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Die Mainfähre wird in Maintal am Mainufer instandgesetzt.

Interview

„Ich erhöhe die Überfahrt auf fast zwei Euro“

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Mahir Kolbüken über seinen neuen Fährbetrieb zwischen Mühlheim und Maintal.

Die Fähre, die Mühlheim im Kreis Offenbach mit Maintal-Dörnigheim im Main-Kinzig-Kreis verbindet, hat einen neuen Pächter. Mahir Kolbüken aus Heusenstamm wird das Schiff, das im Oktober 2017 stillgelegt wurde, Ende des Monats wieder in Betrieb nehmen – nachdem notwendige Reparaturarbeiten abgeschlossen sind.

Herr Kolbüken, ab wann genau sind Sie der neue Fährmann?
Ich kann Ihnen das genaue Datum nicht geben, weil zurzeit noch Reparaturarbeiten an der Fähre durchgeführt werden.

Steuern Sie selbst die Fähre?
Ich bin erst mal der Betreiber und sozusagen der Wächter, werde dann aber mit der Zeit den Fährschein selber machen.

Das heißt: Sie hatten keine Ahnung vom Geschäft?
Ich hatte bisher noch nie eine Fähre gepachtet. Ich bin seit Jahren in der Versicherungsbranche unterwegs, bin Agent bei einer Gesellschaft. Das macht auch noch riesig Spaß.

Wie kamen Sie zur Fähre?
Ich bin regelmäßiger Nutzer gewesen, wenn ich zu Kunden gefahren bin. Irgendwann habe ich gemerkt, die Fähre fährt nicht mehr. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt.

Vom Wissen, dass die Fähre nicht mehr fährt, bis zum Pachtvertrag ist es aber ein großer Schritt ...
Ich bin türkischer Herkunft, wo wir herkommen, ist das Meer. Wir haben schon immer einen Bezug zu Wasser. Bei mir kam der Gedanke: Mensch, könntest du nicht dieser Fähre, die schon immer und ewig gefahren ist, irgendwie wieder zum Start verhelfen.

Da gehört aber schon eine kräftige Portion Unternehmergeist und Mut dazu.
Es hat eine Menge Arbeit gekostet, das ist ganz klar. Aber Sie wissen, wie es bei Südländern ist: Die reagieren schnell.

Ist die Fähre also Ihr Hobby?
Erst mal ja. Mein Zeiteinsatz wird bei drei, vier Stunden pro Tag liegen, weil ich weiterhin als Versicherungsagent tätig sein werde. Langfristig, vielleicht ab 65, kann ich mir schon vorstellen, nur noch das Eine durchzuführen.

Sie hatten per Anzeige Fährpersonal gesucht.
Das war das Schwierigste an der ganzen Sache. Ich habe drei Fährschiffer gefunden, die das Schiff führen könnten. Darunter ist auch ein Herr im Rentenalter, der schon unter dem Vorvorpächter gefahren ist. Er hat lange Erfahrung und hat mir mit Rat und Tat geholfen. Er ist ein Glücksgriff.

Aber das wussten Sie ja vorher nicht...
Ich habe bundesweit sechs Monate lang Fährschiffer gesucht, von Juli bis Ende letzten Jahres. Seitdem stehen sie Gewehr bei Fuß. Ich werde auch Personen haben, die auf der Fähre mit Rangier- und Kassierarbeiten beschäftigt sind. Der eine wird mein Sohn sein, der mit einsteigt. Es soll eine Starthilfe für ihn sein. Er wird den Fährschein ebenfalls machen. Dann habe ich noch eine Person, die bei der Altfähre Inhaber war und jetzt mit kassieren wird. Dahingehend ist genügend Personal da, ich bräuchte aber eventuell noch einen Fährschiffer.

Wie lange dauert es, den Fährschein zu bekommen?
Es dauert insgesamt 180 Tage, die man auf einer Fähre gewesen sein muss, und die von jemandem abgezeichnet werden müssen, der auch selbst Fährschiffer ist – mit theoretischen und praktischen Prüfungen zum Schluss.

