Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Land Hessen hat den bekenntnisorientierten Islamunterricht der Ditib durch einen staatlichen Islamunterricht ersetzt.
+
Das Land Hessen hat den bekenntnisorientierten Islamunterricht der Ditib durch einen staatlichen Islamunterricht ersetzt.

Hessen

Islamunterricht: „Nötigung durch die Hintertür“

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
    schließen

Die Frankfurter Goethe Universität will im Streit um den bekenntnisorientierten Islamunterricht zwischen dem Land Hessen und der Ditib vermitteln. Das Land hat die Kooperation mit dem Religionsverband im April 2020 einseitig ausgesetzt. Das bringt auch Probleme für zukünftige Lehrkräfte.

Die Kooperation mit der Ditib ist fortzusetzen. So lautete Anfang Juli ein Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden im Streit um den bekenntnisorientierten Islamunterricht in Hessen. Die 2013 begonnene Kooperation war im April 2020 vom Land einseitig ausgesetzt worden, weil ein Gutachten zu der Erkenntnis gekommen war, dass der Ditib-Landesverband Hessen zu abhängig vom türkischen Staat und dessen Präsident Recep Tayyip Erdogan sei.

Stattdessen bietet das Land seit vergangenem Schuljahr einen eigenen staatlichen Islamunterricht an. Die Aussetzung war in dieser Form laut Gericht aber nicht rechtskonform. In welcher Form die Kooperation ab dem kommenden Schuljahr fortzusetzen ist, obliegt dem Kultusministerium, das noch auf eine schriftliche Urteilsbegründung wartet.

„Es bringt aber nichts, über Jahre hinweg über das zerschnittene Tischtuch zu arbeiten. Das geht immer zulasten der Schüler und der Lehrkräfte“, findet Harry Harun Behr. Der Professor für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islam an der Frankfurter Goethe-Universität hat sich schon mehrfach mit seinen Professorenkollegen als Vermittler zwischen dem Land und der Ditib angeboten. Diese Moderationsrolle sei von der Ditib angenommen und vom Land bislang dankend abgelehnt worden, berichtet der Religionspädagoge. „Uns sind die Hände gebunden. Dabei stehen wir bereit und haben Ideen.“

Behr berührt der Streit um den Islamunterricht in mehrerer Hinsicht. „Zum einen aus demokratietheoretischen Gründen“, sagt der 59-Jährige. Es gebe kein Bundesland mit einem ordentlichen Religionsunterricht Islam, der dem Format von Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes entsprechen würde. Beim staatlichen Islamunterricht (ISU) würden muslimische Schülerinnen und Schüler wie eine ethnische Gruppe ohne Religion behandelt, wenn man das Grundgesetz als Maßstab anlehnen würde. Das sei auch integrationspolitisch problematisch. „Und auf der anderen Seite verhandelt ISU den Islam wie eine Religion ohne Gemeinschaft. Sie trennt die Sphären“, sagt Behr. Und zwischen allen Stühlen sitzen die Schüler:innen und die Lehrkräfte, die an der Uni Frankfurt ausgebildet werden.

Die jungen Lehrerinnen und Lehrer, die jetzt von der Universität in den Dienst entlassen werden, müssten jetzt schon bei der Hessischen Lehrkräfteakademie angeben, ob sie ISU oder Islamischen Religionsunterricht (IRU) unterrichten wollen. „Das ist eine Art Nötigung durch die Hintertür“, sagt Behr. Schließlich sei unklar, ob der bekenntnisorientierte Islamunterricht mit dem Kooperationspartner Ditib wieder aufgenommen werden kann. Den gibt es derzeit nur mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat, die auch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist. „Die ganzen Druckmittel müssten raus, damit wir über eine fachliche Konsolidierung zu einer Lösung kommen“, sagt Behr.

Zumal sich ISU und IRU vom Fachprofil nicht groß unterscheiden würden. „Wir haben den IRU in Hessen eher als erkenntnis- denn bekenntnisorientierten Unterricht konzipiert“, betont Behr. Entscheidend sei am Ende immer, dass die Schülerinnen und Schüler einen guten Unterricht bekämen, der ihre Fragen beantwortet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare