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Jahresrückblick Frankfurt und Region: Nach der Krise ist vor der Krise

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Von: Christoph Manus, Georg Leppert

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Die Corona-Regeln weichen. Doch dann beginnt der russische Angriffskrieg. Und die Energiekosten explodieren. Ein Rückblick auf das erste Quartal 2022 in Frankfurt und Region.

Ja, es ist wirklich erst ein Jahr her, dass der Impfnachweis unser ständiger Begleiter war. Und Buchstaben-Zahlen-Kombinationen waren wichtig. Etwa 2G (geimpft oder genesen). Oder 3G (geimpft, genesen oder negativ getestet). Oder 2G-Plus (wie 2G, aber zusätzlich mit Test oder Booster-Impfung). In Gaststätten und im Einzelhandel herrschen entsprechende Regeln. Eine Aufhebung von Masken- oder gar Isolationspflicht erscheint in Hessen vor einem Jahr noch nahezu undenkbar.

Doch das Gesundheitssystem hält auch im dritten Jahr der Corona-Krise dem Druck stand. Zwar infizieren sich viele Menschen – die meisten erwischt allerdings die vergleichsweise milde Omikron-Variante. So hält sich der Ansturm auf die Kliniken in Grenzen.

Am 2. Februar kündigt die hessische Landesregierung eine weitgehende Lockerung an. Die 2G-Regel im Einzelhandel entfällt. Bis Ende März werden dann die meisten anderen Corona-Regeln aufgehoben. Insbesondere entfällt die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Gebäuden.

Verabschiedet sich damit Hessen also aus dem sogenannten Team Vorsicht? Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Auf der einen Seite hebt das Bundesland im November die Isolationspflicht auf. Wer positiv getestet wird, muss nicht mehr daheimbleiben (aber in öffentlichen Innenräumen eine Maske tragen). Gesundheitsminister Kai Klose erklärt dazu, die entspannte Corona-Lage rechtfertige einen derartigen Freiheitsein-griff nicht mehr. Manche Bundesländer sehen das durchaus anders. Auf der anderen Seite erteilt Hessen (und insbesondere Klose) den in anderen Ländern vorangetriebenen Plänen, die Maskenpflicht im ÖPNV abzuschaffen, eine klare Absage. Und so werden bis mindestens zum nächsten Frühling in Bussen und Bahnen weiter Masken getragen.

Was man aber mit Sicherheit sagen kann: Das Thema Corona verliert in der Bevölkerung immens an Bedeutung. Schon zu Beginn des Jahres ist klar, dass es andere Probleme geben wird. Die Inflation ist hoch, und in der Ukraine bahnt sich ein Krieg an. Der beginnt am 24. Februar mit dem Angriff Russlands. Auch in Hessen sind die Folgen zu spüren.

Nach zwei Jahren Corona-Krise hofft die Wirtschaft in Frankfurt und der Region auf einen kräftigen Aufschwung. Nicht nur Handel und Gastronomie rechnen mit Nachholeffekten. Ein Wachstum um 5,2 Prozent, wie von den Wirtschaftskammern prognostiziert, scheint möglich. Doch nach dem russischen Überfall kommt alles anders. Die Preise für Gas und andere Rohstoffe schießen in die Höhe, große Unsicherheit breitet sich aus. Gerade Bauwirtschaft und Industrie, die deutlich besser als andere durch die Corona-Krise kamen, haben nun mit sehr hohen Kosten zu kämpfen. Die Lage verschlechtert sich beinahe von Monat zu Monat, für 2023 rechnen die Wirtschaftskammern gar mit einer Rezession. Den Arbeitsmarkt trifft die Krise bislang nicht mit voller Wucht. Die Beschäftigung bleibt hoch, die Arbeitslosenquote relativ gering.

