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Mit Improvisationen erarbeiten die Projektteilnehmer das Stück gegen Antisemitismus.

Offenbach

Offenbach: Judenhass ist meschugge

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DRK-Gruppe will mit Theaterprojekt antisemitisches Gedankengut bekämpfen.

Als im vorigen Jahr der Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz erneut Opfer einer Attacke von Jugendlichen wurde, stand für die „Heroes“ des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) rasch fest, dass etwas getan werden müsse. „Die Jugendlichen haben uns im Projekt darauf angesprochen und gesagt, dass wir etwas unternehmen sollen“, sagt Zafer Çin, einer der Leiter des Projektes „Heroes – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“.

26 junge Frauen und Männer zwischen 15 und 25 Jahren haben sich seitdem engagiert und bewerben sich nun mit ihrer Projektidee um den Integrationspreis der Hertie-Stiftung. Das Vorhaben: mit einem interaktiven Theaterstück an Schulen und in Jugendzentren über Antisemitismus aufklären und Jugendliche darin bestärken, Hass entschieden entgegenzutreten.

Ein Name für das Projekt war auch bald gefunden: „meschugge“. Das jiddische Wort bedeutet verrückt – „und es ist eben meschugge, sich heutzutage wegen unterschiedlicher Glaubensvorstellungen anzufeinden“, sagt Fatmagül Tuncay vom Offenbacher DRK-Ortsverband.

Knapp 10 000 Euro wollen sie und ihre Mitstreiter sammeln, um gemeinsam mit professionellen Dramaturgen das Theaterstück „Meschugge – der Hass, der uns spaltet“ zu schreiben. „Mit dem Verein Theaterperipherie aus Bockenheim haben wir bereits einen Kooperationspartner, der uns hilft“, sagt Tuncay.

Anfang Mai ging die Gruppe mit einem Fundraisingprojekt an den Start, um Geld zu sammeln. Bis zum Wochenende kamen schon fast 4000 Euro zusammen. „Je mehr wir sammeln, desto besser sind die Auftritte später abgesichert“, sagt Çin.

Im Herbst soll das Stück erarbeitet, im kommenden Jahr mindestens fünfmal aufgeführt werden. „Wir denken da bewusst groß: Wir wollen es gern bundesweit zeigen“, erzählt Cin. Unterstützung erfährt das Projekt auch durch den ehemaligen Rapper Ben Salomo, der voriges Jahr auf den in der Musikszene verbreiteten Judenhass aufmerksam machte.

Antisemitismus zeige sich immer wieder, das sei der Gruppe durch Workshops und Treffen etwa mit der jüdischen Gemeinde bewusst geworden. „An Schulen ist es leider Normalität, dass ‚Jude‘ als Schimpfwort benutzt wird“, sagt Ali Nehir. Wie groß die Furcht vor Diskriminierung unter Jugendlichen jüdischen Glaubens ist, hat Can Tekim erfahren: „Ein guter Freund gestand mir erst jetzt, dass er jüdischen Glaubens ist. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er, dass er in der Schule keine Diskriminierung erleben wollte. Ich finde es schrecklich, dass heute noch jemand seinen Glauben verstecken muss.“ Für Tekim ein Grund mehr, dem allgegenwärtigen Hass entgegenzutreten.

Das beste Mittel, Vorurteile abzubauen, sei gegenseitiges Kennenlernen. Da sich bei den „Heroes“ auch viele muslimische Jugendliche engagieren, habe man beispielsweise einen jüdischen Referenten eingeladen, der mit ihnen im Fastenmonat Ramadan bei koscherem Essen gemeinsam Fastenbrechen feiert.

Das Projekt

Die Gruppe im Kreisverband Offenbach des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) will ein Forumtheater erarbeiten.

Die Fundraisingaktion zur Finanzierung des Theaterstücks läuft noch bis Mittwoch, 5. Juni, 14 Uhr, auf der Plattform www.startnext.com. Über den Integrationspreis der Hertie-Stiftung erhält das Projekt einen zusätzlichen Förderbetrag je nach der Anzahl der Unterstützer auf der Plattform.

Informationen zu „Meschugge“ gibt es bei Fatmagül Tuncay unter E-Mail fatmaguel.tuncay@drk-of.de oder unter Telefon 069 / 80 10 81 88. 

www.startnext.com/meschugge

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