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Die Corona-Infektionszahlen in Hessen steigen rasant.

Coronavirus

Infektionszahlen in Frankfurt und Hessen steigen rasant

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Politiker warnen vor einem zweiten Lockdown. Derweil vermeldet die Stadt Offenbach Höchstwerte.

Es waren eindringliche Reden aus der Kategorie Blut-Schweiß-und-Tränen, die am Donnerstagnachmittag im Plenarsaal des Römers gehalten wurden. Mit ungewöhnlich scharfen Worten appellierten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) an die Bevölkerung, sich ausnahmslos an die Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus zu halten. Ansonsten drohe ein zweiter Lockdown, bei dem im schlimmsten Fall auch Schulen und Kindergärten geschlossen werden müssten.

Die Zahlen in Frankfurt sind zuletzt drastisch gestiegen. Am Donnerstag lag die Inzidenzzahl bei 25 – sprich: Von 100 000 Bürgerinnen und Bürgern hatten sich so viele Menschen in den vergangenen sieben Tagen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Wie vom Land Hessen vorgesehen, beriet die Stadtregierung deshalb über eine Verschärfung der Regeln, die Feldmann, Frank und Majer am Donnerstag im Römer vorstellten.

Besonders weitreichend ist die Maskenpflicht im Unterricht. Das Land Hessen überlässt es eigentlich den Schulen, ob die Kinder und Jugendlichen auch im Klassenraum einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Zumindest in den kommenden zwei Wochen führt an der Maske im Unterricht in Frankfurt aber kein Weg vorbei. Ausnahmen gelten nur für Grundschulen und für Klassenzimmer, in denen ein Abstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann. In den allermeisten Unterrichtsräumen ist das nicht der Fall.

Zudem gibt es zunächst keine Ausnahmen von der in der Landesverordnung festgelegten Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen. Mehr als 250 Menschen dürfen nicht zusammenkommen. Das gilt auch für die Musik- und Tanzveranstaltungen, die die Stadt Frankfurt gemeinsam mit Clubbetreibern anbietet und die eigentlich für 1000 Gäste gedacht waren.

Auch unorganisierte Treffen am Wochenende – etwa am Friedberger Platz – seien derzeit kritisch zu sehen, sagte Frank. Er appellierte an die zumeist jungen Leute, daheimzubleiben oder zumindest auch bei den Zusammenkünften im Freien Maske zu tragen und Abstand zu halten. „Sonst kann es sein, dass es solche Treffen in Zukunft nicht mehr geben wird.“ Zudem stärkt die Stadt Frankfurt das Gesundheitsamt. Bis zu 190 Beschäftigte sollen bereitstehen, um Infektionsketten aufklären zu können. „Wir werden jeden einzelnen Fall nachverfolgen“, sagte Majer.

Insbesondere der Gesundheitsdezernent machte den Frankfurterinnen und Frankfurtern wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende der Pandemie. Er rechne noch für das gesamte Jahr 2021 mit Beschränkungen.

Problematisch sei, dass die Zahlen stiegen, obwohl es derzeit kaum größere Infektionscluster gebe wie beispielsweise nach einem freikirchlichen Gottesdienst im Frühling, sagte Antoni Walczok, Infektologe am Gesundheitsamt. Das Virus breite sich „in der Fläche“ aus. Die Inzidenzzahl dürfte in den kommenden Tagen noch steigen, sagte Walczok. Dass in Frankfurt sehr bald die Grenze von 35 Neuinfektionen auf 100 000 Menschen überschritten werde, ab der die Kommunen in Hessen weitere Beschränkungen erlassen müssen, sei aber eher nicht zu erwarten. Unter den positiv Getesteten befänden sich viele junge Menschen, knapp die Hälfte sei gerade von einer Reise zurückgekehrt. „Wir reden aber nicht nur von Risikogebieten“, sagte der Infektologe. Die Testkapazität sei in Frankfurt zuletzt deutlich erhöht worden. Bis zu 5800 Menschen könnten pro Tag eine Probe abgegeben.

Im hessischen Vergleich nimmt Frankfurt bei den Infektionszahlen hinter Offenbach und dem Landkreis Groß-Gerau den dritten Platz ein. In Offenbach liegt die Inzidenzzahl bei 39, die Stadt selbst hatte am Donnerstag sogar einen Wert von 44,3 gemeldet. Die Differenz ergibt sich aus unterschiedlichen Meldezeiträumen. 92 Menschen waren akut mit dem Coronavirus infiziert – so viele wie noch nie. Die Stadt Offenbach beschloss deshalb ebenfalls eine erweiterte Maskenpflicht für Klassenzimmer, aber auch für Sport- und Kultureinrichtungen sowie Kirchen.

Die Zahl der Neuinfektionen in Hessen erhöhte sich seit Mittwoch um 183, wie das Sozialministerium am Donnerstag mitteilte. Weitere Todesfälle gab es nicht.

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