Ein Junge im Islamunterricht.
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Schulen

Islam-Unterricht in Hessen: Liberale Muslime verteidigen Kultusminister Lorz

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Hessens Entscheidung zum Religionsunterricht ist unter islamischen Verbänden umstritten. Der Liberal-Islamische Bund widerspricht dem Zentralrat der Muslime.

Das Vorgehen der Hessischen Landesregierung beim Islamunterricht stößt unter Muslimen auf unterschiedliche Reaktionen. Der Liberal-Islamische Bund (LIB) widersprach dem Zentralrat der Muslime, der Eltern abgeraten hatte, ihre Kinder in staatlichen Islamkundeunterricht zu schicken. Damit bringe der Verband „tiefes Misstrauen gegen den religiös-weltanschaulich neutralen deutschen Staat zum Ausdruck“, urteilte der LIB. „Ob muslimische Eltern das Angebot des religionskundlichen Islamunterrichts für ihre Kinder in Anspruch nehmen möchten, unterliegt ihrer freien Entscheidung.“

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte Ende April mitgeteilt, dass das Land den bekenntnisorientierten Islamunterricht in Zusammenarbeit mit dem türkisch-islamischen Verband Ditib zum Ende des Schuljahrs aussetze. Der hessische Ditib-Landesverband garantiere wegen der engen Bindung von Ditib an die türkische Staatsspitze nicht die notwendige Unabhängigkeit. Hessen bietet stattdessen einen staatlich organisierten Islamkunde-Unterricht an. Der Zentralrat hält dieses Modell für verfassungswidrig und riet Eltern, es nicht wahrzunehmen.

Der LIB, der 2010 von der Pädagogin und Publizistin Lamya Kaddor und anderen als erster deutscher Verband liberaler Muslime gegründet wurde, sieht das anders. Das Vorhaben sei vom staatlichen Bildungsauftrag gedeckt, da der Staat im Islamkundeunterricht „die Lehren des Islams nicht als Glaubenswahrheiten vermitteln, sondern lediglich neutral informierend Wissen über den Islam vermitteln“ wolle, hieß es in der LIB-Stellungnahme.

Der Verband wies auch den Vorwurf zurück, die Entscheidung sei eine „Böswilligkeit“ des Ministers gegenüber Ditib Hessen. Dem Verband sei über einen längeren Zeitraum Gelegenheit gegeben worden, die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen.

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