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Das Mess- und Regeltechnik-Unternehmen Samson in Frankfurt hat 30 Ausbildungsplätze für Flüchtlinge geschaffen. Einen davon hat Teklit Yared Kidanemaryam aus Eritrea.

Flüchtlinge in Hessen

Integration im Schneckentempo

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Die Integration von Asylbewerbern in Arbeit kommt in Hessen nur zäh voran. Trotz vielfältiger Bemühungen. Doch manches gelingt auch.

Die Integration von Geflüchteten in den hessischen Arbeitsmarkt geht sehr schleppend voran. Das machen neueste Zahlen deutlich, die der Leiter der Regionaldirektion Hessen (früher: Arbeitsamt), Frank Martin, am Freitag vorgestellt hat.

Demnach haben Martins Schätzung zufolge im Laufe der vergangenen zwölf Monate rund 4000 Flüchtlinge eine Arbeit aufgenommen. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Die Dimension aber macht klar, dass die Herausforderung der Integration bei weitem nicht bewältigt ist. Sie hat gerade erst begonnen.

Martin rechnete vor, dass von den 122 000 Menschen, die von 2014 bis 2016 nach Hessen flüchteten, 43 000 in der nächsten Zeit auf den Arbeitsmarkt drängen werden. Andere sind zu jung oder alt, sind bereits wieder ausgereist oder werden voraussichtlich keine Aufenthaltserlaubnis bekommen.

Geht es mit der Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mit rund 4000 Stellen im Jahr so weiter wie bisher (wovon Martin ausgeht), wird die Integration der mehr als 40 000 Arbeitsuchenden also mindestens noch zehn Jahre dauern. Und selbst das ist eine optimistische Annahme.

Denn bei weitem nicht alle bringen die Fähigkeiten mit, die auf dem Arbeitsmarkt gesucht sind. „Wir haben einen Fachkräftemangel, und aufgrund des demographischen Wandels wird die Zahl der möglichen Erwerbspersonen bis zum Jahr 2030 bundesweit um sechs Millionen abnehmen“, sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Doch um diesen Mangel zu beheben, brauche es eine gesteuerte Zuwanderung. „Bekommen aber haben wir eine ungesteuerte Zuwanderung“, so Pollert. Die Wirtschaft werde natürlich versuchen, aus den nun Zugewanderten Fachkräfte zu rekrutieren. Doch diesen fehlten in den meisten Fällen grundlegende Sprachkenntnisse und die „bei uns übliche schulische Bildung und berufliche Ausbildung“.

Die VhU hatte am Freitag zum zweiten Mal zu einem Integrationscamp der Wirtschaft nach Frankfurt eingeladen mit dem Ziel, Unternehmen mit Organisationen in Kontakt zu bringen, die sich mit der Integration von Flüchtlingen beschäftigen. Auch sollen die erfolgreichen Projekte, die es bereits gibt, zur Nachahmung ermuntern.

So organisiert Siemens Praktikumsprogramme für insgesamt 100 Teilnehmer, die bereits über erste technische Kenntnisse verfügen. Weitere 100 Jugendliche werden in Vorbereitungsklassen zur Ausbildungsreife geführt. „Immerhin 50 Prozent haben im vergangenen Jahr tatsächlich eine Ausbildung begonnen“, berichtete Ausbildungsleiterin Barbara Ofstad.

In Frankfurt beschäftigt das Start-Up-Unternehmen Stitch by Stitch fünf Flüchtlingsfrauen als Schneiderinnen für hochwertige Mode. Nun soll eine Männerwerkstatt folgen. Und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft unterstützte mit dem Projekt „Wirtschaft integriert“ schon 1000 junge Flüchtlinge auf dem Weg zum Berufsabschluss. Zudem sind dort zwei Willkommenslotsen angestellt, die bei kleinen und mittleren Unternehmen für die Beschäftigung von Flüchtlingen werben und diese bei der Integration unterstützen. Diese sei dann erfolgreich, so Pollert, „wenn aus Flüchtlingen Mitarbeiter geworden sind“.

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