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Das Heizkraftwerk der EVO in Offenbach erzeugt sowohl Fernwärme als auch Energie.

Offenbach/Dietzenbach

Fernwärme wird billiger, bleibt aber teuer

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Fernwärmepreise fallen In Offenbach und Dietzenbach. Die Bürgerinitiative Interessengemeinschaft EVO übt trotzdem Kritik.

Fernwärme ist bei der Energieversorgung Offenbach (EVO) und ihrer 50-prozentigen Tochter Energieversorgung Dietzenbach (EVD) günstiger geworden. Um rund 6,8 Prozent wurden die Preise mit Wirkung zum 1. Oktober gesenkt. Das sei aber nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht, meint die Bürgerinitiative Interessengemeinschaft (IG) EVO, weil die Kostensteigerungen seit 2015 damit bei weitem nicht kompensiert worden seien. Die beiden Energieversorger hätten ihre Preise nämlich innerhalb der vergangenen fünf Jahre um durchschnittlich 30 Prozent erhöht. Die EVO widerspricht dieser Zahl.

Die EVD hat auf ihrer Website verdeutlicht, wie sich die aktuelle Preissenkung für die Fernwärmekunden auswirkt. Wie dort zu lesen ist, verringert sich der Preis für ein typisches Einfamilienhaus mit einem jährlichen Verbrauch von 18 000 Kilowattstunden und einem Anschlusswert von 10 Kilowatt um 6,8 Prozent. Das entspreche einer jährlichen Ersparnis von rund 110 Euro, heißt es.

Fernwärmestreit

Vor gut vier Jahren gründete sich die Interessengemeinschaft (IG) EVO, um sich gegen „unrechtmäßige Preisanpassungen“ und die Einführung neuer Preissysteme bei der Fernwärme zur Wehr zu setzen.

Die Bürgerinitiative holte den Bundesverband Verbraucherzentrale ins Boot, der einen Prozess gegen EVO und EVD führte. Das Oberlandesgericht Frankfurt gab den Verbraucherschützern Recht, der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil im April dieses Jahres auf.

Die Richter ließen bei ihrem Urteil aber außen vor, ob es rechtens ist, dass die Fernwärmeversorger ihre Preisänderungen durch öffentliche Bekanntmachungen für wirksam erklären. Aktuell läuft dazu eine Klage einer Privatperson vor dem BGH. ann

Die Senkung der Fernwärmepreise zum 1. Oktober sei bei EVO und EVD längst überfällig, meint die Bürgerinitiative. Zum einen hätten die beiden Versorger zum 1. Oktober 2015 einseitig ein neues Preissystem eingeführt, das die Fernwärme für die Kunden auf einen Schlag um rund zwölf Prozent teurer machte. Zum anderen hätten sich die Preise binnen dieser fünf Jahre um rund 30 Prozent gegenüber dem alten Vertrag erhöht. Die IG hatte sich die Verbräuche und Anschlusswerte von 70 Kunden angesehen, und die 30 Prozent seien das Ergebnis dieses Vergleichs, so Karlheinz Kremer, einer der IG-Sprecher.

EVO-Pressesprecher Harald Hofmann relativiert: „30 Prozent stimmt sicher nicht für die Gesamtheit unserer Kunden.“ Die Fernwärmepreise hätten sich für den Durchschnittskunden in den vergangenen fünf Jahren nur um rund zehn Prozent erhöht – die jüngste Preissenkung schon eingerechnet. „Das sind zwei Prozent Verteuerung pro Jahr.“

Die IG ärgert aber auch, dass die Tarife der Gasversorger viel günstiger seien. „Erdgas ist um 40 Prozent günstiger als Fernwärme“, sagt Kremer. Hier herrsche Wettbewerb, während es bei der Fernwärme keine Konkurrenz gebe. EVO und EVD seien Monopolisten, denen man wegen des bestehenden Anschlusszwangs hilflos ausgeliefert sei. „Durch das Monopol werden wir gemolken.“

Auch hier rechnet Hofmann anders. Man dürfe sich beim Erdgas nicht nur den Verbrauchspreis, also den Preis pro Kilowattstunde, anschauen, sondern müsse auch die Investitionskosten berücksichtigen. „Alle 20 Jahre ist eine neue Anlage fällig“, sagt er – und dann sei man inklusive Einbau schnell bei 20 000 Euro. Im übrigen könne der Fernwärmekunde auch Langläuferverträge abschließen, bei denen der Preis zwei Jahre lang stabil bleibe.

Die IG warnt aber vor einem neuen Vertrag. „Auf 50 Seiten sind da so viele Klauseln drin, dass die beiden Versorger mit dem Kunden machen können, was sie wollen“, so Kremer.

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