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In allen Klinik-Bereichen fehlen Betten

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In Bad Homburgs Krankenhaus herrscht Stress. priedemuth
In Bad Homburgs Krankenhaus herrscht Stress. priedemuth © Jens Priedemuth

Lage im Krankenhaus besorgniserregend / Corona-Station ist voll belegt

HOCHTAUNUS - Im Hochtaunuskreis ist die Versorgungslage, wie überall, katastrophal. Deshalb kann von Besinnlichkeit und Entschleunigung bei Dr. Julia Hefty und ihren Mitarbeitern an den Weihnachtstagen keine Rede sein. „Die Situation ist alarmierend, die exorbitant hohen Krankheitsausfälle innerhalb des Pflegepersonals führen zu einer hohen Belastung.“

Hinzu komme, wie die Geschäftsführerin der Hochtaunuskliniken berichtet, die allgemeine dramatische Lage. Bundesweit schlagen die Kliniken wegen der Personalsituation Alarm. „So ist es auch bei uns, es fehlt an Fachpersonal. Die Lage ist extrem angespannt. Deshalb sind auch wir, wie im Augenblick alle Krankenhäuser im Rhein-Main-Gebiet, von der Versorgung abgemeldet“, berichtet sie. „Das heißt: Unsere Stationen sind voll belegt.“ Das sei ein klares Signal nach außen, „dass wir keine Patienten mehr aufnehmen können.“

Andernorts sehe es noch schlimmer auf den Kinderstationen aus, die es in Usingen und Bad Homburg bekanntlich nicht gibt. „Da kommt noch das Problem des RS-Virus hinzu, da ist absolut Land unter“, meint Hefty.

Zum Hausarzt statt in die Notaufnahme

Damit sich die Lage nicht noch weiter verschärft, appelliert Hefty mit Nachdruck an die Bürger, mit gesundheitlichen Problemen als erste Anlaufstelle den Haus- oder Facharzt zu wählen und nicht das Krankenhaus. „Wir haben einfach keine Kapazitäten mehr.“ Das bedeutet auch, wenn der Rettungsdienst zu einem Notfall gerufen wird, dass für den Patienten nicht mehr garantiert ist, dass er zum nächstgelegenen Krankenhaus gebracht wird. „Es kann sein, dass man dann bis nach Fulda oder Aschaffenburg gefahren werden muss.“ Wenn ein Patient eine lange Fahrt im Rettungswagen nicht verkraften würde, komme er durch die Notfallzuweisung aber in eine Klinik in der Nähe.

Seit „etlichen Wochen“ sei die Lage, wie jeden Winter, auf den Intensivstationen dramatisch. „Uns fehlen jedes Jahr Intensivbetten. Das war auch schon lange vor Corona so.“ Jetzt habe sich die Situation allerdings zugespitzt: „Neu ist in diesem Winter, dass wirklich in allen Bereichen flächendeckend freie Betten Mangelware sind. Wir sind als Krankenhaus nicht aufnahmebereit“, fasst sie den Ernst der Lage zusammen. „Die aktuelle Situation ist für die gesamte Gesundheitsversorgung absolut besorgniserregend.“

Brandbriefe an die Politik schreibe man dauerhaft. „Leider hat alles, was bisher geschehen ist, zur Folge, dass das Pflegepersonal über die Corona-Pandemie noch mürber gemacht wurde“, sagt die Klinik-Geschäftsführerin.

Vor allem Patienten mit Grippeerkrankungen müssen derzeit stationär behandelt werden. Auch was Corona betrifft, kann im Klinikalltag keine Rede von Entspannung sein. „Unsere Corona-Station ist voll belegt, das ist etwas, das von außen keiner mehr wahrnimmt, da Corona für viele kein Thema mehr ist. Doch für uns ist Corona noch nicht vorbei“, erklärt die Klinik-Chefin. „Trotz allem versuchen wir, den Patienten die Weihnachtstage, so weit es geht, so angenehm wie möglich zu machen, etwa mit einem besonderen Menü.“

Was Besucher wissen müssen: Feste Besuchszeiten gibt es nicht mehr, allerdings braucht jeder einen negativen Schnelltest und muss eine FFP2-Maske tragen. „Wir bitten darum, dass nicht zu viele Besucher auf einmal in die Patientenzimmer kommen“, sagt sie. Für Patienten und Besucher gebe es zudem einen ökumenischen Weihnachtsgottesdienst, am heutigen Heiligabend von 15 Uhr an in der Klinikkapelle.

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