Wie stark die neue Krise die Menschen in Hessen belastet, wird erst nach und nach klar. Noch Ende März vermag selbst der Frankfurter Energieversorger Mainova die Auswirkungen nicht so recht abzuschätzen. In ein, zwei Jahren könne einiges auf die Privatkund:innen zukommen, heißt es da noch raunend. Das geht dann deutlich schneller: Schon zum Juli erhöht das Unternehmen den Preis für Erdgas in der Grundversorgung von 8,94 auf 11,30, später auf 12,59 Cent pro Kilowattstunde. Vom 1. Januar an sind bereits 17,37 Cent zu zahlen. Und nun dreht Mainova, wie fast alle anderen Versorger, auch kräftig am Strompreis.

Früh schlagen die Mieterverbände Alarm. Denn nun drohen gewaltige Nebenkosten. Und manche Vermieter kommen auf abwegige Ideen. Einer dreht einem Mietshaus in Bockenheim, angeblich aus Fürsorgepflicht, schon Ende Juni das Gas und das heiße Wasser ab – und lenkt erst nach einem Gerichtsbeschluss ein. Für große Diskussionen sorgt der Kurs der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG Frankfurt Holding. Die drosselt die Temperaturen in 34 000 Wohnungen mit Zentralheizung am Tag auf 20 Grad und fordert die Mieter:innen auf, 110 Prozent mehr für Wärme vorauszuzahlen. Der Preis ist mit 12 Cent pro Kilowattstunde sogar noch halbwegs moderat, entspricht dem der staatlichen Gaspreisbremse. Doch viele wissen trotzdem kaum noch, wie sie die steigenden Nebenkosten zahlen sollen.

Angeklagt: Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) muss sich vor Gericht verantworten. Wegen seiner Verbindung zur skandalumwitterten AWO erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Vorteilsannahme. Feldmann wird in diesem Jahr noch oft von sich reden machen. Michael Schick
Angeklagt: Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) muss sich vor Gericht verantworten. Wegen seiner Verbindung zur skandalumwitterten AWO erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Vorteilsannahme. Feldmann wird in diesem Jahr noch oft von sich reden machen. Michael Schick © Michael Schick
Misshandelt: Die Drag Queen Electra Pain wird im Viertel rund um den Frankfurter Klaus-Mann-Platz angegriffen. Es folgen weitere Attacken auf queere Menschen. Im Sommer kündigt der neue Polizeipräsident Stefan Müller verstärkte Präsenz in der Gegend an.
Misshandelt: Die Drag Queen Electra Pain wird im Viertel rund um den Frankfurter Klaus-Mann-Platz angegriffen. Es folgen weitere Attacken auf queere Menschen. Im Sommer kündigt der neue Polizeipräsident Stefan Müller verstärkte Präsenz in der Gegend an. Peter Jülich © Peter Jülich
Verstorben: Viele sagen, Jürgen Grabowski sei der beste Fußballer gewesen, der je für Eintracht Frankfurt gespielt hat. Er stirbt mit 77 Jahren. Die Eintracht-Gemeinde trauert. Wenige Wochen später gewinnt der Klub den Europapokal. Das Motto der Party: Mit dem Jürgen, für den Jürgen. dpa
Verstorben: Viele sagen, Jürgen Grabowski sei der beste Fußballer gewesen, der je für Eintracht Frankfurt gespielt hat. Er stirbt mit 77 Jahren. Die Eintracht-Gemeinde trauert. Wenige Wochen später gewinnt der Klub den Europapokal. Das Motto der Party: Mit dem Jürgen, für den Jürgen. dpa © picture alliance / Joaquim Ferre
Eröffnet: Es gab ein KZ in Frankfurt – mitten in der Stadt. Nur wissen das viele Menschen nicht. 77 Jahre nach der Auflösung des Konzentrationslagers Katzbach in den Adlerwerken im Gallus eröffnet dort eine Gedenkstätte. Auf dem Gelände waren 1616 Häftlinge untergebracht. Peter Jülich
Eröffnet: Es gab ein KZ in Frankfurt – mitten in der Stadt. Nur wissen das viele Menschen nicht. 77 Jahre nach der Auflösung des Konzentrationslagers Katzbach in den Adlerwerken im Gallus eröffnet dort eine Gedenkstätte. Auf dem Gelände waren 1616 Häftlinge untergebracht. Peter Jülich © Peter Jülich

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