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Die Angestellten bei Manroland fürchten um ihre Jobs.

Hessen

Manroland in der Krise

Der Druckmaschinenhersteller Manroland steht mit dem Rücken zur Wand. Mit radikalen Sparmaßnahmen soll der Weg aus der Krise geebnet werden. Jeder dritte Arbeitsplatz ist in Gefahr. Von Maurice Farrouh

Von MAURICE FARROUH

Die Unternehmensführung spricht verklausuliert von Anpassungsmaßnahmen und Erhalt der Leistungsfähigkeit. Doch den 2800 Beschäftigten in Offenbach und Mainhausen ist klar: Ihr Arbeitgeber, Druckmaschinenhersteller Manroland, steht mit dem Rücken zur Wand und wird versuchen, sich mit radikalen Sparmaßnahmen aus der Krise zu retten.

Seit Monaten schon hatte es nicht gut ausgesehen für den Konzern. Die Auftragslage ist seit vergangenem Sommer schlecht, seit Oktober hat der Betrieb an den Standorten Offenbach und Mainhausen Kurzarbeit eingeführt. Doch Entspannung ist nicht in Sicht.

Stattdessen wird nun das volle Ausmaß der Misere sichtbar: Nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall, welche Manroland nicht kommentiert, soll nicht nur das Werk in Mainhausen schließen und Anfang 2010 nach Offenbach umziehen. Auch 1000 der 2800 Beschäftigten könnten ihren Job verlieren - mehr als jeder dritte Arbeitsplatz wäre demnach bedroht.

"Wir spüren jetzt die Folgen der Weltwirtschaftskrise mit voller Wucht", sagt Betriebsrat Rainer Herth. Viele in der Belegschaft hätten bereits befürchtet, dass die vorübergehende Umstellung auf Kurzarbeit nicht ausreichen würde, um die Krise zu überstehen. Doch seit die Unternehmensführung den Betriebsrat Anfang der Woche über die Sparpläne informiert hat, geht unter den Beschäftigten die Angst um. "Die Stimmung ist sehr niedergedrückt", so Herth.

Die Unternehmensführung will die Pläne so weit wie möglich unter Verschluss halten. Manroland werde zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Zahlen und andere Details zu den geplanten Maßnahmen nennen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens der Frankfurter Rundschau.

Es würden derzeit verschiedene Optionen, vordringlich im Bogenmaschinenbereich, geprüft und diskutiert. Ziel sei die Anpassung von "Werks- und Fixkostenstrukturen". Wegen der schlechten Auftragslage müsse Manroland die Strukturen an die "sehr schwierige Lage" anpassen, um Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen.

Nach Informationen von Betriebsrat und IG Metall sollen 515 Mitarbeiter in "indirekten Funktionen" - also in Bereichen abseits der Fertigung, wie etwa Verwaltung und Entwicklung - das Unternehmen verlassen. Betriebsbedingte Kündigungen solle es dabei jedoch nicht geben.

Im direkten Bereich sehe die Unternehmensleitung 450 Beschäftigte zu viel. Diesen "Überhang" wolle man 2009 mit Kurzarbeit ausgleichen. Wie dieser im Jahr 2010 aufgefangen werden solle, so die Arbeitnehmervertreter, sei von Unternehmensseite nicht gesagt worden.

Betriebsrat und IG Metall wollen nun die geplanten Maßnahmen prüfen. Ziel sei es, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Man werde versuchen, mit der Unternehmensführung zu einer einvernehmlichen Lösung zu finden, sagte Werner Dreibus von der IG-Metall der FR. Noch im Januar soll es eine außerordentliche Betriebsversammlung geben.

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