Offenbach

846 Euro Rente im Monat

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Der DGB warnt vor Altersarmut. Die Gewerkschafter fordern die Stadt auf, mehr Sozialwohnungen zu bauen.

Wir sind kampagnenbereit“, sagen die Offenbacher Gewerkschaften. Ganz oben auf ihrer Agenda steht das Thema Altersarmut. Die Zunahme von Armut in der Gesellschaft sei beschämend, sagte gestern DGB-Gewerkschaftssekretär Tobias Huth auf der Jahrespressekonferenz von DGB, IG Metall und Verdi. 846 Euro Rente erhalte ein Durchschnittsverdiener in Stadt und Kreis Offenbach. Frauen bekämen mit 586 Euro noch einmal deutlich weniger. „Davon kann man doch nicht leben“, so Huth. Er hat beobachtet, dass vor allem jüngere Menschen das Thema gerne verdrängen.

Mit Aktionstagen und Veranstaltungen wollen die Gewerkschaften erreichen, dass das Rentenniveau steigt und niemand über 65 hinaus arbeiten muss. Die Finanzierung soll durch höhere Beiträge gesichert werden. Um Erfolg zu haben, brauche es einen langen Atem, sind sich Huth, Marita Weber von der IG Metall Offenbach und Alexander Klein von Verdi Frankfurt und Region einig. Zehn Jahre hätten die Gewerkschaften für den gesetzlichen Mindestlohn gekämpft. „Jetzt gehen wir in die zweite Runde“, gaben sie sich kämpferisch.“

Laut DGB haben Befristungen, Leiharbeit und Niedriglohn zu Brüchen in den Erwerbsbiografien geführt. Menschen mit 45 Jahren Erwerbstätigkeit könne man bald „mit der Lupe suchen“, so Weber. Klein verwies auf die Statistik der Arbeitsagentur, wonach in Offenbach mehr als 11 600 Menschen – das ist jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – in atypischen, geringfügigen Jobs feststeckten.

Das Beispiel der Busfahrer zeige, dass selbst Vollzeitbeschäftigte nicht auf die Durchschnittsrente von heute 1400 Euro brutto kämen. Bei einem monatlichen Bruttolohn von 2000 Euro erhielten Busfahrer bei sinkendem Rentenniveau nach 45 Beitragsjahren weniger als 1000 Euro im Monat. Auch die betriebliche Altersvorsorge stelle keine Lösung dar, sagte Weber. Denn selbst Firmen wie Manroland oder Dematic, die beide tarifgebunden seien, hätten die Altersvorsorge gekündigt beziehungsweise zahlten seit Jahren keine Beiträge mehr.

Die Gewerkschafter appellierten unter Hinweis auf den Masterplan an die Offenbacher Politiker, nicht nur die Wirtschaft zu begünstigen, sondern sicherzustellen, dass gute Arbeitsplätze nach Tariflohn entstünden. Außerdem forderten sie mehr Engagement für den sozialen Wohnungsbau. „Es reicht nicht, wenn in der Hafenspitze Luxusapartments gebaut werden“, so Huth. Auch Weber verlangte, die Stadt müsse mehr für den geförderten Wohnungsbau tun.

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