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Viele Jugendliche zeigen sich weiter solidarisch.
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Viele Jugendliche zeigen sich weiter solidarisch.

Corona

Impffreiheiten nicht für Junge

Von jungen Menschen wird weiterhin Solidarität gefordert, obwohl eine Impfung noch fern ist. Was macht das mit einer ganzen Generation?

Für vollständig Geimpfte gelten viele Einschränkungen nicht mehr. Währenddessen wartet vor allem die junge Generation auf den Startschuss, um mit den Impfungen beginnen zu können. Der Verzicht auf Freiheiten zum Schutz der Älteren, die dank der Impfung ihre Freiheiten wieder ausleben dürfen, könnte sozialen Sprengstoff bergen. Droht nun der viel beschworene Generationenkonflikt?

„Wir können auf Basis unserer Studien nicht davon sprechen. Jugendliche sind mit der älteren Generation im hohen Maße solidarisch. Sie akzeptieren weiterhin Maßnahmen aus dem Motiv heraus, die Älteren der Gesellschaft zu schützen“, sagt Sabine Andresen von der Goethe-Universität Frankfurt. Die Erziehungswissenschaftlerin forscht zu Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie. „Viele junge Menschen kritisieren widersprüchliche Regeln. In unseren Studien kommentieren manche, dass der Profifußball ungestört weiter spielen darf, während sie selbst seit einem Jahr auf ihren Sport verzichten. Schulen werden geschlossen, gleichzeitig produzieren ganze Industriezweige ohne Einschränkungen weiter.“

Was macht der Lockdown mit Kindern und Jugendlichen?

Corona-Abijahrgang
Lilian Rusgiarto (18) : „Auch wenn ich das Unwort „Corona-Abi“ nicht mehr hören kann, beschreibt es die Herausforderungen an uns Abiturient:innen perfekt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Altersgruppe im Sommer geimpft wird. Die Priorisierung des Impfstoffes von Johnson & Johnson und Astrazeneca wird jetzt aufgehoben, die Empfehlung gilt aber nur für Menschen über 60 Jahre. Ich würde mich trotzdem auch mit einem der beiden Impfstoffe impfen lassen. Mich nervt der Eindruck, dass unsere Generation immer nur als ganzer Infektionsbeschleuniger wahrgenommen wird, während die Büros weiter offen sind. Auf Kosten der Jugendlichen wird die Wirtschaft am Leben gehalten. Dass wir mehr als eine misslungene Bildungspolitik sind und die Kontaktreduzierungen ernsthafte psychische Folgen haben kann, geht komplett unter.“


Freunde wiedersehen
Frederik Senft (12) : „Seit den Osterferien bin ich nun schon zu Hause, weil die Schulen geschlossen sind. Für mich ist das Lernen am Bildschirm einfacher, weil das ganze Gewimmel in der Schule nicht so ablenkt. Trotzdem wünsche ich mir, dass ich nicht mehr so viel vor dem Rechner sitzen muss. Ich würde gerne meine Freunde wiedersehen und zum Klavierunterricht gehen. Und das Online-Treffen in der Pfadfindergruppe ist auf Dauer auch nicht das Wahre. Ich hoffe, dass der Impfstoff für uns Schüler ab den Sommerferien kommt, so wie es Jens Spahn gesagt hat. Das Impfen sollte für alle da sein und nicht mehr so lange dauern. Denn sonst ist das schon ziemlich unfair uns Schülern gegenüber.“


Unfaire Situation
Kai Denfeld (25) : „In meinem dualen Studium sitze ich teilweise zwölf Stunden und mehr in Online-Vorlesungen. Wenn es die Ausgangssperre zulässt, gehe ich höchstens noch mal spazieren. So sieht mein Leben aktuell aus. Auch mit einer Impfperspektive werde ich durch die Zweitimpfung und die erforderliche Wartezeit danach frühestens in acht Wochen in den Genuss der Privilegien für Geimpfte kommen. Wir jungen Menschen haben jetzt ein Jahr geliefert, um die Älteren zu schützen. Es ist schon zynisch, dass jetzt erneut die Solidarität von Jungen gefordert wird, während die älteren Geimpften keine Beschränkungen mehr haben. Klar, mir bringt es nichts, wenn alle anderen weiterhin eingesperrt bleiben. Fair finde ich die Situation trotzdem nicht.“

Durch die Pandemie sei für Jugendliche die gesamte Infrastruktur weggebrochen. Da die Einrichtungen geschlossen sind, sei den jungen Menschen mit dem öffentlichen Raum der einzige Ort geblieben, an den sie aus beengten Wohnverhältnissen, Streit und womöglich Gewalt fliehen könnten. „Das Leben von jungen Menschen findet eben nicht nur in der Schule statt, wie oft der Eindruck entsteht. Deswegen sollten wir ihre Rolle nicht nur auf Schüler:innen reduzieren. Sie brauchen jetzt dringend Räume und Gelegenheiten, um sich mit Tests und Hygienestrategie zu treffen“, fordert die Kindheits- und Jugendforscherin.

Lilian Rusgiarto.

Die Regierung möchte nun mit einem zwei Milliarden schweren Hilfspaket die Folgen der Corona-Maßnahmen für junge Menschen abfedern. „Das kann erst der Anfang sein“, ist sich Andresen sicher. „Es muss sichergestellt werden, dass die Mittel auch bei den Kindern ankommen.“

Frederik Senft.
Kai Denfeld.

Neben finanziellen Mitteln brauche es jetzt auch viele deutliche Signale an die jungen Menschen, dass sie gesehen und bestens unterstützt werden. Schon vor der Pandemie seien kinder- und jugendpolitische Fragen eher randständig behandelt worden, sagt die Erziehungswissenschaftlerin. „Jugendliche in unseren Befragungen beklagen häufig, dass sie nicht ernst genommen würden, auch weil sie nicht wahlberechtigt seien.“ Die Pandemie habe dieses Defizit besonders hervorgehoben. Die Mehrheit der Jugendlichen erlebe die Krise zwar nicht als direkten Konflikt zwischen Jung und Alt. „Aber sie fühlen sich politisch aufgrund ihres jugendlichen Alters nicht beteiligt, ungerecht behandelt und von den Verantwortlichen allein gelassen.“ (Alina Hanss)

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