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Insgesamt betreibt die Gemeinde sechs Schäferwagen.

Hungen

Schäferstündchen am Pilgerweg

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Reformierte Gemeinde bietet besondere Übernachtungen an

In bester Schäfertradition stand die osthessische Kleinstadt Hungen mit ihren 3500 Schafen eigentlich schon immer. Doch dass nun auch die reformierte Kirchengemeinde Nonnenroth im gleichnamigen Stadtteil von Hungen auf den Markenkern der Stadt setzt und mit „Schäferstündchen“ lockt, ist auf den ersten Blick doch etwas ungewöhnlich – aber Tatsache: Sechs Schäferwagen stehen in Hör- und Sichtweite des „Lutherweges 1521“, der von Worms durch Hessen bis zur Wartburg bei Eisenach führt, frei nach der Route, die der Reformator vor fast 500 Jahren zurückgelegt hatte.

Eben dieser Weg für Pilger und Wanderer, der zum Reformationsjubiläum 2017 aus der Taufe gehoben worden war, war für die reformierte Gemeinde Nonnenroth der Anlass für ihre zweideutige Idee, sagt Pfarrer Hartmut Lemp: „Es gehört ja eigentlich zur Kirche dazu, dass sie gastgebende Gemeinde ist. Und da haben wir nach einer pfiffigen Idee gesucht, wie wir den Wanderern auf dem Lutherweg eine passende Übernachtungsmöglichkeit bieten können.“

Zuerst dachte der Kirchenvorstand an eine Heu-Herberge, aber dafür waren die Sicherheitsauflagen zu hoch. Mit den ortsansässigen Vollerwerbs-Schäfereien – mit vieren an der Zahl schon eine kleine Sensation für sich – war die Sache mit den Schäferwagen dann das nächstliegende.

„Jetzt sind wir weltweit die erste Kirchengemeinde mit Schäferwagen-Herberge“, freut sich Pfarrer Lemp. Von der Idee war sogar das EU-Leader-Netzwerk so sehr begeistert, dass die Förderstelle zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft 153 000 Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für das Schäferwagen-Projekt in Nonnenroth zur Verfügung gestellt hat. „Es gibt viele Projekte, die gefördert werden und identitätsstiftend sind“, sagte die hessische Europaministerin Lucia Puttrich bei der Eröffnungsfeier vor einem Jahr. „Aber das hier in Nonnenroth ist wirklich einzigartig.“

Die sechs Schäferwagen mit Schlafmöglichkeiten für insgesamt 18 Personen sind im Inneren mit hellem Holz verkleidet und mit einem kleinen Tisch mit Hockern ausgestattet, außerdem gibt’s eine Infrarotheizung und elektrisches Licht samt Stromanschluss. In einem separaten Gebäude sind Küche und Sanitäreinrichtungen untergebracht. Für Wanderer allemal ausreichend. „Hätten wir statt Schäferwagen Campingwagen, würden wir im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich rangieren“, glaubt Lemp derweil. Er ist stolz auf den Coup, den er kurz vor seinem Ruhestandsantritt im nächsten Jahr gelandet hat. Und der Erfolg gibt ihm recht, immerhin sind in seiner Statistik nun schon fast 1000 Übernachtungen verbucht. Dass das zugegebenermaßen nicht immer Pilger waren, sondern mindestens genauso viele Übernachtungsgäste, die einfach einmal eine Nacht an einem besonderen Ort verbringen wollten, stört den Pfarrer dabei kaum. Das dürfte den intendierten Schäferstündchen schließlich nur umso zuträglicher sein.

Verlosung

Die FR verlost zwei Übernachtungen für eine Familie in den Schäferwagen der Gemeinde Nonnenroth im gleichnamigen Stadteil von Hungen bei Gießen. Wer gewinnen möchte, registriert sich bis 16. Juli, 10 Uhr unter https://fr.de/gewinnspiel mit dem Losungswort „Schäferwagen“. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Nur Gewinner werden benachrichtigt.

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