfalls eine eigene Einrichtung zu schaffen, die von der Stadt unterstützt werden sollte. „Ich kann und will euch ermutigen. Traut euch den langen Atem zu“, appellierte Schramm am Freitag und rief zum Schluss: „Für ein Friedensmuseum in Hanau!“

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