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Ist das denn eine anständige V-Formation, Herrschaften? Kraniche auf dem Weg in den Urlaub nach Süden.
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Ist das denn eine anständige V-Formation, Herrschaften? Kraniche auf dem Weg in den Urlaub nach Süden.

Kranichzug

Hunderttausende Kraniche ziehen über Hessen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Kraniche ziehen in riesigen Scharen gen Süden, krächzen und trotzen den stürmischen Böen. 300.000 Vögel sind quer über Hessen unterwegs.

Das hat gesessen: „Anders als die Deutsche Bahn lassen sich die Kraniche auch vom stürmischen Wetter nicht beeindrucken“, teilte der Naturschutzbund (Nabu) mit. Verhinderte Reisende können das bestätigen. Eisenbahn nach Norden: Fehlanzeige. Kranichzüge gen Süden: Bahn frei, Kartoffelbrei!

„Auf sämtlichen Zugrouten herrscht weiter dichter Flugverkehr. Wo der Himmel aufreißt, bestehen gute Chancen, ziehende Kraniche zu sehen – zu hören sind sie allemal“, frohlockte der Nabu. Und das war untertrieben. Am Dienstag wollen die Ketten nicht enden, in denen sie über die Stadt ziehen. Spaziergänger bleiben fasziniert stehen. „So viele an einem Tag hab’ ich noch nie gesehen“, sagt ein Mann mit Hund und Feldstecher.

Etwa 300 000 der faszinierenden Vögel ziehen jedes Jahr zwei Mal über Deutschland, im Frühjahr und im Herbst, ihr Weg führt über Hessen. Wir haben ja auch den größten Flughafen.

Die Menschen mögen die Kraniche, erstens wegen des schönen Anblicks, zweitens wegen der lustigen Trompetentöne, die die großen Langstreckenflieger von sich geben. Warum tröten sie wie eine Autohupe vor 100 Jahren? Zur Motivation. Das bedeutet: Hup hup, seid ihr noch alle da? Jaaa, hup hup!

Man muss allerdings sagen: So ganz kerzengerade ist er in dieser Saison nicht unterwegs, Grus grus, der Graue Kranich. Die Züge über Frankfurt kommen immer wieder ins Stocken, manche Reisegruppe löst ihre windschnittige V-Formation auf und kumuliert, scheinbar unschlüssig, wo es langgehen soll.

Sind da etwa doch Probleme mit Gegen- und Seitenwind zu beobachten? Die Fachleute kann man nicht dazu befragen, ob Nabu oder Vogelschutzwarte, sie sind an Brücken- und Feiertag offenbar samt und sonders draußen, gucken in die Luft und gehen nicht ans Telefon. Kein Wunder, bei dem herrlichen Herbstwetter ist der Blick nach oben besonders lohnend.

Viele Kranichfreunde haben ihre Beobachtungen in dieser Flugsaison registriert, etwa auf der Internetseite ornitho.de: Da zieht sich der charakteristische breite Streifen aus roten Sichtungspunkten schräg von rechts oben aus Mecklenburg-Vorpommern nach links unten, Baden-Württemberg. Mitten auf der Strecke: Hessen und Rhein-Main.

Unter Naturgucker.de wächst eine lange Liste mit Kranich-Sichtungen: 55 Tiere zählt Frank Philip Gröhl am Montag am Alten Flugplatz Bonames/Kalbach. Schön, aber ein Schmetterling im Wind gegen das, was kommt. Der Dienstag jagt die Zahlen in die Höhe, 1500 Kraniche trägt der Nabu für Frankfurt ein, 1200 für Hofheim, 750 für Bad Homburg; nur ein Zwischenstand, es geht weiter und weiter.

2000 Kilometer am Stück kommen locker zusammen, wenn Kraniche ins Winterquartier nach Afrika oder Südeuropa reisen. Auf großen Feldern legen sie Pausen ein, nehmen als Proviant gern, was der Bauer übriggelassen hat, und spenden im Gegenzug reichlich organischen Dünger. Wer so einen Kranichrastplatz entdeckt, an den geht stets der Appell: Bitte nicht stören, großen Abstand halten, denn wenn sie unnötig aufgescheucht werden, verlieren sie Energie, die sie für den weiten Flug dringend brauchen.

Bekannt ist übrigens, dass es auch unter Kranichen Verfrorene und weniger Verfrorene gibt. „Als Erste starten die Frostköttel“, schilderte Dagmar Stiefel einmal, die Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte in Fechenheim. Am Ende dann jene, die auch winterliche Temperaturen aushalten.

Und wenn die Vogelzüge in der Luft sind – ist das gefährlich für den Flugverkehr? Nicht so schlimm, hat die Deutsche Flugsicherung schon entwarnt. Jeder Pilot wisse, dass die Kraniche gerade reisen, wo er mit größeren Zügen rechnen müsse und wie er dann ausweichen könne. Und notfalls, wie gesagt, kann so ein Kranich ja auch jederzeit hupen.

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