+
Das Festival verbindet zeitgenössische Musik mit Klassik ? und das Ensemble Modern mit dem HR-Sinfonieorchester.

Musik-Festival in Rhein-Main

Festival der modernen Musik

  • schließen

Zahlreiche Konzerte, Vorträge und Performances bietet das Festival "cresc... ? Biennale für moderne Musik" im Rhein-Main-Gebiet. Vieles ist im wahrsten Sinne unerhört ? präsentiert werden auch elf Uraufführungen.

Der koreanische Komponist Isang Yun, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, hat eine bewegte Lebensgeschichte – das Festival „cresc...“ (gesprochen übrigens wie das englische Wort für Zusammenstoß, „Crash“) nimmt vom 22. bis zum 26. November sein vielschichtiges Werk als roten Faden für fünf Tage mit neuer Musik. Aber es erklingen auch Werke wie Johann Sebastian Bachs „Musikalisches Opfer“ aus dem Jahr 1747. Das wird am 26. November um 15 Uhr im Hanauer Congress Park zusammengespannt mit Yuns „Königlichem Thema für Violine Solo“ aus dem Jahr 1976.

Yuns Weg verlief alles andere als geradlinig. 1943 beteiligte er sich am Widerstand gegen die japanischen Besatzer, wurde verhaftet und gefoltert, überlebte und konnte Ende der 1950er Jahre in Paris und Berlin studieren. In Berlin studierte er bei dem Schönberg-Schüler Josef Rufer und fand viel beachtet Anschluss an die internationale Avantgarde. 1967 entführte ihn der südkoreanische Geheimdienst, folterte ihn erneut. Nur dank internationaler Proteste wurde der zu lebenslanger Haft verurteilte Yun nach Deutschland abgeschoben, wo er bis zu seinem Tod 1995 lebte. Seit 1971 war er deutscher Staatsbürger.

Yuns Musik taucht immer wieder auf im Programm der fünf Tage, besonders prominent bei seinem „Engel in Flammen“, einem „Memento für Orchester mit einem Epilog für Sopran, Frauenchor und fünf Instrumente“ von 1994, aufgeführt im HR am 26. November, 11 Uhr, zusammen mit italienischer Lautenmusik der Renaissance und Luigi Nonos Kantate „Il canto suspeso“, in der der Komponist Abschiedsbriefe hingerichteter italienischer Widerstandskämpfer vertont hat.

 

Nun mag moderne Musik vielleicht nicht unbedingt auf ein sehr breites Publikumsinteresse stoßen, die Macher Christian Fausch vom Ensemble Modern, Michael Traub, der HR-Musikchef, und Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Rhein-Main haben sich aber sehr um spannende musikalische Begegnungen bemüht, mit Vorträgen, Jazz mit der HR-Bigband und der Oper „Schönerland“ des deutsch-dänischen Komponisten Søren Nils Eichberg (am 25. November, 19.30 Uhr im Staatstheater Wiesbaden). Es gibt auch was für’s Auge, etwa am 22. November, 21 Uhr, die Tanzperformance „Hyperion – Higher States, Part 2“ im Mousonturm, auch dies eine Uraufführung.

Jeder Festivaltag schließlich klingt aus mit dem „pinken Sofa“, das Besuchern und Künstlern am Abend die Möglichkeit bieten soll, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und dazu spielen junge Musiker ein Stück Kammermusik - natürlich ebenfalls von Isang Yun.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare