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Frankfurt University of Applied Sciences.

Jüdische Studenten

Jüdische Studenten: Angst vor Ausgrenzung

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Jüdische Studierende wollen sich nicht verstecken. Doch viele tun das. Das kommt bei der Antisemitismus-Konferenz der Grünen im Landtag in Hessen zur Sprache.

Julia Bernstein erlebt das immer wieder, auch an ihrer Hochschule, der Frankfurt University of Applied Sciences. Da kommt jemand nach Jahren der Bekanntschaft zu ihr und sagt: „Du, ich bin auch jüdisch.“

Die Angst vor antisemitischer Diskriminierung habe „unmittelbare Auswirkungen“, berichtet die Frankfurter Professorin. „Oft trauen sie sich nicht, offen ihre jüdische Identität auszuleben.“

Die Grünen im Hessischen Landtag hatten Bernstein und andere Fachleute am Dienstag zu einer Konferenz eingeladen, um über Antisemitismus an Hochschulen zu sprechen. Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) berichtete von der Angst jüdischer Menschen, „auf die Straße zu gehen und ihren Glauben zu zeigen“. Sie fügte hinzu: „Ich will das nicht hinnehmen.“

„Uns wird das Deutschsein abgesprochen. Man wird als Nicht-Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen“, analysierte Ruben Gerczikow. Der Frankfurter, der derzeit in Wien studiert, ist Vorstandsmitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschland und Vizepräsident der European Union of Jewish Students.

Diese Organisationen machen den jüdischen Studierenden Mut, sich zu ihrer Identität zu bekennen. „Wir wollen auf Antisemitismus aufmerksam machen. Aber wir wollen uns nicht darüber definieren lassen“, erläuterte Gerczikow. So kam die Idee zur Jüdischen Campus-Woche auf, die im vorigen Juni erstmals an zehn Hochschulen begangen wurde und in diesem Jahr an 17 Standorten fortgesetzt werden soll.

Dort bieten jüdische Studierende etwa koschere Weinproben an und veranstalten Filmabende über jüdisches Leben. Das zeige, „dass wir ein ganz normaler Bestandteil der Studierendenschaft sind“, sagte Nora Ackermann, Medizinstudentin aus Frankfurt, die beim Verband Jüdischer Studierender Hessen aktiv ist.

Die Studierenden wünschen sich manchmal eine ganz praktische Rücksichtnahme, etwa beim Festlegen von Prüfungsterminen, die nicht auf hohe jüdische Feiertage fallen sollten. Gerczikow schlug vor, dass Studierenden ein Nachholtermin angeboten werde, ohne dies als zusätzliche Prüfung zu werten. „Man kann eine Lösung finden, wenn man will“ appellierte er. „Wir arbeiten daran“, versicherte die Grünen-Hochschulpolitikerin Nina Eisenhardt.

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