+
Die Areva-Beschäftigten streikten vergeblich gegen die Schließung des Offenbacher Standorts.

Offenbach

Areva ist Geschichte

  • schließen

Die einjährige Transfergesellschaft für die geschlossene Areva-Niederlassung am Kaiserlei endet. Sie war ein Erfolg: Rund 80 Prozent der früheren Areva-Beschäftigten finden mit ihrer Unterstützung einen neuen Job.

Vor sieben Monaten hatte der Kraftwerksbauer Areva trotz Protesten der Belegschaft die Niederlassung am Kaiserlei geschlossen. Gestern endete die einjährige Transfergesellschaft. Damit ist Areva in Offenbach endgültig Geschichte. Mit einst 700 Beschäftigten war die Stadt nach Erlangen der zweitgrößte Standort von Areva Deutschland gewesen.

Wie Marita Weber, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, gestern mitteilte, hatten 131 ehemalige Areva-Mitarbeiter das Angebot angenommen, in die Transfergesellschaft zu wechseln. Qualifizierung und Beratung haben sich für die meisten Teilnehmer gelohnt. 101 Beschäftigte hätten inzwischen einen neuen Job, die meisten hätten sogar einen Arbeitsplatz in der Region gefunden, sagte Weber. Die Vermittlungsquote beträgt fast 80 Prozent. Sie wäre sogar noch höher, wenn ältere Arbeitnehmer, die sich letztlich für den Ruhestand entschieden, nicht in der Statistik berücksichtigt würden.

Der vor allem auf die Kernenergie spezialisierte Konzern hatte die Konzentration seiner Aktivitäten in Erlangen und Karlstein damit begründet, seine Wettbewerbsfähigkeit stärken zu wollen. Areva hatte allen 560 festangestellten Mitarbeitern in Offenbach Ersatzarbeitsplätze an den beiden Standorten angeboten. Gewerkschaft und Betriebsrat hatten aber von einem „vergifteten Angebot“ gesprochen, da für viele Mitarbeiter ein Umzug wegen privater Verpflichtungen nicht in Frage komme.

Wer das Unternehmen freiwillig verließ, erhielt eine Abfindung, die bei 80 bis 110 Prozent eines Bruttomonatsgehalts pro Beschäftigungsjahr lag. Weber schätzt, dass etwa 125 Mitarbeiter nach Karlstein gegangen sind. Allerdings hätten 50 den Betrieb schon wieder verlassen. Rund 270 Beschäftigte sollen nach Erlangen gewechselt sein. Der IG Metall ist nicht bekannt, wie viele ehemalige Beschäftigte aus Offenbach heute noch dort arbeiten.

Dass die Verlagerung der Arbeitsplätze letztlich einen Stellenabbau ermöglichte, beweisen die Zahlen, die IG Metall gestern nannte. Danach waren in Erlangen Ende 2015 4350 Menschen beschäftigt, Ende 2016 waren es nur noch 3270.

Areva hatte für sein Gebäude an der Kaiserleistraße einen langfristigen Mietvertrag. Das Unternehmen ist deshalb froh, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Immobilie jetzt nutzt. Was mit dem Gebäude künftig geschieht, ist offen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare