Arbeitsmarkt

Jugendarbeitslosigkeit in Hessen steigt stark an

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
    schließen

Die Corona-Krise trifft den hessischen Arbeitsmarkt weiter massiv. Besonders stark steigt die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen.

Trotz einer langsam beginnenden wirtschaftlichen Erholung und Kurzarbeit in einer nie da gewesenen Dimension ist die Arbeitslosenzahl im Juni weiter angestiegen. Und noch rechnet die Agentur für Arbeit nicht mit einer Entspannung. Eine kurzfristige Rückkehr zum sehr guten Vorkrisenniveau erscheine unrealistisch, sagte der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin, am Mittwoch vor Journalisten. Zumal mit einem weiteren Stellenabbau zu rechnen sei und es ab Herbst auch in größerem Umfang als bislang zu Insolvenzen kommen könne. Zugleich bleibe die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen wohl zunächst verhalten. Die Zahl der offenen Stellen lag im Juni fast ein Drittel unter dem Vorjahreswert.

Arbeitsmarkt im Juni

197 084 Menschen sind im Juni in Hessen arbeitslos gemeldet gewesen. Das sind knapp 5000 mehr als im Mai, fast 50 000 mehr als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,7 Prozent. Das ist ein Plus um einen zehntel Prozentpunkt im Vergleich zu Mai, um 2,4 Punkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Rund 64 000 Unternehmen haben seit Mitte März Kurzarbeit für mehr als 871 000 Beschäftigte angezeigt. 70 Prozent nutzen das Instrument auch tatsächlich. Mehr als 110 000 Anträge auf Auszahlung von Kurzarbeitergeld wurden gestellt.

Zumindest nicht mehr weiter ansteigen werden die Zahlen nach Einschätzung Martins ab September, wenn das Ausbildungsjahr und die Hochschulsemester beginnen. Mit Beginn des neuen Schuljahres habe die Agentur für Arbeit zudem wieder die Möglichkeit, direkt in den Schulen eine aktive Arbeitsmarktpolitik zu betreiben, hieß es. Noch liegt die Arbeitslosigkeit in Hessen unter den Höchstwerten des Jahres 2009, als in der Finanzkrise 210 000 Menschen arbeitslos gemeldet waren. Dennoch sieht Martin die Gefahr, dass sich die Arbeitslosigkeit gerade bei jungen Menschen und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit verfestigt. Diese Gruppen trifft die Krise jetzt schon überproportional heftig. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 40 Prozent gestiegen, die von Ausländern um 38,4 Prozent.

Nicht einfacher macht es die Situation für junge Menschen, dass die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellen bisher deutlich unter dem Vorjahreswert liegt. Bei den hessischen Agenturen für Arbeit wurden bis Juni gut 32 000 Stellen gemeldet. Das sind 9,5 Prozent weniger als im Juni 2019. Der DGB Hessen-Thüringen sprach am Mittwoch von alarmierenden Zahlen. Und forderte Unternehmen und Betriebe auf, sich trotz der Krise nicht aus der dualen Ausbildung zurückzuziehen.

Unter den Regionen sind die Auswirkungen der Corona-Krise am heftigsten im Rhein-Main-Gebiet zu spüren. Das habe etwa mit den Einbrüchen im Fahrzeugbau, der Logistik und im Luftverkehr zu tun, sagte Martin. So ist die Zahl der Arbeitslosen in Frankfurt gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als 50 Prozent gestiegen. Auch Stadt und Kreis Offenbach gehören zu den Gebieten, in denen sich die Lage stark verschlechtert hat. Noch am wenigsten trifft die Krise ländliche Regionen wie den Vogelsberg.

Am niedrigsten in Hessen bleibt die Arbeitslosenquote mit nun 3,7 Prozent im Landkreis Fulda. Am höchsten ist die Quote mit 10,4 Prozent in Offenbach vor Wiesbaden mit 7,6 Prozent und Frankfurt mit 7,2 Prozent.

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände forderte angesichts des dritten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen in Folge, die Wirtschaft durch eine Entbürokratisierung und eine Lockerung „zu starrer Regeln“ anzukurbeln. Aus der tiefsten Rezession komme man nur mit „Mut zur Flexibilisierung“.

Mehr zum Thema

Kommentare