frankfurt Die Galerie PPC Philipp Pflug Contemporary zeigt UV-Tintendrucke auf Leinen
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Die Galerie PPC Philipp Pflug Contemporary zeigt UV-Tintendrucke auf Leinen.

Kultur

In kurzen Hosen in die Galerie 

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Mit der „Frankfurt Art Experience“ ist die Ausstellungssaison in den Schauhäusern eingeläutet.

Video- und Fotokunst sehen Besucher am Samstag bei der „Frankfurt Art Experience“ zuerst, als sie den so genannten LSTNR-Space betreten. Am Anfang der Großen Eschenheimer Straße ist zum zweiten Mal das Zentrum der Kunstmesse, die gleichzeitig den Saisonstart der Frankfurter Galerien einläutet. Und dort hängen an nackten, grauen Betonwänden des Rohbaus neben dem Thurn- und Taxis-Palais unter dem Motto „Time in Transition“ Flachbildschirme sowie Röhren-Fernseher, die Arbeiten aus 13 Frankfurter Galerien als Vorgeschmack zeigen.

Sie sollen Besucher in die mehr als 50 Galerien locken, die am Wochenende zum Saisonstart neben der Innenstadt, im Ost-, Nord- und Westend, im Bahnhofsviertel sowie in Sachsenhausen ihre Türen geöffnet haben. „Viele Galerien setzen auf das Medium Foto und bewegte Bilder“, sagt Ulrike Berendson, die die „Art Talks“, als ein Baustein der Messe, kuratiert. Bei den Gesprächen mit Akteuren aus der Kunst-Szene gehe es ebenfalls um digitale Formate, die seit Ausbruch der Pandemie an Bedeutung gewonnen hätten. „Welche Probleme durch die Krise entstanden sind“, sei ein weiteres Thema.

Für Christian Lang und seinen Mann Jochen Schlicht ist der Saisonstart der Galerien, der zum 26. Mal stattfindet und zum zweiten Mal mit der Frankfurt Art Experience verknüpft ist, seit einigen Jahren Pflicht. „Ich bin generell an Kunst interessiert und sammle auch“, sagt der 49-Jährige. Er finde es „immer ganz spannend zu sehen, was sich verändert hat“, fügt er hinzu. Foto- und Videoarbeiten interessierten ihn weniger, mehr dagegen abstrakte Kunst, sagt Lang. Er habe längere Zeit im Ausland gelebt und anders als dort hätten in Deutschland viele Leute Hemmschwellen in Galerien zu gehen. „Da ist es ein bisschen unkomplizierter und man wird nicht komisch angeguckt, wenn man in Shorts, kurzer Hose und Flip Flops kommt“, sagt Schlicht. In diesem Outfit steht der 55-Jährige am Samstag im LSTNR-Space. Auch sein Mann trägt Shorts, genauso wie Vera Hoyer. Die 63-Jährige Wienerin, sitzt auf einem grünen Sofa und blättert im Ausstellungskatalog. „Ich bin hier zufällig reingerauscht“. Als ehemalige Frankfurterin, die vor Jahren weggezogen sei, habe sie sich die Veränderungen in der Stadt anschauen wollen. Beim Ausstellungsbesuch und ihrem Gang durch die weitläufigen Räume mit den bodentiefen Schaufensterfronten habe sie vor allem eine Arbeit von Thomas Sterna beeindruckt. Der Performance-Künstler hat ein Video mit dem Titel „Art Talk“ aufgenommen, bei dem er sich selbst interviewt. Das Besondere: Sterna hat die Stühle, auf denen hin- und herklettert senkrecht an die Wand geschraubt. Er kommt innerhalb weniger Minuten immer mehr ins Schwitzen und Japsen, während er davon erzählt, wie sich „Kunst weg vom Begriff der Freiheit zu Luxusgütern entwickelt“ habe.

Auf Zuschauer muss die Galerien-Saisoneröffnung auch in Zeiten von Corona nicht verzichten, aber es gibt Änderungen entsprechend der Abstandsregeln: Zu den Gesprächen im LSTNR-Space sind nur noch 100 Stühle besetzt, Mund- und Nasenschutz-Pflicht gilt in allen Räumen, Komposttoiletten stehen vor dem Gebäude und bei Führungen dürfen, erstmals gegen Gebühr für eine gewisse Verbindlichkeit, mit zehn Teilnehmenden pro Führung nur noch halb so viele Menschen mitlaufen. Allgemein soll „mit der Art Experience Leuten, die nicht ganz regelmäßig in Galerien gehen, die Schwellenangst genommen werden“, sagt Ulrike Berendson. „Galerien haben erheblichen Anteil daran, dass Frankfurt eine so lebendige Stadt ist.“

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