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Im 15-Minuten-Takt Richtung Taunus

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Ein Zug der Linie RB 12 steht abfahrbereit am Königsteiner Bahnhof. Es handelt sich um Diesel- Triebwagen. Wasserstoff-Züge sind auf der Linie RB 12 noch nicht im Einsatz. andreas schick
Ein Zug der Linie RB 12 steht abfahrbereit am Königsteiner Bahnhof. Es handelt sich um Diesel- Triebwagen. Wasserstoff-Züge sind auf der Linie RB 12 noch nicht im Einsatz. andreas schick © Schick

Gutachter halten es für möglich, auf einem Teilstück der RB 12 mehr Züge einzusetzen

Königstein/Main-Taunus - Es geht ratzfatz, sofern weder Personalmangel noch Streiks noch technische Defekte oder andere Störungen dazwischenfunken: Wer sich am Frankfurter Hauptbahnhof in einen Zug der Linie RB 12 pflanzt, ist rasch im Taunus. 38 Minuten braucht er für die 25,25 Kilometer lange Strecke bis zur Endstation in Königstein, das sich an die Südwest-Flanke des Mittelgebirges schmiegt. Einige Minuten weniger sind es bis Schneidhain.

Die seit Dezember 2022 von der DB-Tochter „Regionalverkehre Start Deutschland“ betriebene Bahn-Linie hat so ihre Tücken. Zu Stoßzeiten quetschen sich oft so viele Leute in die Züge, dass es zugeht wie in einer Sardinenbüchse. Noch als die Hessische Landesbahn (HLB) die Strecke betrieben hat, wurde nachjustiert - teils durch längere Züge, teils durch Zusatzbusse. Könnte die RB 12 nicht einfach häufiger verkehren? Nein. Da die Gleise von Frankfurt-Höchst bis Königstein nahezu vollständig eingleisig verlaufen, ist es schwierig, vom üblichen 30-Minuten- auf einen 15-Minuten-Takt umzustellen. Das könnte sich eines Tages ändern. Verkehrsplaner fanden heraus, unter welchen Bedingungen es möglich ist, den Takt zu verdichten. Nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) kommt der Abschnitt zwischen Kelkheim und Frankfurt-Höchst in Frage, um zusätzliche Züge in der Hauptverkehrszeit einzusetzen. Das zeigt eine Machbarkeitsstudie im Auftrag des RMV und der Verkehrsgesellschaft Main-Taunus (MTV), wo sich fünf Haltepunkte auf die MTK-Kommunen Kelkheim und Liederbach verteilen. Das Verkehrswissenschaftliche Institut Stuttgart und die DB Engineering & Consulting GmbH stellten ihre Untersuchungen zwischen Anfang 2021 und Mitte 2022 an.

Studie besagt, dass Zuschüsse drin sind

Nach RMV-Auskunft ist ein weiterer Bahnsteig in Kelkheim nötig, „da die zusätzlichen Züge dort wenden sollen“. Die Gutachter regen an, einen Außen-Bahnsteig auf der Ostseite anzulegen, „da dieser Vorteile gegenüber anderen Varianten auf der Westseite aufweist“. Für die Ostseiten-Lösung müssten die Parkplätze direkt am Bahngleis weichen. „Eine Erweiterung des Bahnhofs auf der Westseite wäre betrieblich nachteilig und hätte größere Eingriffe in Nachbargelände zur Folge, unter anderem in eine Zufahrt zu einem Garagenhof“, erläutert der RMV. Mit dem Wendemanöver am Kelkheimer Bahnhof komme es nicht zu längeren Schließzeiten am Bahnübergang Fischbacher Straße. Diese Lösung lasse sich auch sehr gut mit einer möglichen Fuß- und Radwegverbindung unter dem Bahnhof hindurch in Einklang bringen.

Ein markanter Eingriff wäre auch in Liederbach erforderlich. Zwischen den Stationen Liederbach und Liederbach Süd müsste laut RMV ein zweites Gleis entstehen, und zwar westlich des bestehenden Gleises. „Vorteilhaft wäre auch die Verlängerung der Zweigleisigkeit bis in die Nähe der Autobahnbrücke, um bei verspäteten Zügen aus Frankfurt nicht in Liederbach mit dem Gegenzug warten zu müssen“, teilt der RMV weiter mit. „Zudem sieht die Untersuchung die Erhöhung der Geschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde auf mehreren Streckenabschnitten vor.“ Dies setze voraus, dass drei Bahnübergänge „eine umfassendere technische Sicherung“ erhalten. Auf den für Tempo 80 vorgesehenen Abschnitten gilt derzeit höchstens Tempo 60 oder 70. Nach Auffassung der Gutachter bestehe die Aussicht, das ambitionierte Infrastruktur-Projekt über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz fördern zu lassen. Voraussetzung hierfür seien „eine tiefergehende Untersuchung“ und eine Nutzen-Kosten-Rechnung, die als Nachweis der Förderwürdigkeit dienen sollen.

Wie es weitergeht, erläutert MTV-Geschäftsführer Roland Schmidt: „Für die politische Beratung und zur Festlegung weiterer Umsetzungsschritte wurde die Studie an die Kommunen Kelkheim und Liederbach übergeben.“ Ein RMV-Sprecher ergänzt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Da für die Umsetzung kommunale Flächen benötigt werden, ist die Unterstützung der Kommunen essenziell.“ Kelkheim hat drei Haltepunkte (Hornau, Kelkheim-Mitte, Münster), Liederbach zwei.

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