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Ideen für den Dorischen Tempel

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Nutzungskonzept für Gebäude im Gustavsgarten abgesegnet

BAD HOMBURG - Der Dorische Tempel im Gustavsgarten ist ein vergleichsweise kleines Objekt. Als Veranstaltungsraum wäre das denkmalgeschützte Schmuckstück hingegen ein großer Gewinn - das hatte sich die Politik gedacht und die mögliche Nutzung prüfen lassen. Dass man sich im Rathaus nach anfänglichen Bedenken für die Idee erwärmen konnte, dem Tempelchen mehr Öffentlichkeit zuzumuten, zeigte sich in der schnellen Bekanntgabe, dass dort künftig geheiratet werden kann - über den Traukalender der Stadt sind an insgesamt zehn Tagen zwischen April und September 2023 Termine auswählbar, es entstehen allerdings Zusatzkosten in Höhe von 350 Euro.

Am Donnerstagabend hat das Nutzungskonzept für den Dorischen Tempel das Parlament passiert. Abzüglich des früheren Altarbereichs stehen in dem Gebäude 44,20 Quadratmeter zur Verfügung, was eine maximale Bestuhlung mit 48 Plätzen (ohne Stühle dürfen 60 Leute rein) ermöglicht. Der Keller ist nicht nutzbar, die ehemalige Sakristei mit Teeküche und Abstellraum (zusammen 17 Quadratmeter) schon. Sanitäre Anlagen gibt es nicht, allerdings ein öffentliches WC im nahe gelegenen Betriebsgebäude.

Ähnlich wie in der Schlosskirche sind die Auflagen wegen des Denkmalschutzes hoch: An die Wände darf nichts gehängt werden, der Fußboden ist vor Kratzern zu schützen. Mobiliar gibt’s nicht, auch keine Ausstellungswände - und kein Geld. Möglich seien „kleinere Lesungen, Musikdarbietungen mit einem oder zwei Instrumenten und kleinere Ausstellungen an mobilen Stellwänden“.

Die Verwaltung gießt jedoch reichlich Wasser in den Wein: In der benachbarten Villa Wertheimber könnten keine weiteren Stühle und Tische untergestellt werden, falls der Tempel ohne Stühle genutzt werden soll. Für jede Veranstaltung bedürfte es einer Person, die den Raum und die Fensterläden öffnet und später wieder schließt. Nachmittags stünde der Hausmeister der Villa Wertheimber zur Verfügung, abends gibt’s keinen Service und für externe Hausmeisterdienste kein Budget.

Ein Raum für Kinder

Auch brauche es Aufsichtspersonen - und für neue Projekte habe man im Fachbereich Kultur und Bildung kein Personal frei. Für die „klassischen“ Kulturtermine sind das denkbar schlechte Voraussetzungen. Und trotzdem ist die Freude angesichts der konkreter werdenden Möglichkeit, den Tempel mit Leben zu füllen, groß. Vor allem bei Julia Dahl, die sich seit Jahren für eine Belebung des Gustavsgartens einsetzt und maßgeblich an der Konzeption und Umsetzung der Spielfläche im Südosten des Parks beteiligt war.

Mittlerweile sitzt Dahl für die CDU im Ortsbeirat Berliner Siedlung/Gartenfeld und ist im Vorstand des Fördervereins Kleiner Tannenwald, unter dessen Dach die „AG Gustavsgarten“ aufblüht, für den Bereich „Öffentlichkeitsarbeit und Events“ zuständig.

„In Absprache mit der Stadt darf die Gustavsgarten AG den Tempel künftig für Veranstaltungen in eigener Sache nutzen“, erklärt sie und ergänzt: „Darüber freuen wir uns sehr und wissen gleichzeitig, dass es für manche Menschen vielleicht ungewöhnlich, ja besorgniserregend, ist, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche mit Denkmälern in Berührung kommen zu lassen.“

Doch man sei sich der Verantwortung gegenüber der Stadt, der Geschichte, aber auch gegenüber der jungen Generation bewusst. „Unser Ziel ist, zum Erhalt der Landgräflichen Gärten und Denkmäler beizutragen, und zwar mit Kopf, Herz und Hand - so wie es Pestalozzi schon gesagt hat.

Dies lässt sich am besten realisieren, wenn wir mit den Kindern gemeinsam im Tempel Lesungen, etwa zum Nikolaustag, abhalten oder Adventsgestecke in weihnachtlicher Atmosphäre basteln.“ Das Interesse an Angeboten für den Nachwuchs wächst, weiß Dahl zu berichten. In der Garten AG in Kooperation mit der Landgraf-Ludwig-Schule können Schulkinder jeden Mittwochnachmittag erfahren, wie man Land fruchtbar macht, sich auf die Jahreszeiten einstellt, gesund bleibt und glücklich lebt. Zum Kürbisschnitzen kamen im vergangenen Jahr 80 Familien in den Garten - in diesem Jahr wird am Sonntag, 16. Oktober, geschnitzt, vorgesehen sind zwei Zeitfenster. Weitere Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt’s per E-Mail an info@kleiner-tannenwald.de.

Mit den Veranstaltungen wächst auch die Reichweite der AG Gustavsgarten und damit auch das Bewusstsein um die Bedeutung des Kleinods. „Und das führt zu Wertschätzung und Identifikation mit dem Gustavsgarten“, ist sich Dahl sicher. Man wolle am Gedanken des Erhalts und der Erneuerung festhalten, „und wir hoffen, durch weitere Aktionen viele neue Mitglieder und Freunde für den Kleinen Tannenwald und den Gustavsgarten zu werben“, bekräftigt Dahl.

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