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Jürgen Gasper (SPD): Einer boxt sich durch

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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© Andreas Arnold

"Präsenz zeigen in der Stadt", so lautet das Motto von Jürgen Gasper (SPD). Der Sohn eines Maurers ist der Außenseiter des Wahlkreises Frankfurt V, aber nicht zu unterschätzen. Er kämpft gegen hohe Mieten und die Gentrifizierung in Frankfurter Stadtteilen, wie dem Nord- und Ostend.

"Präsenz zeigen in der Stadt", so lautet das Motto von Jürgen Gasper (SPD). Der Sohn eines Maurers ist der Außenseiter des Wahlkreises Frankfurt V, aber nicht zu unterschätzen. Er kämpft gegen hohe Mieten und die Gentrifizierung in Frankfurter Stadtteilen, wie dem Nord- und Ostend.

Die morgendlichen Lieferwagen rollen dicht an den Tischen des Cafés vorbei. Auch Radfahrer und Fußgänger mischen mit im Verkehrs-Potpourri auf dem Oeder Weg. „Pass doch auf, Tussi!“, ruft ein Radler einer Passantin zu, die sich verschreckt von der Fahrbahn trollt. Jürgen Gasper, der sich selbst als „passionierter Fußgänger“ einstuft, sitzt gerne hier vor dem „Zeit für Brot“ und lässt das großstädtische Getümmel auf sich einwirken.

Der Außenseiter des Wahlkreises

Berührungsängste darf der Richter nicht haben: „Präsenz zeigen in den Stadtteilen“, heißt sein Rezept bis zum Wahltag. Denn der 52-jährige Sozialdemokrat ist der Außenseiter im Landtags-Wahlkreis 38 (Bornheim, Nordend, Ostend). Fast sensationell hatte er im Januar bei der Kandidatenkür in der SPD den Prominenten Michael Paris aus dem Feld geschlagen. Der tritt jetzt als unabhängiger Kandidat für den Bundestag an. Der Partei-Linke Gasper sieht diese Entwicklung gelassen: „Wir sind uns nie feindselig begegnet – aber nach dieser jüngsten Entscheidung gibt es in der SPD keine Anhänger von Paris mehr!“

Nein, der Jurist Gasper folgt unbeirrt seiner Lebenslinie. Nicht umsonst verschenkt er einen kleinen roten Boxhandschuh als Give-Away. Der gebürtige Saarländer repräsentiert einen Politiker-Typus, den es fast nicht mehr gibt: Er ist das klassische Arbeiterkind, das sich durchschlagen musste. Sein Vater war Maurer, seine Mutter starb bei der Geburt. Er gründet die erste Juso-Schülergruppe bundesweit an einer Hauptschule, später wird er zum Sprecher seines Gymnasiums gewählt. Prompt gerät er in der SPD mit dem damaligen OB von Saarbrücken, Oskar Lafontaine, aneinander. Der will ihn aus der Partei ausschließen, weil er sich mit dem SPD-Linken Klaus-Uwe Benneter solidarisiert hatte. Aber Gasper bleibt in der SPD. Er erzählt solche Geschichten ohne aufzutrumpfen. Heute hegt er „zwiespältige Gefühle“ Lafontaine gegenüber: „Er ist ein sehr autoritärer Charakter, das hat er mit Gerhard Schröder gemein!“ Das Idol seiner Jugend war Ottmar Schreiner, Vorsitzender des SPD-Arbeitnehmer-Flügels, auch er Saarländer. Schreiner bekämpfte die Hartz IV-Reformen bis zu seinem Tod. Gasper hält einiges davon für richtig, etwa die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.

In seinem Wahlkreis aber gibt es ein ganz anderes brennendes Thema. „Die Leute wollen wissen: Können sie sich das Wohnen noch leisten?“ Im Nordend zum Beispiel ist die Gentrifizierung, die Verdrängung angestammter Bewohner durch immer höhere Mieten, „weit fortgeschritten“, im Ostend ist sie „voll entbrannt.“ Gasper fordert „Gegensteuern“ mit einer „Mietpreisbremse“: Die Mieten sollen um weniger als 15 Prozent in drei Jahren steigen dürfen. Der Schwule ist aber auch ein engagierter Verfechter von Bürgerrechten. Er fordert, die Vorgänge um die Blockupy-Demonstration in Frankfurt endlich aufzuklären. Oder der unbegrenzten Ausforschung durch US-Geheimdienste entgegenzutreten.

Leidenschaft gehört dem Boxen

Niemand sollte Jürgen Gasper unterschätzen. Das gilt schon für seine Physis: Klein, aber ein Muskelpaket. Seine Leidenschaft gehört dem Boxen – ohne Wettkampf. „Das ist sehr gut zum seelischen Ausgleich.“ Er ist stolz darauf, dass er den Marathon in 3 Stunden 15 Minuten lief. Wenn er gewinnt am 22. September, ist es der Abschied von seinem Richteramt. Auch seinen Freund, Krankenpfleger in einer Intensivstation, wird er seltener sehen. Aber der, lacht Gasper, „ist Kummer gewohnt“. Seit 13 Jahren führen sie eine Fernbeziehung.

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