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Rembrandts berühmtes Porträt seiner Ehefrau Saskia steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in Kassel. Bild: Gemäldegalerie Kassel, Schloss Wilhelmshöhe

Museen in Hessen

Besucheransturm garantiert

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Die hessischen Museen bieten im neuen Jahr spektakuläre Ausstellungen mit außergewöhnlichen internationalen Leihgaben.

Kassel liebt Saskia – aber noch ist das friesische Leeuwarden, im vergangenen Jahr Kulturhauptstadt Europas, dran mit der großen Liebe. Denn hier wurde Saskia van Uylenburgh, spätere Ehefrau des Malers Rembrandt, im Jahr 1612 als Tochter des Bürgermeisters geboren. Rembrandts brillantes Porträt seiner geliebten Gattin hängt seit rund 250 Jahren in Kassel, erstmals seither ist es gerade wieder in den Niederlanden zu sehen.

Dass Rembrandt eine gesellschaftlich weit über ihm stehende Frau ehelichen durfte, war damals ungewöhnlich und ist Thema der großen Ausstellung „Kassel, verliebt in Saskia – Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit“, die vom 12. April bis 11. August im dortigen Schloss Wilhelmshöhe zu sehen ist, in Rembrandts 350. Todesjahr. Das dürfte Besucher aus ganz Deutschland anziehen.

Mit ganz großen Namen lockt auch das Frankfurter Städel. Für 2019 sind dort sogar zwei Ausstellungen geplant, die Besuchermassen garantieren sollten. Tizian und Vincent van Gogh sind so prominent wie Rembrandt, aber in der Städel-Sammlung nur mit unbedeutenden Werken vertreten.

Zur Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“ sind vom 13. Februar bis zum 26. Mai Hauptwerke des epochalen Malers und seines Umkreises unter anderem aus Berlin, London und Los Angeles zu Gast. Mit über 20 eigenhändigen Werken ist die Schau nach Angaben des Museums die umfangreichste, die in Deutschland je gezeigt wurde.

Städel-Ausstellung zu Van Gogh

Im Herbst schließt sich ebenfalls im Städel eine zweite Ausstellung an, die das Zeug zu noch mehr Besuchern hat: Mit „Making Van Gogh – Geschichte einer deutschen Liebe“ beleuchtet das Museum vom 23. Oktober bis zum 16. Februar 2020 auch ein Stück der eigenen Sammlungsgeschichte. Denn bis zu NS-Zeit besaß das Frankfurter Haus sehr wohl ein veritables Hauptwerk des Niederländers, das damals schon berühmte „Bildnis des Dr. Gachet“, erworben 1912. Es war eines der ersten Bilder van Goghs in einer öffentlichen Sammlung, bis es 1937 von den Nazis als „entartete Kunst“ verkauft wurde. 1990 zahlte ein japanischer Sammler für das Bild mehr als 90 Millionen Dollar bei einer Auktion, für das Städel blieb das damals teuerste je verkaufte Gemälde damit unerreichbar.

Wo sich das Bild heute befindet, ist unbekannt – es wäre also ein großer Coup, wenn das Städel dieses perfekt zum Ausstellungsthema passende Meisterwerk als Leihgabe zeigen könnte. Denn die Ausstellung beschäftigt sich mit der Entdeckung van Goghs, dem der Erfolg zeit seines Lebens verwehrt blieb. Vor allem deutsche Kunsthändler, Sammler und Museen trugen nach seinem Tod zum steigenden Ruhm – und den steigenden Preisen – bei, und in Städten wie Frankfurt, Breslau oder Berlin hingen zeitweise Hunderte Originale des Künstlers. Nach zwei Weltkriegen, Inflation und Diktatur sind Van-Gogh-Gemälde hierzulande allerdings wahre Raritäten. Die Frankfurter Ausstellung bietet die Gelegenheit, etwa 140 Gemälde und Zeichnungen im Original zu sehen.

In Deutschland noch seltener und nahezu unbekannt sind die Werke der US-Malerin Lee Krasner, die die Kunsthalle Schirn vom 11. Oktober bis zum 12. Januar 2020 nach Frankfurt holt. Zu entdecken ist eine der interessantesten Malerinnen des Abstrakten Expressionismus, eine der unbeirrbarsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, wie die Schirn schwärmt. Ihr Leben lang stand Krasner im Schatten ihres ungleich berühmteren und teureren Ehemanns Jackson Pollock.

Große Ausstellungen müssen aber nicht unbedingt mit ganz großen Namen verbunden sein. Es ist ein eigenartiger Zufall, dass die Landesmuseen in Wiesbaden und Darmstadt beide ihre großen Jahresausstellungen dem Jugendstil widmen. In Darmstadt, das schon seit Jahren für die Anerkennung der Jugendstilarchitektur auf der Mathildenhöhe als Unesco-Weltkulturerbe kämpft, ist die Kunst der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg immer präsent und wurde auch im Museum hochkarätig gesammelt. „Alltagstauglich! Schmuck von Jugendstil bis Art Déco“ ist dazu die gradezu perfekte Ergänzung. Zu sehen ist hier vom 10. Mai bis zum 11. August die noch niemals gezeigte Privatsammlung von Astrid Ratz-Coradazzi. Die Sammlerin investierte schon im Alter von sieben Jahren ihr Taschengeld für ihr erstes Jugendstilschmuckstück und hat im Lauf der Jahrzehnte mit großer Fachkenntnis kleine goldene und silberne Meisterwerke zusammengetragen.

Wiesbaden war bisher im Gegensatz zu Darmstadt nicht gerade eine Jugendstil-Metropole – doch die Schenkung der erstklassigen Privatsammlung, die der Sammler Ferdinand Wolfgang Neess im Lauf von Jahrzehnten zusammengetragen hat, katapultiert das Museum Wiesbaden in die vorderste Reihe europäischer Jugendstil-Kollektionen. Zu sehen ist die großzügige Stiftung mit rund 570 Gemälden, Möbeln und Gläsern ab 29 Juni in den schönen historischen Räumen des Museums.

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