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Die Piusbrüder haben die Kirche ausdrücklich gegen den Willen des Bischofs geweiht.

Pius-Bruderschaft in Fulda

Kapell-Weihe gegen Willen des Bischofs

Die erzkonservative Pius-Bruderschaft hat in Fulda eine Kapelle geweiht - wohlwissend, dass der Bischof Algermissen die Zeremonie ausdrücklich ablehnt.

Fulda. Die erzkonservative Priesterbruderschaft St. Pius hat am Sonntag in Fulda gegen den ausdrücklichen Willen des Fuldaer Bischof eine Kapelle geweiht. Die traditionalistische Gruppe nahm die Weihe auf dem Gelände einer früheren Gärtnerei vor, obwohl der katholische Bischof Heinz Josef Algermissen ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass die Bruderschaft die notwendige Erlaubnis zum Bau und zur Weihe der Kapelle nicht besitze.

Die Priester der Bruderschaft dürften auch keine priesterlichen Handlungen vornehmen, hatte der Bischof herausgestellt. Das Bistum hatte der Bruderschaft vorgeworfen, die Einheit der katholischen Kirche zu gefährden. "Wir haben nur gegen die Buchstaben des Kirchenrechts verstoßen", sagte Pater Franz Schmidberger, der als höchster Vertreter des Ordens in Deutschlands die Weihe vornahm.

Der Orden befinde sich in einer Notwehrsituation, da die katholische Kirche vom wahren Glauben abgewichen sei. "Die Not bricht alle Gesetze", sagte er. Der Orden suche die Einheit mit der katholischen Kirche, aber nicht die Vermischung aller Religionen, der Papst Johannes Paul II. mit dem Religionskongress von Assisi Vorschub geleistet habe. "Wir müssen aufpassen, dass der Ruf des Muezzin nicht die Glocken unserer Kirchen übertönt", sagte der Pater.

Schmidberger wies den Vorwurf Algermissens zurück, die Priesterbruderschaft habe mit dem Datum der Weihe eine besondere Provokation begangen. "Dass die Weihe ausgerechnet am Tag des großen Bonifatiusfestes auf dem Domplatz stattfindet, ist den Umständen geschuldet", sagte der Distriktsobere. Der Orden habe sein provisorisches Gotteshaus in einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude in Fulda räumen müssen und deshalb jetzt die neue Kapelle geweiht. An der Weihe nahmen etwa 100 Gläubige teil.

Bischof Algermissen hatte vor der Weihe erklärt, dass Katholiken eine Teilnahme an der Zeremonie nicht erlaubt sei. Trotz der Aufhebung der Exkommunikation gegen die vier 1988 von Erzbischof Marcel Lefebvre unerlaubt geweihten Bischöfe dürften die Geistlichen des Ordens keine priesterlichen oder bischöflichen Handlungen vornehmen.

Die Stadt Fulda hatte der Bruderschaft erlaubt, die frühere Gärtnerei als Versammlungsstätte zu nutzen. Es habe keine rechtliche Möglichkeit gegeben, die Umnutzung des Gebäudes zu untersagen. Das Bauamt untersagte den Pius-Brüdern aber, einen Glockenturm zu bauen oder einen Turm auf das Dach zu setzen. (dpa)

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