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Zehn Menschen zusammen in einem Aufzug, darunter mehrere Spitzenpolitiker: Das hätte in normalen Zeiten niemanden interessiert.

GUT GEBRÜLLT

Aufzug-Gate

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Politiker dicht gedrängt in einem Aufzug des Universitätsklinikums Gießen-Marburg – das ist der Aufreger der Woche.

Zehn Menschen zusammen in einem Aufzug, darunter mehrere Spitzenpolitiker: Das hätte in normalen Zeiten niemanden interessiert. In Corona-Zeiten allerdings ist das ganz anders – und man mag kaum glauben, dass sich diese erwachsenen Männer, die sich ununterbrochen um die Bekämpfung des Virus bemühen, so einen Fauxpas leisten.

Der Aufzug von Gießen wurde zum politischen Aufreger der Woche schlechthin. Manche sprachen bereits vom „Aufzug-Gate“. Da standen genau diejenigen zusammen, die Kontaktverbote und Abstandsregeln selbst verkündet haben und sie bei einem politischen Termin im Universitätsklinikum Gießen-Marburg schlicht ignorierten: Ministerpräsident Volker Bouffier, sein Regierungssprecher Michael Bußer, Kanzleramtsminister Helge Braun, Bundesgesundheits-minister Jens Spahn (alle CDU) sowie der grüne Sozialminister Kai Klose. Dazu mehrere Mitarbeiter des Klinikums.

Beteiligte reagieren kleinlaut

Als das Foto in den sozialen Netzwerken die Runde machte und mit empörten Kommentaren bedacht wurde, reagierten die Beteiligten kleinlaut. Spahn twitterte: „Ganz klar: Das geht besser. Auch mit Mundschutz Abstand halten. Und das nächste Mal einfach die Treppe nehmen.“ Regierungssprecher Michael Bußer gestand ein: „Da muss man nicht groß drum herumreden: Das hätte nicht passieren dürfen. Auch wenn alle Mundschutz tragen, in diesem Aufzug stehen zu viele Menschen.“

Warum aber hat das niemand gemerkt? Müssen die Verantwortlichen jetzt Bußgeld zahlen für ihren Verstoß gegen das Abstandsgebot? Was sollen die Krankenpfleger und Ärztinnen in Gießen, Marburg und anderen Kliniken denken, die jeden Tag peinlich auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achten? Und was alle jene, die anderen Menschen beim Spaziergang ein bisschen zu nahe kommen?

„Man kommt sich vor wie in der Steinzeit“

Der gemeinsame Auftritt der Spitzenpolitiker mit großem Brimborium war ohnehin verwunderlich in diesen Zeiten, da fast alle Treffen nur per Computer möglich sind. Dabei geht es den hessischen Spitzenpolitikern übrigens auch nicht besser als den Bürgerinnen und Bürgern, die ihr Homeoffice mit Video- und Telefonkonferenzen verbringen. Das Bild wackelt, der Ton krächzt, die eigene Äußerung kommt auf der anderen Seite nicht an, und im wichtigsten Augenblick fliegt man aus der Leitung.

Solche Erfahrungen hat Freidemokrat René Rock gemacht, als er und die anderen Fraktionsvorsitzenden aus der Staatskanzlei unterrichtet wurden. „Da kommt man sich vor wie in der Steinzeit“, stöhnte der Oppositionspolitiker – übrigens in einer gemeinsamen Videopressekonferenz von SPD und FDP, die auch nicht ganz ohne Tücken verlief.

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