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Undine Schmiedl und Andreas Wellano stranden auf einer einsamen Insel.

Stalburg-Theater

Zoff auf der Insel

Achtung, es wird stürmisch: Das Frankfurter Stalburg-Theater zeigt „Captain’s Dinner“, das neue Stück von Michael Herl.

Von Ulrike Krickau

Klar, das machen sie schon manchmal, die Autoren. Schreiben eine Rolle ihrem Lieblingsschauspieler auf den Leib. Aber zuerst die vielversprechenden Schauspieler und obendrein noch eine erstklassige Regisseurin im Sinn zu haben und ihnen dann das möglichst perfekte Theaterstück zu schreiben, das ist eine Sache für Frankfurts Shakespeare-Apologeten Michael Herl. „Aber im Gegensatz zu dem lebe ich ja noch“, grummelt er. Zum Glück, denn so kann er sich an den voranschreitenden Proben seines neuen Stücks „Captain’s Dinner“ erfreuen.

Inszeniert wird das Stück von Katja Lehmann, die in der Stalburg unter anderem schon „Sex. Oder so.“ realisierte. Dank Michi Herl bekommt sie es nun mit einem Mann im Smoking zu tun, der zusammen mit einer halbvollen Flasche Champagner auf einer einsamen Insel angespült wird. Andreas Wellano spielt den Grandseigneur, der auf einer Kreuzfahrt volltrunken über Bord ging. Wichtiger als Wellanos beeindruckende Vergangenheit als Schauspieler des legendären TAT oder auf Tourneen in China und den USA ist Michi Herl seine Gegenwart: „Er ist einer der großartigsten Schauspieler, die wir hier in Frankfurt haben“, sagt Herl.

Auf der einsamen Insel trifft der gestrandete Lebemann auf eine junge Frau, die von Undine Schmiedl gespielt wird. Nach einer Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München spielte sie in verschiedenen Theater- und Fernsehproduktionen. Michi Herl traf sie in Hamburg. „Und dann habe ich sie nach Frankfurt gelockt.“ Seitdem gehört sie zum Ensemble der Stalburg, spielt in „Gut gegen Nordwind“ und „John Wayne war nie in Offenbach“ und beweist in diesen Rollen ihre große Wandlungsfähigkeit. Die braucht sie auch für „Captain’s Dinner“.

Das Setting des Stücks ist zwar klar und lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig. Aber was dann geschieht, ist trotzdem ungewiss. „Da säftelt gar nichts“, behauptet Michi Herl und verspricht, dass es spannend wird, was auf seiner einsamen Insel geschieht. Und unterhaltsam natürlich auch. „Die beiden zoffen sich auf mehreren Ebenen, sie vertragen sich und fangen wieder von Neuem an zu streiten. Wie im richtigen Leben.“ Sogar an ein Happy End hat Michi Herl gedacht: „Auch die Freunde von Hollywoodfilmen können am Ende ein Tränchen verdrücken. Glaube ich.“

Das Leben der Alten weit vor ihrer Zeit

Aber ob sie sich kriegen, der ältere Herr und die jüngere Frau? Ein Grund, neidisch zu werden, wäre das auch für in die Jahre gekommene Damen nicht. Denn die Beziehung älterer Mann – jüngere Frau geht im wahren Leben ja weiter und dauert oft länger als das funkelnde erste Glück.
Zu betrachten ist das – auch wenn das fast gar nichts mit „Captain’s Dinner“ zu tun hat – an Rhein, Main und Mosel. Dort landen die Flusskreuzfahrtschiffe an. Ihnen entsteigen dann die Menschen, viele schon älter, einige auch schon gebrechlich. Zufriedene Paare, die lässig mit sich und ihren Beeinträchtigungen umgehen.

Und die anderen: Männer mit Rollator, im Rollstuhl, einige mehr oder minder desorientiert. Begleitet von ihren Frauen, von denen sie mindestens eine Generation trennt. Frauen mit Mundwinkeln, runtergezogen bis zum Kinn.

Umwabert von einer Wolke der Frustration, besichtigen sie deutsche Kleinstädte, leben das Leben der Alten weit vor ihrer Zeit, sind gekettet an Flusskreuzfahrten in einem Alter, in dem ihre Geschlechtsgenossinnen noch die Welt entdecken. Möglicherweise alleine, aber immerhin ist auch das ein Happy End. Für den, der zuletzt lacht. Oder nach Gründen sucht, aus denen Männer von Kreuzfahrtschiffen plumpsen.

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