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Blick von der Mühlheimer Straße durch den Zaun auf das Clariant-Gelände. 

Offenbach

Aus Industriebrache in Offenbach soll Innovationscampus werden

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Die Stadt Offenbach hat große Pläne für die künftige Nutzung des Clariant-Areals. Die Stadtverordneten sollen heute in nichtöffentlicher Sitzung einen Grundsatzbeschluss fassen.

Bei den Verantwortlichen im Offenbacher Rathaus herrscht Anspannung. Das hat nicht nur mit dem Coronavirus zu tun, sondern auch mit einer 35 Hektar großen Industriebrache östlich der City, deren Umnutzung und Wiederbelebung die Stadt als historische Chance ansieht. Sie will das vor zehn Jahren stillgelegte Areal dem Chemiekonzern Clariant für 6,95 Millionen Euro abkaufen und dort ein Gewerbegebiet mit einem Innovationscampus entwickeln, der Impulse für die gesamte Region setzen soll.

Wenn die Gespräche mit dem Schweizer Unternehmen nach jahrelangen, teils schwierigen Verhandlungen jetzt ein gutes Ende fänden, könnten die Stadtverordneten heute Abend in nichtöffentlicher Sitzung den Grunderwerb und die Gründung einer Innovationscampus Offenbach GmbH & Co. KG (kurz Inno) beschließen. Bereits morgen, so die Pläne, würde die Gesellschaft ins Handelsregister eingetragen.

Die Zustimmung der Stadtverordneten zu dem Vorhaben, dem „größten Projekt für Offenbach seit dem S-Bahn-Bau“, so OB Schwenke, gilt als sicher. Am vergangenen Montag billigten sie, ebenfalls ohne Öffentlichkeit, eine entsprechende Magistratsvorlage. Diese liegt der FR vor. Nach dem bisher unveröffentlichten Papier soll das ehemalige Clariant-Gelände, ähnlich wie der frühere Hafen, von einer Tochter der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) entwickelt werden.

Für die Entwicklung des Areals werden drei bis fünf Jahre veranschlagt. In dieser Zeit soll unter anderem das Vermarktungs- und Altlastensanierungskonzept erarbeitet werden. Eine Kreditaufnahme ist nicht vorgesehen. Die SOH soll laut Vorlage die Inno mit drei Millionen Euro Stammkapital ausstatten und der Gesellschaft auch die Kaufsumme zur Verfügung stellen.

Der Grundsatzbeschluss sieht ferner vor, dass sich die Stadt Offenbach und Inno verpflichten, die Kosten der Altlastensanierung zu übernehmen und Clariant diesbezüglich von sämtlichen Ansprüchen freizustellen. Die Abgabe einer entsprechenden Patronatserklärung steht allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Regierungspräsidium. Im relativ niedrigen Kaufpreis sind die von Gutachtern geschätzten Sanierungskosten bereits „eingepreist“. Das Risiko, dass das Areal stärker als bekannt verseucht sein könnte, halten OB und Dezernenten wegen des Zeitgewinns für vertretbar.

Das 35 Hektar große Gelände soll mit einem ausgeglichenen Ergebnis entwickelt werden. Wie das gelingen soll, steht ebenfalls in der Vorlage. Teile des Geländes werden später verkauft.

Die Geschäftsführung der Inno soll durch die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) wahrgenommen werden. Geschäftsführerin bleibt Daniela Matha, neu hinzu kommt SOH-Chef Peter Walter. Annette Schroeder-Rupp wird als OPG-Geschäftsführerin abberufen, sie übernimmt Aufgaben im Geschäftsfeld Immobilien der SOH.

Neue Nutzung 

Die 35 Hektar große Industriefläche  der Firma Clarian will Offenbach dem gleichnamigen Schweizer Chemiekonzern für 6,95 Millionen Euro abkaufen und als Gewerbeareal nutzen. Die Stadt will dort einen Innovationscampus mit den Schwerpunkten künstliche Intelliganz und Digitalisierung entwickeln.

Die Kaufsumme  liegt weit unter den üblichen Preisen, weil die Stadt nach 170 Jahren Chemieproduktion am Standort die Kosten der Altlastensanierung übernimmt. Gemäß den Bodenrichtwerten wären für das lange nicht genutzte Industrieareal 160 Euro je Quadratmeter fällig. Im Gewerbegebiet kostet er im Schnitt 200 bis 240 Euro. Für die Fläche ergäbe sich ein Betrag zwischen 56 und 84 Millionen Euro.

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