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Verkehr

Flughafen Frankfurt: Jeder dritte Flug ist ersetzbar

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Die Linke folgert aus einer Anfrage an die Bundesregierung, dass der Umstieg auf die Bahn oft kaum mehr Zeit kostet – und die Region entlasten würde.

Knapp 40 000 Flüge von Frankfurts ins Ausland könnten durch Bahnfahrten mit einer Fahrtzeit von weniger als vier Stunden ersetzt werden. Pro Jahr. Zusammen mit den verlagerbaren 60 000 Inlandsflügen könnten demnach 22,4 Prozent des gesamten Aufkommens am Flughafen ohne effektiven Zeitverlust auf die Schiene verlagert werden. Legt man Bahnfahrten bis zu sechs Stunden Fahrtzeit zugrunde, erhöht sich die Zahl sogar auf 143 314. Das heißt, jeder dritte Flug könnte durch die umweltschonendere Variante ersetzt werden.

Zu diesem Schluss kommt Linken-Bundestagabgeordneter Jörg Cezanne nach Auswertung der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage seiner Fraktion. Bislang habe die Bundesregierung das Verlagerungspotenzial immer kleingerechnet. Und damit den Ausbaubefürwortern in die Hände gespielt. „Wenn längst mehr als ein Fünftel aller Flüge ohne Zeitverlust auf die Bahn verlagert werden können, war nie Bedarf für eine weitere Landebahn sowie ein neues Terminal gegeben“, sagt Cezanne und weist auf die nachteiligen Folgen für die Region hin: „Das Wachstum des Frankfurter Flughafens geht zu Lasten des Klimas und der Lärmbetroffenen, ohne verkehrstechnisch begründbar zu sein.“

Mit ihrer Forderung nach Verlagerung von Kurzstrecken von maximal 500 Kilometern auf die Bahn steht die Linke nicht alleine. Ausbaugegner hatten für das vergangene Jahr ausgerechnet, dass 24,3 Prozent der Starts und Landungen von Lufthansa unter diese Rubrik fallen. Würde die Airline diese Verbindungen streichen, entfielen 79 Prozent aller Kurzstreckenflüge ab Frankfurt. Drei Jahre zuvor hatte der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen die konstant hohe Zahl der Kurzstreckenflüge angeprangert. Rund 28 000 könnten jährlich auf die Schiene verlagert werden, drei Millionen Passagiere ohne Abstriche am Komfort auf den Zug umsteigen. Das gesamte Verlagerungspotenzial bezifferten die Umweltschützer seinerzeit auf mehr als 100 000 Flugbewegungen. Das entspricht genau der Zahl, die die Linksfraktion jetzt anhand der aktuellen Antwort der Bundesregierung berechnet hat. Erstmals hatte sie darin explizit nach den Auslandsflügen gefragt.

Der Inlandsverkehr könnte nach Ansicht Cezannes komplett durch die jüngst beschlossenen Bahnprojekte ersetzt werden. „Es muss daher endlich mit dem Straßenbauwahn gebrochen und die Schiene ins Zentrum der Investitionspolitik des Bundes gesetzt werden.“ Bis daher könne die Preisgestaltung einen Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität fördern: „Ein erster Schritt wäre dabei die Einpreisung der Klimabelastung des Fliegens in die Luftverkehrssteuer.“ Die durch die Kerosinsteuerbefreiung resultierenden Steuerausfälle könnten sofort auf diese Abgabe umgelegt werden. „Das macht die Bahn konkurrenzfähiger und ist schlicht klimagerecht.“

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