Hellentalbrücke Hanau
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Eine Brücke für Helmut Kohl, laut CDU soll dies nun die Hellentalbrücke sein.

Hanau

Irritation um Helmut-Kohl-Brücke

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Der Altkanzler soll in Hanau Namenspatron für ein Steinheimer Straßenbauwerk sein, nur für welches?

Eine Brücke soll es nun sein, die nach dem Altkanzler Kohl benannt werden soll, steht für die CDU fest. Nachdem sich im Juni Hanaus Ex-OB Margret Härtel (CDU) in einem öffentlichen Brief vergeblich dafür stark gemacht hatte, dem „großen Europäer“ eine breite Straße zu widmen, will die CDU-Fraktion in der nächsten Sitzung des Stadtparlaments den Antrag stellen, die „Steinheimer Brücke“ in „Dr.-Helmut-Kohl-Brücke“ umzutaufen. Die SPD im Ortsbeirat Steinheim hat dem bereits eine deutliche Absage erteilt, nicht zuletzt weil das Gremium übergangen wurde.

„Die Umbenennung der Steinheimer Brücke lehnen die Steinheimer Sozialdemokraten vehement ab“, erklärt Parteichef Max Bieri zudem. Die Brücke der heiße seit ihrer Eröffnung im Jahr 1873 so. Doch diese Mainquerung meint die CDU im Stadtparlament nicht - oder nicht mehr. Wie die Fraktionsvorsitzende Isabelle Hemsley jetzt auf Anfrage der Frankfurter Rundschau erklärt, ist in dem Antrag die Hellentalbrücke meint. Im Antrag sei sie irrtümlich als „Steinheimer Brücke“ bezeichnet worden. Offenbar wusste dies weder die SPD, noch die CDU im Ortsbeirat und Ortsvorsteher Klaus Romeis (CDU).

„Die falsche Bezeichnung war mein Fehler“, sagt Hemsley, die den Antrag unterzeichnete. Die Vermutung, dass es wegen des wachsenden Protests flugs zu einem strategischen Wechsel zur weniger emotionsbehaftenen, autobahnähnlichen Betonbrücke der B43a gekommen sei, weist Hemsley von sich.

Lokale Größen bevorzugt

Für Bieri, der für die SPD auch in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, bedeutet das: „Die CDU muss ihren Antrag zurückziehen.“ Und nicht allein, weil er inhaltlich einen groben Schnitzer aufweist. Die Vorgehensweise der CDU entspreche nicht der Abmachung des Präsidiums der Stadtverordnetenversammlung, so Bieri. Dort habe man sich darauf geeinigt, Straßennamen nur mit einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung und der betroffenen Ortsbeiräte zu vergeben. Die CDU versuche nun am Ortsbeirat vorbei in einer Kampfabstimmung im Stadtparlament die Umbenennung durchzudrücken. Obendrein wären bei der Hellentalbrücke ob der Gemarkungslage auch die Ortsbeiräte Großauheim und Innenstadt involviert, bemerkt Bieri.

Dass die CDU auf Biegen und Brechen den Namen des Altkanzlers in der Stadt sehen möchte, dem die Bundes-CDU wegen der parteiruinösen Spendenaffäre den Titel Ehrenvorsitzender entzog, zeigt sich im Antrag in der Alternative zur „Steinheimer Brücke“: die Gleisfeldüberführung der B43 am Hauptbahnhof - falls das nicht auch ein Irrtum ist.

„Mit der Benennung einer Brücke soll ein Wahrzeichen für den Kanzler der europäischen und deutschen Einheit entstehen“, sagt Hemsley. Kohls nicht geringe Verfehlungen hält sie hingegen dazu für nebensächlich. Auch andere ehrte Politiker seien nicht frei von dunklen Flecken, sagt sie. Ortsvorsteher Romeis betrachtet die Person Kohl nüchtern. Er habe Momente der Weltgeschichte glücklich genutzt, aber er sei ein „hoch umstrittener Politiker“. Laut Romeis kommt der Antrag seiner Partei so kurz vor der Kommunalwahl zur Unzeit. Er hält zudem wenig davon, in den Stadtteilen den öffentlichen Raum nach Staatsleuten oder Weltberühmtheiten zu benennen. Menschen, die im Ort positiv gewirkt hätten, solle diese Ehre zukommen. „Man kennt die Leute und es ist ein Beitrag zur lokalen Geschichte.“ Es sind die Namen von Pfarrer, Förster oder wie jüngst geschehen der eines Heimatforschers. Mit dem Jürgen-Sticher-Platz ist auch ein Ortsvorsteher darunter. Dem 80-jährigen Romeis steht danach nicht der Sinn. „Da will ich nach dem Tod lieber ausgestopft werden“, sagt er.

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