1. Startseite
  2. Rhein-Main

Jugend-Literaturpreis vergeben

Erstellt:

Von: Joachim Wille

Kommentare

jw_ovag_preistraeger5_150_4c
Freudestrahlend: Die drei Erstplatzierten des 19. Jugendliteraturpreises der Ovag (von links): Patrizia Krug, Emilia Bauer und Lilli Weiskopf. ovag © Red

Sponsern Unternehmen Kulturveranstaltungen, werden sie mit der Frage konfrontiert, warum sie dies tun. Warum sie - im Falle der Ovag - ein Varieté, Sommerkonzerte und rund 60 Autorenlesungen pro Jahr organisieren. Beim Jugend-Literaturpreis werde diese Frage nie gestellt, sagte Ovag-Vorstand Oswin Veith jetzt im Bad Nauheimer Dolce. Jeder wisse: Die Förderung von Lesen und Schreiben ist von immenser Bedeutung, für jeden Einzelnen, für die Gesellschaft, für die Demokratie.

Gut 200 Gäste hatten sich versammelt, gespannt warteten die jungen Teilnehmenden auf die Bekanntgabe der Gewinnernamen. Eltern oder Großeltern waren mindestens genauso gespannt, und als am Ende alle Preistragenden auf der Bühne standen und die Fotoapparate und Smartphones klickten, strahlten alle vor Freude.

Der Kulturjournalist und Buchautor Uwe Wittstock stellte in seiner Laudatio die Freude und den Spaß an Literatur in den Vordergrund. „Literatur kann, muss aber nicht auf Moll gestimmt sein“, sagte er. Nicht jede fiktive Liebe müsse scheitern, man könne auch die guten Seiten des Lebens darstellen. Was nicht leicht sei, da die Gefahr bestehe, in den Kitsch abzurutschen. Dagegen helfe eine Kombination von „Ernst und Esprit, von Würde und Witz“. Was Wittstock aus den 24 prämierten Geschichten herausgelesen hat, ist eigentlich eine Binsenweisheit: Die Welt rückt zusammen, die Grenzen schwinden. Aus den Geschichten über Folter, Drogensucht, Krieg, aber auch den ersten Flirt könne man heraushören, „dass die halbe Welt mit am Schultisch sitzt“. Was heute Schüler aus der Ukraine sind, war 1968, als die Tschechoslowakei besetzt wurde, für Wittstock und seine Mitschüler ein Junge aus Prag, der plötzlich in der Klasse saß. So kam die große Welt ins Klassenzimmer: „Seine Erzählungen beseitigten manche Illusion.“

Sollen uns Geschichten berühren, müssen sie anschaulich erzählt werden. Wittstock demonstrierte dies zu Beginn seiner Laudatio. Da erzählte er von einer Klassenfahrt in ein Landschulheim in der Eifel, während der er und Freunde öfter nach Luxemburg fuhren, um dort zu kaufen, was es bei uns damals nicht gab: weiße Schokolade. Diese weiße Schokolade hatte für die weiteren Ausführungen keine Bedeutung, blieb aber als Symbol des Außergewöhnlichen im Kopf der Zuhörenden hängen.

19. JUGEND-LITERATURPREIS DER OVAG: DIE ERSTPLATZIERTEN

1. Platz: Emilia Bauer (Schrecksbach, Albert-Schweizer-Schule Alsfeld). 2. Platz: Patrizia Krug (Hungen). 3. Platz: Lilli Weiskopf (Gießen). Die weiteren Preise: Masa Alnomani (Ober-Mörlen, Ernst-Ludwig-Schule Bad Nauheim), Pia Bonn (Friedberg), Luana Cimiotti (Stadtallendorf, Albert-Schweizer-Schule Alsfeld), Sarah Emamzahi (Lich), Carolin Görlach (Pohlheim), Hermine Gronemeyer (Mücke, Friedrich-Magnus-Gesamtschule Laubach), Seba Habibyar (Bad Nauheim), Nicole Kammerloch (Nidda, Gymnasium Nidda), Aliyah König (Linden, Liebigschule Gießen), Heidi Lubina (Hammersbach, Limesschule Altenstadt), Marie Middendorf (Rosbach, Ernst-Ludwig-Schule Bad Nauheim), Josefine Nink (Gießen, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium), Quentin Rathe (Linden, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium), Julia Rausch (Romrod, Albert-Schweizer-Schule Alsfeld), Lina Richter (Butzbach, Weidigschule), Caitlin Rossmanith (Ortenberg, Gesamtschule Konradsdorf), Jamila Schiel (Bad Nauheim), Madita Schimmel (Laubach, Friedrich-Magnus-Gesamtschule), Tamy Rose Span (Lauterbach, Geschwister-Scholl-Schule Alsfeld), Emmilie Specht (Nidda) und Norinda Tondar (Rabenau).

Der Jugend-Literaturpreis lebt vom Engagement der Schulen. Dies würdigt die Ovag mit Gruppenpreisen. Der mit 500 Euro dotierte Karlhans-Frank-Gedächtnispreis geht an die ehemalige 8 a der Schrenzerschule Butzbach und die Lehrerin Kim Eva Voigt-Hilberger für das Projekt »Feldpostbriefe«. Jeweils 250 Euro für Gruppenprojekte gehen an Schulklassen der Schrenzerschule Butzbach, der Ernst-Ludwig-Schule Bad Nauheim (2 Preise), des Gymnasiums Nidda, des Burggymnasiums Friedberg, der Theo-Koch-Schule Grünberg, der Limesschule Altenstadt, der IGS Schlitzerland in Schlitz und des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums Gießen.

Die prämierten Texte werden bei einem Workshop in Bad Kissingen lektoriert, dann folgen Buchveröffentlichung und Lesungen. jw

„Konzentrieren Sie sich auf die Inhalte“, hatte Veith den Autorinnen zuvor zugerufen. „Legen Sie den Finger in die Wunde, schreien Sie in die Welt hinaus, was Ihnen auf der Seele liegt.“

Dann ging es auf der Bühne zur Sache. Carlo Brüggemann (Klavier) und Benedikt Sender (Tenorsaxofon), Schüler der Musikschule Friedberg, unterhielten mit groovigen Jazz-Standards.

Jubel brandete auf, als Emilia Bauer (Albert-Schweizer-Schule Alsfeld) für ihre Erzählung „Der Geschmack von Blaubeeren“ der 1. Preis (1000 Euro) zugesprochen wurde. Der 2. Preis (700 Euro) ging an Patrizia Klug (Hungen) für die Erzählung „Goldmanns“, Lilli Weiskopf (Gießen) kam auf Platz 3 (600 Euro für „Liebe ist dein zweiter Name/sommerblau“).

Die 21 weiteren Preisträger erhalten 250 Euro. Dazu gab es Urkunden, Blumen der Ovag-Vorstände Oswin Veith und Joachim Arnold sowie Gutscheine und Buchpräsente von den Schulen sowie von Vertretern der Heimatorte.

Auch interessant

Kommentare