Unter den Vorbesitzern haben Sie jemanden dafür gefunden?
Das ist die Altbesitzerin, die ich kennengelernt habe, als ich eruiert habe, wer die Fähre betrieben hat. Sie wird beim Rangieren und Kassieren tätig sein und das Personal auch einführen, weil sie das Wissen hat.

Sie wissen, dass den Vorpächtern gekündigt wurde, weil sie die Fähre falsch beladen hatten.
Das wird so nicht mehr passieren, darauf werden wir definitiv achten. Ich werde zur Genüge vor Ort sein und mir das genau anschauen.

Sie kennen den Zustand der Fähre ja...
Es gab vieles, was gemacht werden musste, um durch den Fähr-TÜV kommen zu können. Die Fähre hat zwar noch zwei Jahre TÜV, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen. Deshalb wird alles nochmals genauer untersucht, repariert, saniert. Dann erst folgt die Abnahme, damit die Sicherheit da ist, dass die Fähre weitere fünf Jahre fahren kann.

Sind fünf Jahre eigentlich nicht zu wenig für diesen Aufwand?
Dann muss man sehen, ob die Fähre weiterhin noch nutzbar ist mit kleineren Nacharbeiten, oder ob man sich Gedanken machen muss über eine andere Fähre.

Der Kreis als Eigentümer der Fähre müsste für Ersatz sorgen?
Wir gemeinsam. Meine Wenigkeit inklusive dem Kreis, und die beiden Anliegerkommunen. Dann müsste geschaut werden, kommt eine neue her oder eine gute gebrauchte, die noch nicht so alt ist.

Warum hat es so lange gedauert mit der Wiederinbetriebnahme?
Weil viele Barrieren da waren. Die eine oder andere Gemeinde war nicht so gesprächsbereit. Die Fähre sollte zwar kommen, aber ohne irgendwelche Investitionen, und das war einfach nicht machbar. Mein Dank geht an den Kreis Offenbach, der von der Zeit und den Investitionen her großen Einsatz geleistet hat, und die Bürgerinitiative aus Mühlheim, die seinerzeit auf die Straße gegangen ist, dass die Fähre wieder in Betrieb genommen werden muss.

Wurde denn erst von Ihnen verlangt, die Fähre so zu betreiben wie die vorherigen Pächter, also ohne irgendwelche Zuschüsse?
Ich habe erst Kalkulationen gemacht, die keinerlei Zuschüsse beinhalteten. Dann habe ich Gespräche geführt mit erfahrenen Fährbetreibern. Da hieß es: Seien Sie vorsichtig, es werden Anfangsschwierigkeiten da sein, und um die zu überbrücken, sind Zuschüsse notwendig. Und gerade, wenn es um größere Reparaturen an der Fähre gehen wird, ist auf jeden Fall Unterstützung nötig.

Wie ist es bei künftigen Reparaturen? Müssen Sie die zahlen?
Nein, es steht pro Jahr ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Diese Reparaturkostenzuschüsse kommen künftig von den beiden Kommunen, nicht mehr vom Kreis Offenbach, der dann außen vor ist. Aber die Investitionen, die der Kreis im Vorfeld geleistet hat, waren immens, es geht um Tausende von Euro.

Und Sie bekommen auch einen Betriebskostenzuschuss?
Ja, für den Anfang zahlen die Kommunen auch einen Betriebszuschuss. Wir sind uns alle einig: Wenn die Fähre startet, werden nicht sofort die Zahlen erreicht, die es vor eineinhalb Jahren gab. Die Menschen müssen erst wissen, dass die Fähre wieder da ist. Fakt ist aber auch, dass die Altpreise keinen Bestand mehr haben können. Für den alten Fährpreis bekommen Sie nicht mal einen Kaffee.

Was kostet die Überfahrt künftig?
Einen Euro hat die Überfahrt für Pkw gekostet, ich erhöhe auf fast zwei Euro. Die Vorbesitzer waren Familienunternehmen, aber ich muss Leute bezahlen.

Es hieß, Sie weiten die Betriebszeiten aus?
Die Betriebszeiten werden so eingehalten, wie es früher mal vereinbart war: 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends, in einer Sieben-Tage-Woche. Ich habe gehört, dass unter den Vorbesitzern die Fähre öfter nicht gefahren ist – aus welchen Gründen auch immer.

Interview: Annette Schlegl

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