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Schulbücher für islamischen Religionunterricht.

Islamunterricht

Gnadenfrist für Ditib in Hessen

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Hessen setzt den Islamunterricht in Zusammenarbeit mit Ditib im nächsten Schuljahr fort, arbeitet aber an einer Alternative. 

Die schwarz-grüne Landesregierung setzt den Islamunterricht in Zusammenarbeit mit dem Verband Ditib vorerst fort. Zugleich äußerte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden allerdings „weiterhin deutliche Zweifel an der grundsätzlichen Eignung von Ditib Hessen als Kooperationspartner“.

Lorz setzte der Religionsgemeinschaft eine Frist bis Ende April, um Unterlagen nachzureichen. Zudem kündigte er an, dass es Islamunterricht im kommenden Schuljahr nur wie bisher in den Klassen 1 bis 6 geben werde. Die Ausweitung auf siebte Klassen werde ausgesetzt.

Vor gut fünf Jahren hatte Hessen Islamunterricht eingeführt. Dafür arbeitet es mit zwei muslimischen Religionsgemeinschaften zusammen, Ditib und Ahmadiyya. Ditib steht wegen der Nähe zur türkischen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan in der Kritik. Lorz betonte jedoch, es habe bisher „keinerlei Beanstandungen“ am konkreten Islamunterricht gegeben. Er wird von staatlichen hessischen Lehrkräften erteilt.

Vor einem Jahr hatte Hessen dem Verband Auflagen für die Fortsetzung der Zusammenarbeit gemacht und ihm eine Frist bis Ende Dezember eingeräumt. Diese Auflagen sind nach Ansicht von Minister Lorz noch nicht vollständig erfüllt.

So hatte der hessische Ditib-Landesverband dem Ministerium zwar eine Mitgliederzahl von gut 15 000 gemeldet. Er hatte aber nicht wie gefordert eine Namensliste geliefert. Zudem fordert das Land „weitere Klärung, in welcher Weise der Ditib-Bundesverband, indirekt die türkische Religionsbehörde Diyanet und gegebenenfalls die türkische Staatsregierung Einfluss auf die Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten für den Vorstand von Ditib Hessen“ nehmen könnten.

Ditib hat die Satzung geändert

Ditib Hessen hatte seine Satzung geändert, um seine Unabhängigkeit nachzuweisen. So wurde der Posten eines Landeskoordinators abgeschafft, der von der Ditib-Bundeszentrale nach Hessen entsandt worden war. Stattdessen soll es einen Landesgeschäftsführer geben.

Lorz sagte, bei der Beurteilung dieser Satzungsänderung spielten „handelnde Personen“ eine Rolle. Ditib Hessen hatte nicht ausgeschlossen, dass der bisherige Landeskoordinator Selcuk Dogruer künftig als Geschäftsführer fungieren könne.

Der hessische Landesvorsitzende von Ditib, Salih Özkan, führt die Nachforderungen des Landes auf „Missverständnisse“ zurück. So sei Ditib davon ausgegangen, dass es ausreiche, die Zahl der Mitglieder anzugeben. Die Namenslisten seien in den Gemeinden vorhanden und würden dem Ministerium zugänglich gemacht. Zudem habe man mit der Satzungsänderung sichergestellt, dass es keine Abhängigkeit vom Ditib-Bundesverband oder der türkischen Regierung gebe. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Missverständnisse beheben werden“, sagte Özkan der FR. „Ich hoffe, dass der Rechtsruck und der Populismus sich nicht durchsetzen werden“, fügte er hinzu. Die AfD hat im Landtag beantragt, die Kooperation mit Ditib sofort zu beenden.

Islamkunde-Unterricht in Verantwortung des Staats

Die muslimischen Sechstklässler, die derzeit am Islamunterricht teilnehmen, sollen im nächsten Schuljahr Islamkunde-Unterricht erteilt bekommen. Er ist nicht bekenntnisorientiert und soll nach Angaben des Ministers in alleiniger Verantwortung des Staats erteilt werden, ohne Beteiligung von Ditib.

Lorz sieht in diesem Schulversuch, der zunächst 144 junge Muslime an zwölf Schulen betrifft, die Chance, eine mögliche Alternative zum Islamunterricht zu erproben. Sie würde im Schuljahr 2020/21 auf alle Klassen ausgeweitet, wenn Ditib die Auflagen erfüllt.

Die Fristverlängerung für Ditib begründete Lorz mit rechtlichen Bedenken. Politisch hält die CDU staatliche Islamkunde für das bessere Modell, wie ihr bildungspolitischer Sprecher Armin Schwarz unterstrich. Sie sei am besten geeignet, „um bei der Erteilung des Unterrichts ausländische Einflüsse ausschließen und zugleich die unterschiedlichen Glaubensrichtungen innerhalb des Islam berücksichtigen zu können“, sagte Schwarz.

Das sieht der grüne Koalitionspartner anders. Es sei nicht erstrebenswert, den Religionsunterricht für muslimische Schülerinnen und Schüler anders zu organisieren als für ihre christlichen Mitschüler, sagte die Grünen-Abgeordnete Katrin Schleenbecker. „Religionskunde für die einen und bekenntnisorientierter Religionsunterricht für die anderen wäre allenfalls die zweitbeste Lösung.“

In kleinem Ausmaß wird es auf jeden Fall weiter bekenntnisorientierten Islamunterricht geben. Die Angebote in Kooperation mit Ahmadiyya stehen nicht zur Debatte. Sie betreffen aber nur 180 der gut 3100 Schüler, die am Islamunterricht teilnehmen.

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