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Hatte schon drei Ministerämter und das Direktmandat: CDU-Kandidat Jürgen Banzer.

Landtagswahl - Wahlkreis Hochtaunus II (24)

Jürgen Banzer (CDU): Der Querdenker

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CDU-Mann Jürgen Banzer will wieder in den Landtag. Dreimal war der 58-Jährige Minister in Hessen. Bis Volker Bouffier Ministerpräsident wurde. Fortan war Banzer nicht mehr im Team, jüngeren weiblichen Kandidaten, hieß es, sollte Platz gemacht werden. Vielleicht auch bequemeren.

CDU-Mann Jürgen Banzer will wieder in den Landtag. Dreimal war der 58-Jährige Minister in Hessen. Bis Volker Bouffier Ministerpräsident wurde. Fortan war Banzer nicht mehr im Team, jüngeren weiblichen Kandidaten, hieß es, sollte Platz gemacht werden. Vielleicht auch bequemeren.

Jürgen Banzer kann sicher zu allem was sagen, aber er tut es nicht immer. Mitten im Wahlkampftrubel, der Ministerpräsident kommt, der Finanzminister ist da, erlebt man Banzer als einen, der einen Schritt zurücktritt, der einfach da ist, im Hintergrund Dinge erledigt, darunter so banale wie die Organisation der Plakate, wie er am Rande eines Wahlkampftermins verrät. Das sei sein Job als Kreisvorsitzender, den er seit gefühlten Ewigkeiten innehat. Tatsächlich ist er zum zweiten Mal CDU-Chef im Kreis, erst von 1982 bis 1984, und dann seit 2003.

Natürlich sorgt sich der Abgeordnete, seit 2008 sitzt Banzer in Wiesbaden im Parlament, auch um die Ergebnisse, die seine Partei erringen wird, schließlich ist das Rennen kurz vor der Wahl noch offen, spitz auf Knopf. Aber er sorgt sich auch darum, dass viele junge Leute schlecht informiert sind über Wahlen und Wahltermin. Das tut einem Herzblutpolitiker wie Banzer weh.

Dreimal war der jetzt 58-Jährige Minister in Hessen. 2005 holte ihn Roland Koch, fast ein bisschen widerstrebend, wie es hieß, aus seinem Amt als Landrat des Hochtaunuskreises nach Wiesbaden und machte ihn zum Justizminister. Danach war Banzer Minister für Arbeit und Familie, ein Jahr lang zusätzlich Kultusminister. Und dann, im Sommer 2010, kam Bouffier. Banzer war fortan nicht mehr im Team, jüngeren weiblichen Kandidaten, hieß es, sollte Platz gemacht werden. Vielleicht auch bequemeren, denn Banzer gilt als einer, der querdenkt und auch der eigenen Partei unangenehme Fragen stellt. Zum Beispiel die nach der Ganztagsschule. „Die richtige Schule für unsere Gesellschaft im Jahr 2013“, sagt Banzer heute, dies bedeute einen „echten „Kulturwechsel in Deutschland“.

Banzer gilt als verlässlich und blitzgescheit

Seinen Rauswurf aus dem Kabinett im August 2010 kommentierte Banzer in der FR selbstironisch: „Vielleicht habe ich auch zu viel Platz eingenommen.“ Die Frage nach einem grundsätzlichen Missklang zwischen ihm und Bouffier lächelt Jürgen Banzer einfach weg.

Nicht nur die Taunus-CDU bedauerte den Abgang Banzers damals, auch andere politische Lager arbeiten gern mit Banzer zusammen. Er gilt als verlässlich, liberal – und blitzgescheit. Eine Klasse übersprungen, Abi in Königstein, zwei Studienabschlüsse.

Der in Würzburg geborene Banzer ist Katholik, einen Teil seiner Schulzeit verbrachte er bei den Jesuiten im Internatskolleg St. Blasien im Südschwarzwald. Die Jesuiten sind eine besondere Sorte Katholiken, sie sind sehr offen. Banzer, der Jurist und Theologe ist, schlägt eine Brücke zu seiner Arbeit als Vorsitzender der Enquête-Kommission Migration und Integration im Landtag. „Viel Freude“ habe der Job bereitet. Ohne die Grundwerte der eigenen Kultur in Frage zu stellen, verlange Integration viel Toleranz und Respekt gegenüber den neuen Teilen der Gesellschaft.

Ob er vielleicht nach dem 22sten doch wieder einen Posten in der Regierung bekommt? Jürgen Banzer lächelt nachsichtig. „Wir wollen doch das Fell des Bären nicht schon verteilen.“ Und wenn nicht? Politik sei seine Leidenschaft, hat Banzer mal gesagt, aber Aufgaben habe er auch ohne Ministerposten genug: Die Arbeit als Anwalt, das Ehrenamt als Chef des DRK-Hochtaunus, der Kreisvorsitz der CDU. „Ich finde überall Themen.“ Er habe so lange in „diesen Strukturen“ gearbeitet, „ich weiß, wo die Schrauben sitzen, an denen man drehen muss“.

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