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Klaus-Dieter Pohl war für Malerei und Plastik des 19. bis 21. Jahrhunderts zuständig.

Darmstadt

Beuys-Experte sagt Adieu

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Klaus-Dieter Pohl, seit 1991 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zuständig für Malerei und Plastik des 19. und 20. Jahrhunderts, geht in den Ruhestand.

Ein wenig Wehmut schwingt bei Klaus-Dieter Pohl schon mit, wenn er heute zum letzten Mal in seinem Berufsleben den von Alfred Messel entworfenen imposanten Bau des Hessischen Landesmuseums am Friedensplatz betreten wird. Seit 1991 ist Pohl in dem während der Regierungszeit von Großherzog Ernst-Ludwig errichteten Museum für die Malerei und Plastik des 19. und 20. Jahrhunderts zuständig. Für den Oberkustos ist heute der letzte Arbeitstag. Auch wenn ihm die Werksammlung in den vergangenen Jahren doch „sehr ans Herz gewachsen“ sei, könne er sich mit dem Gedanken trösten, dass er die Werke in dem Museum weiter besichtigen könne. Das Ende seiner Berufstätigkeit empfindet Pohl als „Einschnitt“. Hobbys hat er keine, aber langweilig werde es ihm künftig nicht werden, versichert Pohl, der Jahrgang 1950 ist.

Von 1972 bis 1977 studierte er Kunstgeschichte, Neuere Geschichte und Publizistik in Göttingen und Berlin. Zunächst arbeitete er in der Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Nationalgalerie. Als wissenschaftlicher Volontär war er dann von 1987 bis 1989 am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg tätig. Schon in der Frankenmetropole konnte er sein Interesse für politische und historische Aspekte ausleben, als er eine Ausstellung über die deutschen Folgen der Französischen Revolution mitkonzipierte.

Von Nürnberg aus wechselte Pohl dann wieder nach Berlin zum Deutschen Historischen Museum, bevor er 1991 als Kustos nach Darmstadt an das Hessische Landesmuseum kam. In den vergangenen mehr als zweieinhalb Jahrzehnten erlebte er mit Sybille Ebert-Schifferer, Ina Busch und – seit dem 1. März 2013 – mit Theo Jülich zwei Museumsdirektorinnen und einen Direktor.

Von 2007 bis 2013 kuratierte Pohl zudem die Ausstellungen der Reihe „Bilder gesellschaftlichen Wandels“ in der Galerie der Schader-Stiftung. Seit 2014 ist er auch verantwortlich für die Konzeption der Ausstellungsreihe „Dialoge – Gesellschaftswissenschaften und Kunst“ der Galerie der Stiftung. Doch auch diese Kuratorentätigkeit – seine „kleine Spielstätte neben der Museumsarbeit“ – werde Pohl abgeben, kündigte er im Gespräch mit der FR an.

Darmstadt hat der Kunsthistoriker in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten schätzen gelernt, auch wenn er es bedauert, dass sich inzwischen die Zahl der Galerien deutlich verringert hat. Die frühere Residenzstadt sei zwar „kein Hotspot der Gegenwartskunst“. Doch ihm sei es in den vergangenen Jahren immer ein Anliegen gewesen, mit den von ihm kuratierten Ausstellungen das Landesmuseum durch die Begegnung mit zeitgenössischer Kunst „lebendig zu halten“.

So ist es Pohl immer wieder gelungen, auch renommierte internationale Künstler für Ausstellungen nach Darmstadt zu locken. Zuletzt präsentierte der in Wuppertal lebende britische Bildhauer Tony Cragg 20 seiner großformatigen Skulpturen im Landesmuseum.

Herausfordernd war für Pohl auch die Zeit, als vor elf Jahren im Zuge der geplanten Sanierung und des Umbaus des Landesmuseums heftig darüber diskutiert wurde, wie mit den Räumen für den „Block Beuys“ – dem weltweit größten, authentischen Werkkomplex des 1986 verstorbenen Künstlers Joseph Beuys – umgegangen werden solle. Letztlich wurde die auch von Pohl favorisierte Haltung realisiert, eine völlig marode Wandbespannung mit Jutestoff abzunehmen und die Wände weiß zu streichen.

Gegen dieses Vorhaben waren zuvor einige Kunstexperten Sturm gelaufen. Nun, drei Jahre nach der Eröffnung des sanierten und umgebauten Landesmuseums, sei von dieser aufgeregten Debatte nichts mehr zu spüren. „Es gibt schlichtweg keine Diskussion mehr darüber“, sagt Pohl. Die polarisierenden Arbeiten von Beuys und die Art, wie sich die Rezeption der Arbeiten eines der bedeutendsten deutschen Künstler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte, faszinieren den Kunsthistoriker bis heute.

Rückblickend, sagt Pohl, sei er „zufrieden“, was er in den vergangenen Jahren in Darmstadt habe realisieren können und dass ihm dazu auch die entsprechenden Möglichkeiten und Freiräume gegeben worden seien. Wer seine Nachfolge antritt, ist noch nicht entschieden. Nach einer Stellenausschreibung läuft derzeit das Auswahlverfahren.

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