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900 Sozialwohnungen wurden 2018 in Hessen gebaut – aber 5000 fielen aus der Förderung.

Wohnen in Hessen

Initiative für Sozialwohnungen in Hessen

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Die Wohnungswirtschaft in Hessen fordert höhere Zuschüsse, um dem Negativtrend bei Sozialwohnungen zu stoppen. Und sie macht Vorschläge zum Klimaschutz.

Die Zahl der Sozialwohnungen geht in Hessen weiter drastisch zurück. Eine Umkehr dieses „Negativtrends“ sei nicht in Sicht, beklagt die Wohnungswirtschaft. Aus ihrer Sicht reichen die Anreize für Bauherren nicht aus, um wirtschaftlich Sozialwohnungen errichten zu können.

„Ein Bauherr kann beim frei finanzierten Wohnungsbau deutlich wirtschaftlicher arbeiten“, sagte Axel Tausendpfund am Donnerstag in Wiesbaden. Er führt den Verband der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest).

Im Jahr 2018 – das sind die aktuellen Zahlen – seien in ganz Hessen lediglich rund 900 geförderte Wohnungen gebaut worden, berichtete Tausendpfund. Im gleichen Zeitraum seien aber etwa 5000 geförderte Wohnungen aus der Bindung gefallen; sie müssen also nicht mehr zum günstigen Mietpreis von Sozialwohnungen vermietet werden. Dieser Trend halte seit langem an, erläuterte Tausendpfund. Anfang der 90er Jahre habe es in Hessen noch 200 000 Sozialwohnungen gegeben. 2018 seien es nur noch 80 000 gewesen.

Miet-Entwicklung

In Frankfurt stagnieren die Mietpreise bei Neubauten. Das geht aus dem F+B-Wohn-Index hervor, auf den sich die Wohnungswirtschaft bezieht.

Steigende Mieten sind demnach im Frankfurter Umland zu beobachten, etwa in Offenbach, Hanau, Neu-Isenburg, Rodgau und Maintal.

Sinkende Mieten gebe es in Rüsselsheim, Bad Homburg und Butzbach. pit

Die Wohnungswirtschaft fordert daher, das Land müsse deutlich höhere Zuschüsse zum Bau von Sozialwohnungen beisteuern. Die Fördermittel für Sozialwohnungsbau bestehen nach Angaben des Verbands derzeit zu 75 Prozent aus zinsgünstigen Darlehen und lediglich zu 25 Prozent aus Zuschüssen.

Der VdW schlägt vor, die Darlehen komplett ohne Zinsen zu vergeben und den Anteil der Zuschüsse auf 40 Prozent zu erhöhen. Mit solchen Beträgen könnten es sich Investoren leisten, selbst in Städten wie Frankfurt Sozialwohnungen zu bauen, obwohl auf dem freien Markt Mieten von 14 Euro zu erzielen seien.

Finanzielle Unterstützung vom Land erhoffen sich die Wohnungsbauunternehmen auch bei Investitionen in den Klimaschutz. Das Ziel der Bundesregierung, dass bis 2050 alle Gebäude klimaneutral sein sollten, sei „enorm ehrgeizig“. Allein für Hessen seien rund zehn Milliarden Euro an Investitionen in hohe energetische Standards notwendig, schätzt Tausendpfund. Dies betreffe vor allem die Sanierung von Altbauten.

Der VdW appellierte an die schwarz-grüne Landesregierung, hierbei zu helfen. Sie solle dafür auf die Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer zurückgreifen, die 1,6 Milliarden Euro im Jahr einbringe.

Zufrieden zeigte sich die Wohnungswirtschaft damit, dass Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zwei Wünsche aufgegriffen habe. Sie lobten seine Initiative für den „Großen Frankfurter Bogen“, die das Umland in die Pflicht nimmt, Wohnraum zu schaffen. Auch sein Gesetzentwurf für die Bauordnung, mit dem das serielle Bauen erleichtert werden soll, traf auf Zuspruch. Das sei „ein Beitrag dazu, schnell Wohnraum zu schaffen“, hofft Tausendpfund.

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