Adolf Hampel ist tot.
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Adolf Hampel ist tot.

Hessen

Hungener Schlossvater gestorben

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Adolf Hampel wurde 88 Jahre alt. Er lehrte in Königstein und Gießen, er wagte die Sanierung des Schlosses in Hungen. Das Lebenswerk des Theologen aber war die Versöhnung mit Osteuropa.

Er war „Schlossvater“ im mittelhessischen Hungen, lehrte am Königsteiner Priesterseminar und als Theologieprofessor in Gießen. Unermüdlich reiste Adolf Hampel für die Völkerverständigung nach Osteuropa und stritt für die Reform der katholischen Kirche, etwa gegen die Pflicht zur Ehelosigkeit. In der Nacht zum Sonntag ist Hampel im Alter von 88 Jahren gestorben.

Im vorigen Jahr war Hampel zum Ehrenbürger von Hungen ernannt worden. Er war es, der seit 1974 mit seiner Frau Renate das wagemutige Projekt der Sanierung des Hungener Schlosses angegangen war, mit einem großen Kreis von Freund:innen und Bekannten, der „Schlossgruppe“.

Hampel wurde 1933 in Klein-Herrlitz im Sudetenland geboren, das heute zu Tschechien gehört. Im Jahr 1946 wurde er mit seiner Familie vertrieben. Später widmete er große Teile seiner Schaffenskraft der Versöhnung zwischen Ost und West. 2012 veröffentlichte er seine Erinnerungen unter dem Titel „Mein langer Weg nach Moskau“.

Nach seiner Promotion 1962 in Rom lehrte Hampel in Königstein und wurde 1969 Professor für katholische Kirchengeschichte und Moraltheologie an der Uni Gießen. Höchst ungewöhnlich: Der Priester Hampel ersuchte Papst Paul VI., ihn vom Zölibat zu entbinden, was dieser tat. Adolf Hampel durfte seine Freundin Renate heiraten, mit der er sich 50 Jahre lang als kongeniales Paar für benachteiligte Menschen einsetzte und die „Schlossgruppe“ zusammenhielt.

Die Besitzer des Schlosses, das Haus Braunfels, hatte sich von dem stark sanierungsbedürftigen Gebäude getrennt. Die „Schlossgruppe“ um die Hampels sanierte das Schloss – so vorbildlich, dass sie vom Denkmalschutz gewürdigt wurde.

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