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Investor hat Interesse an Karstadt

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Quo vadis, Karstadt Bad Homburg? Die Filiale in der Louisenstraße ist ein zentraler Anker des Einzelhandels.
Quo vadis, Karstadt Bad Homburg? Die Filiale in der Louisenstraße ist ein zentraler Anker des Einzelhandels. priedemuth © jp

Online-Händler möchte Filiale in der Kurstadt übernehmen

BAD HOMBURG - Nein, als der große Retter sehe er sich nicht, sagt Markus Schön, das wäre vermessen. Allein: Vielen Mitarbeitern des insolventen Galeria Karstadt Kaufhof Konzerns, darunter die Belegschaft der hiesigen Filiale, gibt der Schreibwarenhändler aus Detmold neue Hoffnung. Der Investor interessiert sich für Dutzende Filialen - und hat schon konkrete Pläne mit den Geschäften.

Der angeschlagene Warenhaus-Konzern musste jüngst Insolvenz im Schutzschirmverfahren beantragen. Konzernleiter Miguel Müllenbach kündigte an, dass deswegen mehr als 40 der verbliebenen 131 Filialen bundesweit geschlossen werden sollen. Es dürfte also betriebsbedingte Kündigungen geben. Der Konzern hat sich bisher aber noch nicht festgelegt, welche Standorte davon betroffen sein werden. Auch die rund 80 Beschäftigten in Bad Homburg bangen nun um ihre Arbeitsplätze in der unteren Louisenstraße.

Schön, Vorstandsvorsitzender des Online-Händlers buero.de, möchte nun 47 Warenhäuser weiterführen - und hat auch ein Auge auf die Filiale in der Kurstadt geworfen, wie er auf Nachfrage bestätigt. „Wir sind schon vor einiger Zeit, 2018, auf das Management zugegangen“, erzählt Schön.

Interessiert an mittelgroßen Lagen

Als die Kaufhauskette dann vergangene Woche Insolvenz beantragt hatte, änderte das nichts an seinem Interesse an den Filialen in mittelgroßen Städten wie Bad Homburg, Fulda, Goslar oder Wismar. Und was sagt der Konzern zu den ambitionierten Plänen? „Wir haben unser Interesse bei dem zuständigen Insolvenzverwalter hinterlegt“, sagt Schön gegenüber dieser Zeitung. „Sicher ist es noch nicht.“ Er rechnet sich aber gute Chancen aus. „Wir glauben an die Zukunft dieser Traditionsmarke in Kombination mit unserer Online-Erfahrung und könnten dabei helfen, Tausende Arbeitsplätze zu erhalten“, sagte Schön etwa der „Bild“-Zeitung.

Doch warum interessiert sich ein Online-Händler überhaupt für analoges Shopping? Das Unternehmen schreibt dazu: „Starke Marken werden in Innenstädten gemacht . . . - noch.“ Im September hatte buero.de drei Büro- und Schreibwarengeschäfte bei Frankfurt übernommen - in Königstein, Kronberg und Kriftel - und angekündigt, mit der Marke künftig im stationären Handel expandieren zu wollen. Bis zu 20 stationäre Geschäfte jährlich könnten übernommen werden. Daher ist das Schutzschirmverfahren bei Galeria Karstadt Kaufhof aus Schöns Sicht eine einmalige Chance. „Wir haben die 47 Filialen keinesfalls einzeln ausgesucht, sondern sie nach ihrer Ähnlichkeit ausgewählt“, erklärt der Investor. Die Gemeinsamkeiten sollen schließlich in ein stationäres Konzept überführt werden, das in allen übernommenen Filialen gelten würde, jedoch auch regionale Schwerpunkte vorsehe. Eines der wichtigsten Kriterien bei der Auswahl der Standorte, die Schön interessieren, war die Größe. Zu große Standorte waren für buero.de uninteressant, vermutlich auch wegen der dann höheren Energiekosten. Gesucht wurden auch Filialen, die starke Publikumsmagneten sind, wie Karstadt in der belebten Louisenstraße, einem Ankerpunkt des Einzelhandels und einzige Filiale im Kreis, und noch dazu mit eigenem Parkhaus. Nicht zuletzt spielte auch die Kaufkraft vor Ort eine Rolle bei der Entscheidung, und auch in diesem Punkt ist der Standort führend: Der Hochtaunus hat die zweithöchste Kaufkraft aller Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland, nach dem bayerischen Starnberg.

Ein Investor aus dem Online-Geschäft soll nun ein analoges Warenhauskonzept, das offensichtlich nicht mehr so recht funktioniert, erfolgreich machen? Während Schöns Unternehmen im Online-Handel groß geworden ist - Finanzinvestoren bewerten es derzeit mit rund 200 Millionen Euro - kämpfen stationäre Händler ums Überleben. „Je weniger spezialisiert man ist, desto leichter ist man im Internet zu ersetzen“, sagt Schön. „Aber mit Shop-in-Shop-Konzepten kann man Innenstädte in mittelgroßen Lagen beleben“, ist er überzeugt und „Warenhaus-Erlebnisse wie früher“ schaffen. Damit ist gemeint, dass Kaufhäuser heutzutage oftmals einen Teil ihrer Verkaufsfläche an andere Unternehmen vermieten, um dort in einem klar durch den Ladenbau abgegrenzten Bereich deren Waren zu präsentieren. Den Namen der Warenhäuser wolle er nicht übernehmen, die Belegschaft schon, versichert er.

Schön ist überzeugt: „Aus der Stärke unseres dynamisch wachsenden Onlinegeschäftes und der kompletten Eigenkapitalfinanzierung haben wir alle Möglichkeiten, die Konsolidierung in unserer Branche aktiv zu gestalten.“ Ob Schöns Pläne aufgehen? Der Konzern wollte sich bisher nicht zu dem Angebot aus Detmold äußern.

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