Nach Auskunft eines Ministeriumssprechers sind es vor allem Quereinsteiger ohne formelle pädagogische Qualifikation, die Zeitverträge haben.
+
Nach Auskunft eines Ministeriumssprechers sind es vor allem Quereinsteiger ohne formelle pädagogische Qualifikation, die Zeitverträge haben.

Schule

Jeder zehnte Lehrer in Hessen arbeitet befristet

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
    schließen

Die Zahl der Pädgagogen an Hessens Schulen ohne eine Festanstellung nimmt stark zu. Das Ministerium kündigt zwar Erleichterungen an, doch die SPD fürchtet um die Unterrichtsqualität. Betroffen sind vor allem die Grundschulen.

In Hessen unterrichten immer mehr Pädagogen, die lediglich einen befristeten Anstellungsvertrag besitzen. Deren Zahl stieg von 2016 bis 2018 um rund 500 auf zuletzt knapp 5500 Personen (Stichtag 1. Oktober). Damit ist jede zehnte Lehrkraft nur auf Zeit angestellt.

Diese Zahlen gehen aus der Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Christoph Degen hervor. Nach Auskunft eines Ministeriumssprechers sind es vor allem Quereinsteiger ohne formelle pädagogische Qualifikation, die Zeitverträge haben. Sie seien verstärkt eingestellt worden, um die Schulung von Flüchtlingen zu gewährleisten, die seit 2015 in Deutschland ankamen.

Mangelnde Qualifikation

Als Gründe für die Befristung nannte der Sprecher zum einen die fehlende Qualifikation. Langfristig sei beabsichtigt, die vorhandenen Stellen mit voll ausgebildeten Pädagogen zu besetzen, also Lehrkräften mit zweitem Staatsexamen. Zum anderen sei nicht sicher, dass es für die befristet Eingestellten eine dauerhafte Beschäftigungsperspektive gebe.

Auffallend kräftig fiel der Anstieg an den Grundschulen aus, wo der Lehrermangel besonders ausgeprägt ist. Dort stieg die Zahl der befristeten Verträge von knapp 1300 auf mehr als 1600, was einem Anstieg von nahezu 23 Prozent entspricht.

Degen wirft dem von Alexander Lorz (CDU) geführten Kultusministerium Fahrlässigkeit vor. Entweder verfügten die betroffenen Personen nicht über die nötigen Qualifikationen, Kinder und Jugendliche zu unterrichten. Oder man wolle verhindern, dass sie sich einklagen könnten und nutze sie durch die immer nur befristeten Verträge aus. „Dann gleich die nächsten Laienlehrer von der Straße zu holen, ist nicht in Ordnung“, so Degen. Die SPD fordere ein Qualifizierungsprogramm, um guten Unterricht zu gewährleisten und den Menschen eine Perspektive zu geben.

Das Kultusministerium kündigte auf Anfrage der FR an, die Entfristung zu erleichtern. Künftig solle es möglich sein, Personen dauerhaft einzustellen, die in einem Mangelfach unterrichten. Bislang müssen diese zwei solcher Fächer nachweisen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare