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„Ich hatte noch eine Rechnung offen mit dem Stück“

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Hier wird noch geprobt, ohne Glitzer und Discokugel: Alexander Klaws (rechts) als Tony mit Marije Maliepaard als Annette. Benjamin Weber
Hier wird noch geprobt, ohne Glitzer und Discokugel: Alexander Klaws (rechts) als Tony mit Marije Maliepaard als Annette. Benjamin Weber © Benjamin Weber

Alexander Klaws, Sieger der ersten Staffel von DSDS spielt in Darmstadt den Tony Manero in „Saturday Night Fever“ – ein Musical, das er für weit unterschätzt hält

Alexander Klaws (38), der nach „Deutschland sucht den Superstar“ als Sänger und Musicaldarsteller durchgestartet ist, spricht über die Show, Corona und sein Engagement in Darmstadt.

Herr Klaws, Sie haben 2003 die erste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen. Wie war das damals für Sie?

Oje, darauf kann ich gar nicht mehr wirklich antworten, weil seitdem so viel passiert ist. Wenn man den Moment erlebt, von dem man immer geträumt hat, ist das der Wahnsinn. Als ich das erste Mal auf einer Fernsehbühne stand, war ich zehn Jahre alt, das war in der „Mini-Playback-Show“. Mit 19 war ich dann bei „Deutschland sucht den Superstar“. Und danach kam ja noch immer mehr oben drauf. Das sind unvergessliche Momente. So etwas formt den Charakter.

Ohne DSDS wäre Ihr Leben wohl ein anderes geworden. Wie blicken Sie heute auf Ihren Sieg und auf die Show?

Ich weiß nach wie vor, wo ich herkomme, und bin immer noch derselbe Mensch, der ich vorher war. DSDS war eine Chance für mich, der Startschuss in ein neues Leben. Es haben sich Türen geöffnet in eine Welt, in der man sich austoben – aber auch grandios scheitern kann. In der ersten DSDS-Staffel war noch nichts geplant, es war nicht klar, ob dieses Format überhaupt ankommen würde beim Publikum. Und dann ist es so durch die Decke gegangen. Die Premiere war der Blockbuster, danach wurde versucht, das zu reproduzieren.

Wie meinen Sie das?

Anfangs standen die Stars und ihr Können im Mittelpunkt, irgendwann ging es dann mehr um die Show. Statt darauf zu vertrauen, dass die Leute auf der Bühne das Publikum berühren, wurde ihnen schon vorab ein Image verpasst. Ein weiterer Punkt ist, dass neben DSDS immer neue Castingsendungen geschaffen wurden. Deutschland war zwischenzeitlich total übercastet.

Aktuell läuft die 19. Staffel – die erste ohne Dieter Bohlen, dessen Platz Florian Silbereisen eingenommen hat. DSDS ohne Bohlen: Geht das überhaupt?

Dieter war natürlich der Dinosaurier, er stand im Mittelpunkt der Show. DSDS ist im Laufe der Jahre sein Format geworden. Aber er hat ein bisschen verpasst, es zur richtigen Zeit abzugeben. Als dann die Stunde gekommen war, hat RTL es nahtlos fortgesetzt. Das ist nicht konsequent, gewisse Menschen sind einfach nicht austauschbar. DSDS hätte eine Pause gutgetan. Ich bin gespannt, wie Florian das macht, ich mag ihn auch sehr. Zurzeit laufen ja die Castingfolgen, aber ich hatte bislang kaum Gelegenheit, sie zu schauen und habe nur mal kurz reingezappt.

Sie haben bislang sechs Studioalben veröffentlicht, waren immer wieder in Fernsehshows und -serien sowie in etlichen Musicals zu erleben. Sie haben den Tarzan gespielt, den Winnetou, den Jesus Christ. Vom 5. März an stehen, respektive tanzen Sie in Darmstadt als Tony Manero auf der Bühne.

