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Es ist noch viel zu tun: Blick auf die Großbaustelle am Kaiserlei. Bild: Monika Müller

Offenbach

Der Kaiserlei-Umbau zwischen Frankfurt und Offenbach wird deutlich teurer

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Offenbach: Der Magistrat billigt die Mehrkostenvorlage. Die Ausgaben steigen um 11,5 auf 52,5 Millionen Euro. Die Arbeiten am einst größten Verkehrsrondell Deutschland dauern länger.

Nach etlichen Verzögerungen hatte 2017 der Umbau des Kaiserlei-Kreisels begonnen. Die auf drei Jahre veranschlagten Bauarbeiten sorgten für viele Überraschungen. Die positive vorneweg: Trotz Riesenbaustelle am vielbefahrenen Nadelöhr floss der Verkehr erstaunlich gut. Weniger erfreulich waren ein zu weicher Untergrund und Altlasten im Boden, die zu Verzögerungen und Kostensteigerungen führten.

Bei Baubeginn war noch die Rede von gut 37 Millionen Euro die Rede gewesen. Im Sommer 2018 wurde das Budget auf 41 Millionen Euro erhöht. Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) glaubte damals, das „Ende der Fahnenstange“ bezüglich der Kosten sei erreicht. Er irrte. Im vergangenen Sommer gab er bekannt, dass sich die Fertigstellung der beiden neuen Kreuzungen voraussichtlich auf Herbst 2021 (statt Mitte 2020) verzögern werde. Und es sei mit Mehrkosten in Millionenhöhe zu rechnen.

Jetzt ist es ein zweistelliger Millionenbetrag geworden. Das Gesamtprojekt verteuert sich um weitere 11,5 auf 52,5 Millionen Euro, teilte Weiß gestern bei einer Pressekonferenz mit. Der Magistrat habe am Mittwoch eine entsprechende Mehrkostenvorlage gebilligt. Die Zustimmung der Stadtverordneten zu dem Antrag ist nach dem Votum des Magistrats wahrscheinlich. Die nächste Plenumssitzung findet am 5. März statt.

Weiß betonte, die Mehrkosten seien nicht einer schlechten Planung geschuldet, sondern vielen nicht vorhersehbaren Umständen. Sigrid Pietzsch vom Verkehrs- und Baumanagement der Stadt nannte für die Verzögerung der Arbeiten unter anderem die aufwendige Kampfmittelsondierung, Probleme bei der Gründung der Brückenpfähle, die langwierige Entsorgung von Altlasten, darunter eine asbesthaltige Dampfleitung. Auch das Verlegen der Leitungen sei aufwendiger als gedacht gewesen. Zudem hätten etliche Versorger nachträglich zusätzlichen Bedarf an Kabeln und Rohren gemeldet. Auch das habe Zeit gekostet.

Die Kostensteigerung ist Pietzsch zufolge auf die Verlängerung von Verträgen mit Ingenieurbüros oder Projektsteuerern, aber vor allem auf Nachforderungen des Generalunternehmers zurückzuführen. Welche finanziellen Folgen die Bauzeitverlängerung hat, ist nach ihren Angaben noch unklar. „Es kann noch zu weiteren finanziellen Forderungen kommen.“

Kaiserlei-Umbau

Der Planfeststellungsbeschlussstammt aus dem Jahr 2000. Wegen Geldmangels lag das Projekt lange auf Eis. Erst als die regionale Bedeutung des Knotens (66 000 Autos am Tag) anerkannt wurde und sich Bund, Land und die Stadt Frankfurt an den anfangs auf 26,5 Millionen Euro geschätzten Kosten beteiligten, ging es voran.

Eine Vereinbarungmit Frankfurt von 2012 sah vor, dass die Nachbarstadt den Offenbacher Anteil an dem Projekt von 8,8 Millionen Euro übernimmt, teilweise durch den Kauf von Flächen am Kaiserlei. Danach wäre der Umbau für Offenbach kostenneutral gewesen.

Der Grundsatzbeschlussfiel 2013. Baubeginn sollte Mitte 2014 sein ,und die Bauarbeiten sollten 17 Monate dauern. Die Kosten stiegen 2014 auf 31,9 Millionen Euro. Bei Baubeginn 2017 lagen sie bei 37 Millionen Euro. ags

Seit Beginn der Bauarbeiten vor drei Jahren sind nach ihren Worten wegen zusätzlicher Leistungen oder Leistungsänderungen rund 70 Nachträge in Höhe von zwölf Millionen Euro durch die Baufirma eingereicht und bereits fünf Millionen Euro freigegeben worden, sagte sie. 60 Prozent des Bauvolumens seien erledigt.

Aufgrund der bisherigen Nachträge hat die Stadt eine neue Kostenprognose erstellt. Um auch künftig Zusatzausgaben abdecken zu können, wurden für Baukosten gut zehn Millionen Euro angesetzt, für die Baunebenkosten ist es eine Million Euro geplant. Die zusätzlichen Mittel sollen Weiß zufolge sicherstellen, dass weitere Nachträge nicht zum Stillstand auf der Baustelle führen, weil sonst jeder Auftrag erst von den Stadtverordneten genehmigt werden müsste.

Der Dezernent betonte, die Stadt gehe „sehr restriktiv“ mit Nachforderungen um. „Wir schlucken nicht einfach, was die Firma uns ins Rathaus schickt.“ Die Stadt lasse sich von einer Anwaltskanzlei beraten. Auch das koste Geld. Aber es helfe vielleicht Nachträge zu vermeiden.

Der Bund hat Weiß zufolge bereits zugesagt, auch nach der Budgeterhöhung den vereinbarten Anteil von 41,6 Prozent der Kosten an der A661-Anschlussstelle zu tragen. Das sind 11,2 Millionen Euro. Das Land beteiligt sich bisher mit 15,6 Millionen Euro am Umbau. Ob es eine Erhöhung um 4,4 Millionen Euro in voller Höhe akzeptieren wird, ist derzeit noch offen. Unverändert bleibt der Beitrag der Stadt Frankfurt mit 8, 8 Millionen Euro. Er ist gedeckelt und nicht verhandelbar.

Der Eigenbeitrag Offenbachs steigt um drei Millionen Euro auf acht Millionen Euro. Auf die Anlieger kommen höhere Straßenbeiträge zu. Statt 2,9 Millionen Euro werden nun 4,5 Millionen Euro fällig.

Bei der Debatte um die Mehrkostenvorlage vom Sommer 2018 hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Roland Walter damals vor einem „finanziellen Desaster“ für die Stadt gewarnt, da die Kosten gegenüber 2012 um fast 60 Prozent auf 41 Millionen Euro gestiegen seien. Stand heute beträgt die Steigerung gegenüber der Kalkulation von 2012 fast 100 Prozent.

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