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Planspiele im Fulda Gap

Der Kalte Krieg veränderte auch Hessen

Sie kamen als Befreier, waren zwischenzeitlich Besatzer, später Freunde, und als sie gingen war niemand so richtig traurig: Die Geschichte der Amerikaner in

Sie kamen als Befreier, waren zwischenzeitlich Besatzer, später Freunde, und als sie gingen war niemand so richtig traurig: Die Geschichte der Amerikaner in Hessen ist zuerst eine politische, eine hochpolitische sogar.

Groß-Hessen war die provisorische Bezeichnung für das 1945 neu gegründete Land Hessen. Das in der amerikanischen Besatzungszone gelegene Land wurde am 19. September 1945 durch die Proklamation Nr. 2 des Oberbefehlshabers der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General Dwight D. Eisenhower, ins Leben gerufen.

Neben dem Aufbau demokratischer Strukturen galt ein Hauptaugenmerk der Amerikaner dem osthessischen Hinterland mit der Grenze zum sowjetisch besetzten heutigen Thüringen. Starke Truppenkonzentrationen gab es schon in den 50ern in Bad Hersfeld und vor allem in Fulda. Die Region lag im Zentrum der Nato-Verteidigungslinie "Fulda Gap" (Fuldaer Lücke), in der die Nato im Ernstfall die Invasion der Truppen des Warschauer Paktes erwartete. Das Fulda Gap zog sich von Herleshausen bis in die Nähe von Bad Neustadt in der bayrischen Rhön - der kürzeste Weg für die Panzer des Warschauer Paktes nach Frankfurt und Bonn.

Soweit ist es glücklicherweise nicht gekommen. In Amerika aber, damals noch nicht vom 11. September traumatisiert und vom Nimbus der Unerreichbarkeit beseelt, machte man ein Spiel daraus. Und die Strategen im Pentagon simulierten fröhlich einen Ernstfall, der vorsah, dass die Truppen des Warschauer Paktes nach Ausbruch kriegerischer Handlungen Fulda niederwalzten, um zwei Stunden später in Frankfurt zu sein.

Da wollten natürlich nicht alle mitspielen, vor allem die, die unmittelbar davon betroffen gewesen wären. Nicht umsonst hat die Friedensbewegung im osthessischen Aufmarschgebiet und seinem Hinterland noch lange ausgehalten. Ostermärsche mit tausenden Teilnehmern waren Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger keine Seltenheit. Da machte auch das Wort von der "atomaren Bedrohung" die Runde, wohlgemerkt nicht durch die Russen und ihre Verbündeten, sondern durch die Abwehranlagen der Amerikaner selbst.

Sprengschächte in Straßen und Brücken entlang des Fulda Gap bis tief ins Landesinnere sollten den östlichen Vormarsch stoppen. Zeitweilig gab es Gerüchte, sie seien mit Atomminen bestückt. Bewiesen werden konnte es nie, weil sich die Amerikaner beim Abzug und dem damit verbundenen Abbau der Anlagen nicht in die Karten gucken ließen. Was für die Menschen im Land sichtbar war: Immer wiederkehrende Manöver, zur besten Herbstzeit, Schäden an Äckern und Straßen inklusive. Nur die Landwirte hatten einen Nutzen davon: Ihre Schäden wurden großzügig beglichen.

Großzügig gingen die Amerikaner auch mit dem Thema Umweltschutz um. Nach dem Abzug der Einheiten und dem Verlassen der Garnisonen blieben vielfach Liegenschaften zurück, die so hoch mitÖl und anderen Schmiermitteln kontaminiert waren, dass vor einer Konversion - einer zivilen Umwidmung der Anlagen - erst einmal Altlasten beseitigt werden mussten. Das kostete Millionenbeträge. Am Schluss waren viele von den GIs, die noch mit ihren Familien geblieben waren, durch den Verfall des Dollars so klamm, dass sich in hessischen Städten Unterstützergruppen bildeten, die den in Not geratenen US-Bürgern mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs unter die Arme griffen.

Heute arbeiten Studenten der Hochschule Fulda zusammen mit Streetworkern der Stadt in einem Projekt mit Kindern und jungen Menschen aus Familien, die in der ehemaligen US-Kaserne angesiedelt wurden, diese Vergangenheit auf. Ein paar dieser Kinder haben amerikanische Väter. tw

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