Tanzen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, in „Saturday Night Fever“ kann ich mich gut austoben. Die Anfrage vom Staatstheater kam vor einem dreiviertel Jahr, mitten in der Corona-Zeit. Ich hatte nicht so viel zu tun und außerdem noch eine Rechnung offen mit dem Stück. Als ich 2016 zum ersten Mal den Tony spielte, hatte ich mir aus verschiedenen Gründen mehr erhofft, vor allem tänzerisch. Die Choreografie in Darmstadt erfüllt nun genau das. Deswegen habe ich relativ fix gesagt: Klar mach‘ ich da mit.

Zur Person und zum Stück

Alexander Klaws , geboren 1983 im Münsterland, hat sechs Alben veröffentlicht, in etlichen Musicals mitgewirkt sowie in den Fernsehshows „Let’s Dance“ oder „The Masked Singer“, die er gewonnen hat.

Im Musical „Saturday Night Fever“ am Staatstheater Darmstadt, Georg-Büchner-Platz 1, spielt er den jungen Farbverkäufer Tony Manero, der samstagsabends in der Disco „2001 Odyssey“ seinen tristen Alltag vergessen will.

Premiere ist am Samstag, 3. März, 19.30 Uhr, es gibt noch wenige Restkarten. Weitere Vorstellungen sind am 10., 12. und 18. März sowie am 2., 16., 23. und 24. April. myk

Informationen und Tickets :
www.staatstheater-darmstadt.de

Der Film kam 1977 in die Kinos, er hat die Discowelle erst so richtig in Schwung gebracht. Wann haben Sie ihn zum ersten Mal geschaut?

2016, bevor ich das erste Mal im Musical mitspielte. Ich war überrascht, dass es darin doch um mehr geht als um Friede, Freude, Eierkuchen und den tanzenden John Travolta. Das Buch hat mich dann richtig gepackt. Generell ist „Saturday Night Fever“ eines der am meisten unterschätzten Stücke. Es hat Tiefe, ist sozialkritisch, thematisiert Rassismus und Sexismus. Und die Scheinwelt, die Tony sich samstags in der Disko aufbaut, um die fehlende Liebe des Vaters zu kompensieren.

Und das zur Musik der Bee Gees.

Zu ihren Songs habe ich durchaus eine emotionale Bindung, sie haben unfassbare Hits geschaffen, die heute immer noch modern wirken. Es ist einfach wunderbar zeitlose Musik.

Ihr Lieblingssong?

„Stayin‘ Alive“ ist schon sehr cool. Ich lasse jetzt aber mal offen, ob ich in Darmstadt auch mit Falsett-Stimme singe.

Warum sonst sollte das Publikum „Saturday Night Fever“ dort auf keinen Fall verpassen?

Weil das die beste und geilste Version ist, die je auf die Bühne gebracht worden ist. Es wird manche aus den Socken hauen, was das Stück alles hergibt. Ich bin sehr gespannt, wie die Leute darauf reagieren. Die Inszenierung wird viele überraschen.

Eine letzte Frage noch: Wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?

Die Zeit war schwierig, und sie ist ja noch nicht ganz überstanden. Meine Konzerte im März habe ich erst mal auf Eis gelegt. Dabei war ich in den vergangenen zwei Jahren ja noch gesegnet, weil ich nach wie vor Fernsehen gemacht habe. Trotzdem war auch ich in einer Negativspirale und habe von Ungerechtigkeit erfahren, ob im Einzelhandel oder unter Künstlerkollegen. Bestimmte Berufsgruppen sind von Hilfen ausgenommen und dürfen nicht arbeiten, aber da stehen 2000 sogenannte Querdenker auf einem Platz und demonstrieren. Das ist absurd. Man kann nicht erwarten, diese Zeit gemeinsam zu überstehen, wenn sich die Gesellschaft immer weiter spaltet. Und leider haben wir jetzt noch ein anderes Problem: den Überfall von Putin auf die Ukraine.

Interview: Meike Kolodziejczyk

Tanzfieber in der Disco „Odyssey 2001“: Alexander Klaws als Tony mit Janina Moser als Stephanie (Mitte). Nils Heck
Tanzfieber in der Disco „Odyssey 2001“: Alexander Klaws als Tony mit Janina Moser als Stephanie (Mitte). Nils Heck © Nils Heck

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