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Den Chauffeur mimt einer der Heiligen drei Könige.
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Den Chauffeur mimt einer der Heiligen drei Könige.

Ausstellung

Josef und Maria im VW

Das Gelnhäuser Heimatmuseum zeigt 100 Krippen aus Amerika, Asien und Afrika – und dokumentiert, wie der christliche Glaube in andere Kulturen kam.

Von Jörg Andersson

Schon beim Auspacken der ersten Tonfigur musste Simone Grünewald schmunzeln. Aus einer der vielen Kartons schälte die Museumsleiterin einen Engel mit Sombrero, Poncho und Flipflops aus dem Zeitungspapier. Ein argentinischer Künstler hat das christliche Weihnachtssymbol in die eigene Kultur gekleidet. Mitunter sind die Krippen auf den ersten Blick gar nicht als solche zu erkennen. Shipibo-Indianer etwa haben Ochs, Schaf und Esel in der eigenen mythologischen Tierwelt durch Ameisenbär, Leopard und Schildkröte ersetzt. Zu sehen ist Filzarbeit aus dem Himalaya oder ein Bambusrohrmodell aus Taiwan. In einer Glasvitrine ist eine besonders originelle Variante aus Peru zu bestaunen. Die heilige Familie wird auf dem Dachgepäckträger eines VW-Käfers von den Heiligen drei Königen chauffiert.

„And’re Länder, and’re Krippen“ heißt die Sonderausstellung, die bis zum 6. Januar im Gelnhäuser Heimatmuseum am Obermarkt zu sehen ist. Mehr als 100 Exponate aus Asien, Amerika und Afrika hat der im Ruhestand lebende evangelische Pfarrer Willy Schneider im Laufe von Jahrzehnten für die einzigartige Sammlung zusammengetragen. Krippen aus völkischer Tradition, die Lebensfreude, Kreativität und tief empfundenen Glauben widerspiegeln, nicht selten aber auch mit Hunger, Krieg und Krankheit verbunden sind.

Schwarzes Antlitz

Schneider ist seit 1966 in Afrika tätig, als Missionar und Helfer in Krisengebieten sowie eines Waisenhauses für 200 Kinder nahe des Victoriasees. „Luhya-Haus“, heißt die strohgedeckte Hütte, unter die Flüchtlinge aus dem Sudan die heilige Familie postiert haben. An anderer Stelle deuten Schneider und seine aus Kenia stammende Frau Asuna auf eine Wurzelkrippe aus Teakholz, deren Künstler an Aids gestorben ist. An einer Ebenholzschnitzerei aus Tansania erläutert der im Schwarzwald beheimatete Geistliche, wie etwa auch das Material den Eingang des christlichen Glaubens in afrikanische Kultur und Tradition erleichtern kann. Das Antlitz von Maria, Josef und Christus ist schwarz.

Die kleinsten Kunstwerke finden in einer Walnuss und einer Streichholzschachtel Platz, die größten sind zwei Boote, jeweils mehr als ein Meter lang. In einem sitzen Sklaven als Erinnerung, dass diese die erste christliche Gemeinde in Mombasa gegründet haben sollen.

Die Materialvielfalt der Krippen, die Schneider gekauft oder in Auftrag gegeben hat, um Lebensgrundlagen zu sichern, ist vielfältig – von Maisstrohfiguren bis Messing, von Zeitungspapier über Bananenblätter bis zum klassischen Speckstein.

Schneider und Simone Grünewald kennen sich aus der Grimmelshausen-Stadt Rechen. Die Museumsleiterin aus Gelnhausen ist zudem seit zehn Jahren Patin von Edwin (14) aus dem Waisenhaus „Malaika“ (zu Deutsch „Engel) im Westen Kenias, an das die Hälfte der Eintrittspreise fließt.

Die Ausstellung ist täglich von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet, werktags zudem von 8 bis 12 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr. Eintritt: drei Euro für Erwachsene.

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