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Ihre Werke schafften es bis nach Rom: Die Malerin Auguste Maria Karoline Moede Jansen wurde gestern 100 Jahre alt.
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Ihre Werke schafften es bis nach Rom: Die Malerin Auguste Maria Karoline Moede Jansen wurde gestern 100 Jahre alt.

Bad Vilbel

Ihre Werke hängen im Vatikan

Die Malerin und Zeichnerin Auguste Maria Karoline Moede Jansen feiert ihren 100. Geburtstag.

Sie sind in Los Angeles, in Kopenhagen, in Museen, Galerien und Privatsammlungen und im Vatikan zu finden. Die Werke der Malerin und Zeichnerin Auguste Maria Karoline Moede Jansen. Signiert sind sie meist schlicht mit „Moede Jansen“ oder „Uta Moede Jansen“. Am Mittwoch feierte die Künstlerin, hellwach und rüstig, im Kreise ihrer Familie ihren 100. Geburtstag.

Pinsel, Feder und Zeichenstift hielt die Jubilarin zuletzt im Oktober 2019 in der Hand, als sie Familienporträts zeichnete und malte. Die Liebe zu Farben und Material entdeckte die Künstlerin, die in Osnabrück geboren wurde und im westfälischen Greven aufwuchs, bereits als Kind. Ihr Vater war Inhaber einer Eisenwarenhandlung. Nach einer Schneiderlehre ging’s nach Frankfurt, wo sie an der Städelschule Modezeichnen mit Schwerpunkt Aktzeichnen lernte. An der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst studierte sie „Ausstattung für Bühne und Film“. Von Wien kehrte sie ins vom Krieg zerstörte Frankfurt zurück, wo sie am 8. Mai 1945 den Juristen Karl-Heinz Moede heiratete.

Im Gegensatz zu den Porträts der Künstlerin tragen viele ihrer Werke weder einen Titel noch eine Jahreszahl.

1954 zog das Paar nach Bad Vilbel und baute sich im Gronauer Weg ein Haus, in dem die Jubilarin bis heute wohnt. Das große Grundstück bot Pferden, Schafen und Hühnern Platz. Und der Hausherrin Gelegenheit, sich ihren Hobbys zu widmen: Wünschelrute laufen und gärtnern. Sie baute Tomaten, Salat, Gemüse, Kräuter und Kartoffeln an. Die Schafe wurden geschoren, die Wolle wurde gewaschen, gesponnen, daraus Pullover und Strümpfe gestrickt.

Bei all den Aktivitäten verlor Auguste Moede Jansen die Kunst nie aus den Augen. „Das Malen machte mir immer viel Freude“, sagt die Jubilarin. Sie nahm sich regelmäßig Auszeiten von der Familie, um zu malen. Ihr Mann, der sich zu einem großen Kunstliebhaber entwickelte, öffnete das Bad Vilbeler Amtsgericht, das er viele Jahre leitete, Künstlerinnen und Künstlern für Ausstellungen.

Auguste Moede Jansen gestaltete Bilder in Öl und Acryl, Zeichnungen, Grafiken, Werke mit Tusche und Porträts. Sie zeigte ihre Bilder in zahlreichen Einzelausstellungen in Deutschland, Europa und den USA. Den größten Teil ihrer Werke brachte sie 2013 in die „Stiftung Moede Jansen“ ein. Ziel ist es, „die Werke zu dokumentieren, zu präsentieren und zu bewahren“, sie der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Porträts bilden einen Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens. „Mein erstes Porträt für meine Dokumentationsreihe ‚Persönlichkeiten unserer Zeit‘, habe ich 1968 von Mutter Teresa gemalt“, erzählt die Künstlerin. Von der späteren Friedensnobelpreisträgerin malte sie bis 1996 vier Porträts. Ihre vom Original erstellten Lithografien konnten Kunstliebhaber:innen bei Vernissagen im Vilbeler Amtsgericht kaufen. 10 000 D-Mark kamen dabei zusammen. Damit sollte geholfen werden. Moede Jansen traf Mutter Teresa 1978 in Rom und konnte ihr den Erlös persönlich überreichen. „Ich habe fast alle von mir Porträtierten getroffen. Von Verstorbenen dienten mir Fotos als Grundlage. Bei allen Porträts legte ich Wert auf einen Hintergrund mit Bezug zum Leben oder Wirken der Personen“, erzählt die Künstlerin.

Ihr Glaube hat die Katholikin zeitlebens geprägt. Vielfach reiste sie nach Rom, um sich mit weltlichen und geistlichen Persönlichkeiten zu treffen. Sie griff zu Bleistift und Papier, um Päpste zu malen. Porträts von Benedikt XVI., Johannes Paul II., seinem Pressesprecher Joaquín Navarro-Valls und dem Dalai Lama sind entstanden. Ein Meditationsbuch von Georg Gänswein, Kurienerzbischof und Privatsekretär von Benedikt XVI., hat sie illustriert.

Rund 300 Zeichnungen ihrer Porträts stiftete sie der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek. Sie kamen dort vor genau zehn Jahren, zu ihrem 90. Geburtstag, an. Seither sind sie als eigenständige Sammlung des Grafikkabinetts der Vatikanbibliothek unter dem Stichwort „Fondo Moede Jansen“ katalogisiert. Alle Werke dieser Reihe sind gleich groß und in einheitlicher Technik gestaltet. „Es sind Köpfe und nicht Zustände, die die Welt gestalten. Es war mir ein Anliegen, die Ausstrahlung von Menschen, die etwas Besonderes in ihrem Leben geleistet haben, zeichnerisch festzuhalten“, sagt Moede Jansen.

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