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Geschlossenes Hallenbad.

Rolf Müller

„Ich erwarte auch für Hessen weitere Öffnungen“

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Rolf Müller, Landessportbundpräsident in Hessen, glaubt, dass die Mitglieder ihren Vereinen die Treue halten. Doch nicht nur finanziell wird es knapp.

Rolf Müller (72) ist seit 1997 Präsident des Landessportbunds Hessen. 

Herr Müller, in den hessischen Sportvereinen ruht seit Wochen der Trainingsbetrieb. Wie schlimm ist das?

Es ruht ja nicht nur der Trainingsbetrieb. Es finden auch keine normalen Sitzungen mehr statt, es gibt keinen Wettkampfbetrieb, insgesamt ist die Vereinsarbeit weitgehend erlahmt. Damit sind auch die vielen sozialen Kontakte, für die ein Sportverein steht, unterbrochen. Ich halte das neben den finanziellen Schwierigkeiten für ein Hauptproblem. Auch wenn natürlich versucht wird, über digitale Angebote den Kontakt zu halten.

Funktioniert das?

Sportler sind ja findige Menschen und versuchen, das fehlende Miteinander im Verein etwas aufzufangen, etwa durch regelmäßige Videokonferenzen. Da gibt es auch Onlineangebote, die sonst nicht unbedingt zum Trainingsbetrieb gehören. So machen Schwimmer vielleicht einmal Pilates oder ein Handballer trainiert Kickboxen. Aber natürlich können das auf Dauer nur Notlösungen sein; den echten körperlichen Kontakt, die gemeinsame Anstrengung und das anschließende Zusammensein kann das nicht wirklich ersetzen.

Was heißt das für die Mitgliederentwicklung der Vereine, die ja ohnehin in den vergangenen Jahren schon um Nachwuchs kämpfen mussten?

Rolf Müller (72) ist Präsident des Landessportbunds Hessen.

Ein Riesenproblem. Ich kann es nicht abschätzen, wie die Motivationslage bei jungen Leuten künftig sein wird, sich im Training wieder zu quälen, um vielleicht auch im Leistungssport Erfolg haben zu können. Ich versuche optimistisch zu bleiben. Was die Mitgliederentwicklung angeht, liegen uns beim Landessportbund noch keine Meldungen vor, dass die Menschen in Massen austreten würden. Natürlich kommt das vereinzelt vor, dass einige in so einer Kunden-Dienstleister-Mentalität sagen: „Ich bekomme ja keine Leistung, also gehe ich.“ Aber da kann man schon auf die Solidarität der meisten Mitglieder vertrauen, die ihrem Verein treu bleiben, weil sie wissen, dass dort ohnehin viele Einnahmen wegbrechen.

Zur Person

Rolf Müler war Hochschulmeister im Schwimmen (1969) und war von 1995 bis 1998 Präsident des hessischen Schwimmverbands.

Müller ist CDU-Mitglied, war zweieinhalb Jahre lang Regierungssprecher unter Ministerpräsident Walter Wallmann und bis 2014 hessischer Landtagsabgeordneter. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Wie wirkt sich das finanziell auf die Vereine aus?

Der Schwimmverein Gelnhausen, dessen Vorsitzender ich bin, hätte beispielsweise im Mai die hessischen Meisterschaften ausgerichtet. Da wird Startgeld gezahlt, werden Kuchen und Getränke verkauft. Diese Einnahmen gehen uns flöten. Und so sieht das in vielen Vereinen aus.

Genügt das Hilfsprogramm der Landesregierung?

Das ist ein sehr positives Signal. Es gibt ja zum Glück mehrere solcher Hilfen. Das Wirtschaftsministerium unterstützt Vereine, die einen Wirtschaftsbetrieb unterhalten, also etwa eine Vereinsgaststätte. Außerdem gibt es die Möglichkeit, für Mitarbeiter Kurzarbeitergeld zu beantragen. Und das am Montag vorgestellte Programm stellt notleidenden Vereinen immerhin bis zu 10 000 Euro in Aussicht. Dort, wo ohnehin keine Hauptamtlichen bezahlt werden müssen, sollten die Vereine damit wirtschaftlich wohl über die Runden kommen.

Rheinland-Pfalz erlaubt den Trainingsbetrieb für Individualsportarten im Freien wie beispielsweise für Reiter, Tennisspieler oder Ruderer, wenn der Infektionsschutz gewahrt wird. Ist das etwas, das Sie sich auch für Hessen wünschen?

Das hat einen gewissen Charme. Problematisch ist natürlich, wenn sich dann andere Sportarten benachteiligt fühlen und es in Deutschland einen föderalistischen Flickenteppich gibt. Die Bundeskaderathleten dürfen ja schon wieder trainieren. Am 30. April soll erneut entschieden werden. Ich erwarte, dass es dann weitere Öffnungen auch in Hessen geben wird.

Interview: Peter Hanack

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