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Szene aus „Moothon“, die Geschichte eines Waisen, der in Mumbai seinen großen Bruder sucht.

Kultur

Jenseits von Bollywood

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Ein dreitägiges Festival zeigt indische Autorenfilme. Das Programm wurde vom Kino ins Internet verlegt.

Schmachtende Blicke zwischen Liebenden, mitreißende Musik, ausufernde Tanzszenen: Die meisten denken an Bollywood-Schinken, wenn sie nach indischen Filmen gefragt werden. Doch die Filmemacher des Subkontinents haben mehr als Stereotypen und Klischees zu bieten, wie das „New Generations – Independent Indian Filmfestival“ in Frankfurt jetzt im zwölften Jahr beweist. Es zeigt von Freitag, 6., bis Sonntag, 8. November, Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme, die die Realität in Indien widerspiegeln. Die Filme sind wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen nur online verfügbar.

„Die indische Gesellschaft ist im Umbruch“, sagt Petra Klaus, die zusammen mit Binu Kurian Joseph, dessen Familie aus dem südindischen Bundesstaat Kerala stammt, das 2009 gegründete Filmfestival leitet. Die fortschreitende Modernisierung des Landes hat die Mittelschicht immer reicher gemacht, verändert die Rolle der Frau und damit auch althergebrachte Familienstrukturen.

Festival

Wer das Onlineangebot nutzen will, muss einen Festivalpass erwerben, der über die drei Festivaltage gültig ist und den Zugang zu allen Filmen ermöglicht.

Das Festivalprogramm findet sich auf der Homepage von „Indian Vibes Neue Generationen“, dem Trägerverein des Festivals. Dort ist auch der Festivalpass erhältlich.

https://newgenerations.de

Das zeigt beispielsweise „Aise Hee – Just like that“, ein Spielfim, mit dem das Filmfestival, vor der erneuten Schließung der Kinos ursprünglich in Orfeos Erben, dem Festspielort, eröffnet werden sollte. Kislay Kislay, Drehbuchautor und Regisseur, erzählt in dem 2019 in die indischen Kinos gekommenen Film die Geschichte einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes nicht die Rolle erfüllen will, die ihr Gesellschaft und Familie als Witwe zugedacht haben.

„Kislay hat sich von Brechts ,Unwürdige Greisin’ inspirieren lassen. Die Themen, die in den indischen Filmen aufgegriffen werden, können wir trotz kultureller Unterschiede auch in Europa verstehen“, sagt Petra Klaus.

Um jährlich das Programm für das Filmfestival zusammenzustellen, reist ihr Kollege Binu Kurian Joseph regelmäßig nach Indien und informiert sich dort über Filme des unabhängigen Kinos. Petra Klaus schaut sich auf der Berlinale nach indischen Kunst- und Autorenfilmen um. Vieles, was jetzt im November während des „Independent Indian Filmfestivals“ online gezeigt wird, war in deutschen Kinos noch nicht zu sehen. Die Filme werden alle im Original mit englischen Untertiteln vorgeführt.

Auf dem Programm steht unter anderem auch „Breaking Barriers“, ein Dokumentarfilm über „The Casteless Collective“, eine Protestband aus Chennai, die sich für die Rechte der unteren Kasten, marginalisierte Gruppen und die Gleichberechtigung von Frauen einsetzt. Gedreht hat ihn die deutsche Drehbuchautorin und Regisseurin Maja Meiners.

Alle Festivalfilme sind online abrufbar. Dazu müssen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer nur einen Festivalpass besorgen, dann können sie über die drei Festivaltage alle Filme anschauen.

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