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Ein bisschen Spaß muss sein: Sporthilfe-Chef Josef Neckermann und Roberto Blanco beim ersten Ball des Sports 1970.

Jubiläum

50 Jahre Ball des Sports in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz

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Keiner unterhielt in 50 Jahren Ball des Sports die Gäste häufiger als Troubador Roberto Blanco. Josef Neckermann hatte die Idee für das Benefiz-Ereignis.

Die Olympischen Spiele in München werfen ihre Schatten voraus, als der Vorstand der Deutschen Sporthilfe um Josef Neckermann 1967 auf die Idee kommt, eine „Werbetätigkeitsveranstaltung“ für die bestmögliche Förderung der deutschen Sportler aus der Taufe zu heben. Beim ersten Ball des Sports 1970 ist die Jahrhunderthalle dann mit Fastnachtsdeko geschmückt, die Ende Januar ohnehin vorhanden war und nur ein bisschen aufgemotzt wurde. Trotzdem ließen es sich Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher nicht nehmen, die Veranstaltung in Frankfurt-Höchst zu besuchen.

Ein Motto für die Benefizgala ließ sich die Deutsche Sportstiftung erstmals 1974 einfallen: „Nacht in Innsbruck“ hieß es im Vorgriff auf die Olympischen Winterspiele 1976. Im Jahr der Spiele selbst gastierte der Ball des Sports letztmals in der Jahrhunderthalle, bevor er 1977 in Wiesbaden, in den Rhein-Main-Hallen, über die Bühne ging.

Ex-Justizministerin Katharina Barley 2019 beim Kickern.  

Auch heute noch fließen die vereinnahmten Spenden von Sponsoren und Ballgästen in den Förderhaushalt der Deutschen Sporthilfe. Rund 34 Millionen Euro hat der Ball seit 1970 eingespielt. Die Spendensumme ist im Laufe der Jahre gestiegen, allerdings nicht ganz in dem Maße wie die Sportförderung an sich. „Der Ball des Sports ist für unseren Förderhaushalt immer noch wichtig, hat aber nicht mehr den großen relativen Anteil wie früher“, verrät Fabian Müller von der Sporthilfe.

Dafür hat sich der Aufwand seit der ersten Auflage deutlich erhöht, wie der scheidende Sporthilfe-Chef Michael Ilgner verrät: „Nach dem Ball ist vor dem Ball. In jedem Ball des Sports steckt nahezu ein Jahr Vorbereitungszeit.“ Schließlich müssen große Stars rechtzeitig angefragt werden, um sie für die traditionelle Mitternachtsshow zu gewinnen. Am häufigsten „überreden“ ließ sich dazu in den vergangenen 50 Jahren Allzeit-Entertainer Roberto Blanco, der es auf sieben Auftritte brachte, zuletzt 1999. Es folgt Udo Jürgens, der die Ballgäste vier Mal auf Touren brachte.

Doch im Mittelpunkt der Veranstaltung sollen immer die Sportler stehen. Um dies zu gewährleisten, erdachte die Sporthilfe 1981 erstmals ein Sportprogramm, damals mit Rock’n‘Roll, Kunstradfahren und Rhythmischer Sportgymnastik noch recht breit, aber ohne großen Aufwand daherkommend. Im Laufe der Jahre legten sich die Veranstalter immer mehr ins Zeug und integrierten auch mal eine Eisfläche, eine Kletterwand oder 2016 gar eine Schwimmhalle in den Ballsaal. Wie sehr der Aufwand für das Sportprogramm gestiegen ist, zeigt sich auch in diesem Jahr: Zum dritten Mal ist Reiten das Motto, doch 1987 und 1992 war der dafür betriebene Aufwand deutlich geringer.

Kanu-Freestyle und eine Schwimmhalle gab es beim Ball 2016.  

Es kommt übrigens nicht von ungefähr, dass im Jubiläumsjahr der Reitsport im Vordergrund steht. Schließlich waren sowohl Josef Neckermann als auch Liselott Linsenhoff, 1972 seine Teamkameradin in der erfolgreichen Dressurmannschaft, Unterstützer der ersten Stunde.

Ovationen für den Achter

Ilgner, der aktuelle Chef der Sporthilfe, erlebte seinen ersten Ball 2003, damals in der Frankfurter Festhalle. Er verlässt die Sporthilfe demnächst in Richtung Deutsche Bank. Für Wehmut habe er derzeit noch nicht so richtig Zeit, sagt Ilgner, blickt aber schon mal auf bewegende Momente seiner Amtszeit zurück. Etwa, als Fabian Hambüchen 2008 beim Einturnen spektakulär vom Reck fiel, dann aber trotzdem noch die Ballgäste mit seiner weltmeisterlichen Kür in den Bann zog. Oder 2013, als der Ruder-Achter nach seinem Olympiasieg ohne großes Spektakel oder Interviews einfach minutenlang Standing Ovations bekam. „Da bekomme ich heute noch Gänsehaut“, gesteht Ilgner.

Im 50. Jahr ist es übrigens erst die 49. Auflage, denn 1991 fiel der Ball wegen des Golfkriegs aus. Auch war die Ausrichtung des Balls keinesfalls immer eine hessische Domäne gewesen: Von 1978 bis 1990 trafen sich die Ballgäste in der Mainzer Rheingoldhalle. Wiesbaden liegt aber mit 25 Ausrichtungen und seit 2007 ununterbrochen vorne.

Eine Konstante beim Ball des Sports ist seit Anbeginn übrigens die Tombola. Die Lose sind nicht ganz günstig, aber die Preise tragen mit dazu bei, dass die Deutsche Sporthilfe stolz von Europas erfolgreichster Benefizveranstaltung spricht. Der Wert aller Gewinne seit 1970 soll sich auf zwölf Millionen Euro summieren. Ganz schön viel für eine einst als „Werbetätigkeitsveranstaltung“ ersonnene Gala.

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